Wer
sucht denn da ...
Ostern
– das Fest der Auferstehung. Ja,
und? Das Fest der Kinder. Auch. Weil
sie sich darauf freuen, endlich mal wieder draußen spielen zu können – beim
Ostereier-Suchen im Garten. Sofern sie einen haben. Falls nicht oder wenn es
regnet, wird halt das Eierverstecken und -suchen in die Wohnung verlegt. Auch
dort gibt es schöne Verstecke. Unterm Teppich zum Beispiel. Darf der Vater nur
nicht drauftreten, wenn er in der Frühe des Ostersonntags kurz auf’s Klo muß.
Andere machen es sich bequemer. Sie marschieren mit den Kindern an einem
Wiesen- oder Waldweg entlang, die Kleinen springen voraus, während die Eltern
hier und da ein Eilein deponieren, um dann ganz entzückt zu rufen, ist hier
nicht der Osterhase vorbeigehoppelt und hat ein Ei versteckt. Staunen bei den
Kleinen über die allwissenden Altvorderen. Ganz bequeme Erzieher fahren über
die Feiertage in den Urlaub – in ein kinderfreundliches Hotel. Dort sind die
Eier vom Personal schon versteckt. Und die Kleinen suchen kurz - vor und nach
dem Frühstück - das, was der Osterhase ihnen gebracht hat – und die Eltern
zuvor im Heimatort erstanden und Meister
Lampe huldvoll überreicht hatten. Na dann - frohe Ostern! -
Rumpel-Rundfunk
Beim
25sten Geburtstag des Frankenradios in der Allee 40 – also im Shoppinghochhaus
in Heilbronn – war am Tag der offenen Tür ordentlich was los. Viele Hörer
wollten die Programm-Macher um Lutz
Wagner, den Studioleiter, und deren Wirkungsstätte begutachten. S4 Baden
Württemberg, das Hörfunkprogramm mit den großen Zuwächsen bei uns im Lande,
erfreut sich dank der Regionalisierung großer Beliebtheit. Frankenradio ist das regionale Fensterprogramm innerhalb dieses vierten
Hörfunkprogramms. Beim Jubiläumskonzert in der Harmonie am vergangenen Samstag
waren viele ehemalige Mitarbeiter des Studios Heilbronn zu Besuch, allen voran
der frühere Studioleiter Werner Kieser
(77), der zusammen mit seiner Ehefrau den Ruhestand in Heilbronn verbringt. Aus
Stuttgart angereist war allerdings nicht der Südfunk-Intendant Hermann Fünfgeld oder gar der neue
Südwestrundfunk-Intendant Peter Voß
(beide wegen wichtiger Termine verhindert), sondern „nur“ der
Südfunk-Fensehdirektor und stellvertretende Intendant Hans-Heiner Boelte. Das paßt so ganz in die momentane Aufregung
beim Südfunk in Stuttgart. Fühlen sich doch einige leitende Redakteure bei der
Neubesetzung der Spitzenjobs im neuen Südwestrundfunk übergangen. In der
baden-württembergischen Landeshauptstadt machte am Wochenende ein „Brief der
dreizehn“ als Dokument des Frustes die Runde. Flurfunk nennt man im Normalfall
das Geschwätz von Redakteuren. Mit
diesem Papier aber sind die Gräben zwischen Stuttgart (SDR) und Baden-Baden
(SWF) wieder aufgebrochen. Man spricht
von „auffälliger Präferenz für die Kollegen vom SWF“. Die Stimmung im
Stuttgarter Funkhaus wird mit Schlagwörtern wie „feindliche Übernahme“ und
„Abwicklung“ charakterisiert. Was hat das alles mit Heilbronn zu tun? Werner
Grau, der Erste Bürgermeister der Stadt, sprach zum Studio-Geburtstag davon, daß
das Frankenradio „eine Klammer und ein Sprachrohr der Region“ sei. Im
Unterschied zur Zeit vor 25 Jahren muß auch ein Regionalstudio des SDR auf dem
Markte agieren. Denn die Konkurrenz ist groß. Nicht nur durch private
Hörfunksender, sondern dank einer Technik, die dem Hörer eine Riesenfülle von
Angeboten bietet. Hinzu kommt eine Medienvielfalt, von der man vor einem
Vierteljahrhundert noch nicht einmal zu träumen wagte. Darüber hinaus muß das
Frankenradio im Konzert mit den anderen SDR/SWF-Regionalstudios Zuwächse an
Hörern bringen, die nicht unter dem Schnitt aller liegen sollten. Daran wird
der Erfolg, vor allem im neuen SWR gemessen. Und dessen Intendant heißt Peter
Voß, ein erfolgsverliebter Macher.
Meisterwerk?
