Unterländer
Volksfest
Ein
Auftakt nach Maß im wahrsten Sinne des Wortes. Der Heilbronner
Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann
benötigte beim Faßanstich nur wenige Schläge, acht an der Zahl, nicht gerade
Münchner Oktoberfest-gemäß, aber für Heilbronn ein Erfolg. Denn es gab schon
Anstiche, da spritzte und schäumte es meterweise in der Umgebung des Bierfasses
– und auch Steinkrüge gingen zu Bruch. Im kleinen, aber feinen Festzelt auf der
Heilbronner Theresienwiese wurde
dann auch unter den geladenen Gästen zur Eröffnung am Freitag, 31. Juli, der
neue Vertrag für die Volksfeste bis in Jahr 2001 besprochen. Denn eine Stunde vor Beginn des 72sten
Unterländer Volksfestes war im Amtszimmer des Heilbronner OB der neue Pachtvertrag
für die Zeit von 1999 bis zum Jahre 2001 unterzeichnet. Damit, so Bernhard Winkler, Heilbronns
Verkehrsdirektor, sind frühzeitig die Weichen zwischen der Stadt Heilbronn, den
Stuttgarter Festzeltbetrieben Göckelesmaier und der Dinkelacker-Schwaben-Bräu
AG aus der Landeshauptstadt für die nächsten drei Jahre auf der Heilbronner
Theresienwiese gestellt. Was danach kommt? Vor den Toren Heilbronns steht schon
lange die Brauerei Palmbräu aus Eppingen, eine Firma, die sich als der Region
verbundene Brauerei empfiehlt. Aber die Dinkelacker-Marke Cluss hat halt bisher
noch den alles entscheidenden Stallgeruch.
Bäume
weg
Mit
einer Rattenplage fing in der Katzensteige Heilbronns alles an. Im Februar
1998. Jetzt werden keine Ratten mehr gesichtet, dafür aber sind 35 bis zu fünf
Meter hohe Fichten auf 1,80 Meter gestutzt. So wie es im Prozeßvergleich vom
22. Juni 1998 vom Amtsgericht Heilbronn festgeschrieben wurde. Geklagt hatten
die grüne Stadträtin Lieselotte Klug
und Ehemann Herbert gegen ihre
Nachbarn Lang. Die Klug-Forderung vom 27. Mai 1998: „Die Beklagten haben dafür
Sorge zu tragen, daß die Fichten entlang der Grenze zu den Klägern in der Zeit
zwischen 1. und 15. Oktober 1998 auf die zulässige Höhe von 1,80 Meter verkürzt
werden.“ – Und im Prozeßvergleich vom
22. Juni 1998 ist zu lesen: „Die Beklagten verpflichten sich, die an der Grenze
der Grundstücke Katzensteige 40/1 und Katzensteige 42 stehenden Fichten bis
31.7.1998 auf eine Höhe von 1,80 Meter auf ihre Kosten zu kürzen.“ – Das ist am
30. Juli 1998 geschehen. Fernsehstationen
berichteten ausführlich über den Fall der 35 Heilbronner Fichten. Jetzt ist die Familie der Grünen-Stadträtin
Klug wieder an der Reihe. Denn im Prozeßvergleich steht außerdem: „Die
Beklagten gestatten dem Kläger, die Reststämme der Fichten auf seine Kosten
bodennah abzusägen. Das Eigentum der Reststämme geht ins Eigentum der Kläger
über.“ Familie Klug darf also jetzt die Fichtenstümpfe bodennah absägen.
Momentan scheint der Grünen-Stadträtin der Boden offenbar zu heiß zu werden.
Denn vom Absägen der Reststämme wollen sie und ihr Mann jetzt nichts mehr
wissen. Obwohl beide diesem Vergleich vor Gericht zugestimmt hatten. Wer fünf
Meter hohe Fichten auf 1,80 Meter Höhe stutzt, weiß daß diese Bäume tot sind.
Das wußte auch die Grüne Lilo Klug, ehe sie nach Ghana flog, um dort 100.000
neue Bäume zu pflanzen. Jeder Mensch, der den Garten im unbeschädigten Zustand
gesehen hatte, kann bis heute nicht verstehen, wen die 35 Fichten eigentlich
gestört haben – und warum sie auf 1,80 Meter Höhe zurückgeschnitten werden
mußten. Familie Klug in ihrem kleinen Reihenhaus mit den schießschartenartigen
Fenstern gen Norden – also gegen die Fichten der Familie Lang – hatte keinen
Nachteil. Nur jetzt haben die Klugs freie Aussicht – sprich den durch Bäume
unverstellten Blick in den Garten und auf die Terrasse ihrer Nachbarsfamilie. War es das, was gewollt war? Vom
Abholzen der Reststämme, die Familie Klug sich im Prozeßvergleich zusichern
ließ, will sie auf einmal nichts mehr wissen. Mir kommt dieses Klug’sche
Verhalten so vor, wie das jenes schwäbischen Bauern, der betreten in die Stube
schaut, mit der Hand heftig hinter seinem Rücken wedelt – um dann forsch in den
Raum zu rufen: Hier stinkt es aber gewaltig!