„Titanic“
ist großes Kino, ein überaus poetisches Meisterwerk im Zusammenspiel von Licht
und Schall. Erst wenn wir das begreifen, wenn wir diesen genialen und subtilen
künstlerischen Wurf seiner Macher im vollen Umfang zu würdigen wissen, kommen
wir einer sinnvollen Identifizierung des Phänomens näher. So las ich neulich in
einer deutschen Zeitschrift. Die Zuschauer strömen seit Wochen in den Film der
Filme. Viele Kritiker haben sich vor Zorn über das Machwerk die Finger wund
geschrieben – und nur erreicht, daß immer mehr Menschen in die Kinos streben,
um den Untergang des großen Schiffes samt tränenreicher Liebesgeschichte
mitzuerleben. Manche sogar schon zigmal. Die Kinobesitzer frohlocken. Endlich
mal wieder ein Streifen, der lange läuft und die großen Säle füllt. „Titanic“ – dieses Wort steht für weit
mehr als ein versunkenes Schiff. Die
bezwingende Ästhetik dieses Untergangs im Adagio, bestrahlt vom Leuchten der
Sterne und den sich im Wasser spiegelnden Lichtern des bedächtig sinkenden
Kolosses, die Machtlosigkeit des mächtigen Menschen, der hilflos vom Zuschauen
verbannt ist und Zeuge des Unglaublichen wird, treffen uns ganz tief im Innern.
So wirkt der Untergang der „Titanic“ wie ein Brückenschlag in unsere eigenen,
dem Blick des Alltags verschlossenen Tiefen. – Verzückte Beschreibung eines
Films, der die Zuschauer an etwas teilhaben läßt, das sie nur aus Berichten
kennen. Ein Drama wie von Shakespeare – eben großes Theater. Dabei gab es erst
vor wenigen Monaten den Untergang der „Estonia“ in der Ostsee. Ein Drama auf
See, das dem der Titanic durchaus nahekommt. Allerdings nicht mit dem Glanz
einer untergehenden Epoche. Sondern ganz trivial aus unseren Tagen. Wie schrieb
doch ein Besucher ganz im Sinne aristotelischer Dramentheorie: „Es ist ein
visuelles Erlebnis, das die wesentlichen Sinnesorgane erschüttert, die Seele
mitreißt, das Herz bluten und das Hirn vibrieren läßt. Geld, Technik und
Love-Story machen den Erfolg, nicht die echte „Titanic“ von 1912. Trotz
tagtäglicher Bilderflut war es für mich, als hätte ich zum ersten mal im Leben
einen Film gesehen.“ – Aber andere sagen zornentbrannt: „Trotz alledem und
alledem ...“Titanic“, in der Tat einer der schlechtesten Filme der Welt!“ – Ich
meine: Sie sollten den langen Film mit der Pause gesehen haben. Einfach um mitreden oder mitweinen zu können.
Man gönnt sich ja sonst nichts!
Frohe
Ostern ’98
Weihnachten
– erinnern Sie sich noch? Das ist doch erst ein paar Tage oder Wochen her. Mir vergeht die Zeit
wie im Fluge. Obwohl ich fest gemauert hier oben mit dem Fähnchen herumzustehen
habe. Können Sie sich noch an Ostern 1997 erinnern? Da fuhr noch keine
Stadtbahn durch Heilbronn. Damals sollte sie aber kommen – und zwar hurtig.
Genauso wie die Überbauung des Berliner Platzes. Ich erinnere mich noch so gut
wie heute an jenen Tag kurz vor Ostern, an dem ein Mann namens Bülow mit
Bürgermeister Werner Grau bei der Premierenfeier der Musical-Inszenierung der
mit Intendantengattin Madeleine
Lienhardt im Stadttheater Heilbronn auftrat. Und viele Kommunalgewichtige
flüsterten, da ist der Mann, der den Berliner Platz attraktiv macht. Ein hohles
Ei wurde uns in Heilbronn ins Nest gelegt. Ein Jahr später sind wir genauso
weit wie damals. Und bei der Stadtbahn – da haben wir wenigsten was erreicht.
Der Umbau der Kaiserstraße hat uns jetzt dank Bernhard Winkler, dem Verkehrsdirektor, ein Bähnle beschert, mit
dem es sich bequem durch die City gondeln läßt. Aber der große Ruck, von dem
unser Bundespräsident gesprochen hat, der ist noch nicht durch Heilbronn
gegangen – im Gegensatz zu Neckarsulm. Hier im Käthchenstädtchen werden in
erster Linie die Lippen geschürzt, aber nicht gepfiffen. Hier werden viele
Papiere vollgeschrieben, aber wenig davon in die Tat umgesetzt. Im Rathaus
schlummern in Schreibtischschubladen die teuersten Untersuchungen und Gutachten
– aber sie ruhen in Frieden. Man muß nur zurückblicken, um zu erkennen, daß vom
Angekündigten nahezu nichts in die Tat umgesetzt wurde. Jetzt kommen erst mal
Kommunal- und OB-Wahlen im nächsten Jahr, vorher noch die Bundestagswahlen. Und
da geht bekanntlich bei Politikern – außer hohlen Worten – nicht viel. Die
Federn werden gespreizt, vollmundig Versprechen abgegeben, für Versäumnisse die
Gegner verantwortlich gemacht. Und das war’s dann. Hoffentlich haben Sie in
Ihrem Nest am Ostersonntag nicht so viele hohle Eier wie sie uns von den
Politikern tagtäglich gelegt werden.
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