Wahl
1998
Nicht
mehr lange hin – und dann wird am 27. September 1998 der neue Bundestag in
Deutschland gewählt. Grad noch sieben Wochen und ein paar Tage dauert der
Wahlkampf. Aber jetzt ist erst einmal Urlaubszeit bei uns im Ländle angesagt.
Die Großen Ferien haben begonnen. Und alles, was bisher an Veranstaltungen über
die Bühne gegangen war, wurde zumeist nur dürftig besucht. Die Parteien
versuchen Stimmung zu machen, plakatieren, setzen sich in Szene, geben viele
Presseerklärungen heraus, aber die Bürger interessieren sich nicht so recht dafür.
Nur in unseren Zeitungen und Magazinen, im Fernsehen und im Hörfunk findet
bislang – ein wenig – Wahlkampf statt. Manche
Kandidaten haben erkannt, daß die (Wahl-)Bürger noch nicht so recht bei Laune
sind und setzen entscheiden darauf, sich dem Wahlvolk bekannt zu machen.
Die harte Politik wird dabei weitestgehend ausgespart. Man zeigt sich ganz
menschlich den Mitbürgern. Will sich bekanntmachen. Besucht Betriebe, Parties
und die vielen Volks- und Straßenfeste. Oder man veranstaltet gar selbst
Lauftreffs, ein kleines Fest auf einem Neckarschiff, oder gar Hausparties. Für
die Wahlkampf-Zentralen in Bonn scheint wichtig, die Schlagzeilen zu
beherrschen. Jede Woche ein neues Thema, das der Bürger dann nach drei Tagen
schon wieder vergessen haben soll. Bisher haben die Sozialdemokraten in diesem
Feld die Nase vorn. Innere Sicherheit, Wirtschaft, Kultur, Kernkraft – man
besetzt die Themen wie sie kommen. Und die anderen hinken mit wortreichen
Erklärungen hinterher. Soweit das Vorspiel.
House
Parade
Im
Nachtleben unserer Käthchenstadt fliegt nicht gerade die Kuh, und der Bär tanzt
auch nur gelegentlich. Es sei denn, Leute wie die drei unkonventionellen
Jung-Gastronomen Oliver Renaud, Philipp
Keller und Alexander Schmid,
Pächter eines House-Clubs in der Heilbronner Salzstraße, stellen etwas auf die
Beine. So geschehen am vergangenen Wochenende mit der ersten Heilbronner House
Parade. Was mit der Idee begann, den Unterländern, die nicht zur Berliner Love
Parade fahren konnten, eine adäquate Abtanzmöglichkeit auf regionaler Basis zu
bieten, wurde trotz einwöchiger Planungszeit neben dem Unterländer Volksfest zu
einem Veranstaltungshöhepunkt des Monats August. Mit vier Wagen – darunter auch
der größte in Deutschland zugelassene Lkw, verschiedenen DJs und rund tausend
Ravern und neugierigen Heilbronner Bürgern im Schlepptau zog man am
Freitagabend von einem Heilbronner Möbelhaus ausgehend über die Allee, hin zur
House-Location in die Salzstraße. Um dort angekommen, das Wochenende in- und
außerhalb des Clubs mit zahlreichen Imbiß- und Getränkeständen der regionalen
Gastronomie und den „lokalen Plattenschmeißern“ (O-Ton Philipp Keller) Oliver Munding, Tom Billik und Sascha Beckle durchzufeiern. Selbst der
CDU-Kreisvorsitzende und -Bundestagskandidat Thomas Strobl, nebst Gattin Christine,
ließ es sich nicht nehmen, an einer Bar die Bewirtung der zahlreichen
Party-Gäste zu übernehmen. „Ohne die Hilfe des Amtes für öffentliche Ordnung,
der Heilbronner Polizei, der angrenzenden Industriebetriebe, der Sponsoren und
zahlreicher Gäste, wäre die Durchführung der House Parade aber erst gar nicht
möglich gewesen“, so Oliver Renaud, selber völlig überrascht von der nicht
erwarteten Aufgeschlossenheit der Heilbronner. Und so wurde die erste
Heilbronner House Parade, bei der es im übrigen keine einzige Ausschreitung
gab, zu dem, was sich alle Beteiligten erhofft hatten: ein Riesenspaß, der
keineswegs eine billige Kopie des Vorbilds war, und an dessen Ende auch noch
ein guter Zweck steht. Zwei Mark von jeder Zwei-Tages-Eintrittskarte gehen an
die Aidshilfe Unterland e.V. Durch
diese Art der Veranstaltung hat Heilbronn nicht nur bei seinen eigenen Bürgern
viele, viele Pluspunkte gesammelt. Weiter so!
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