Platz
27 für Friese
Die
Sozialdemokraten im Unterland sind überglücklich. Nach langen Jahren des
Darbens haben sie es am letzten Samstag auf dem SPD-Landesparteitag geschafft, für ihren Direktkandidaten Harald Friese einen aussichtsreichen
Landeslistenplatz zu ergattern. Bei den letzten Bundestagswahlen (bis Dieter
Spöri von Bonn nach Stuttgart gewechselt
war) hatte der Heilbronner Kandidat (vor allem Peter Alltschekow) nie eine Chance auf einen aussichtsreichen
Listenplatz. Und da bei der letzten Wahl im Jahre 1994 die CDU im Lande alle
Direktmandate geholt hatte, waren SPD-Leute ohnehin nur über die Landesliste
nach Bonn gekommen. Jetzt hoffen die Sozis, einige Direktmandate im Lande zu
gewinnen, dann säße Harald Friese ganz sicher im neuen Bundestag. Die
Heilbronner und Unterländer aus den beiden SPD-Kreisverbänden hatten alles für
den Parteitag am Wochenende in Karlsruhe aufgeboten, was Stimmung für ihren
Kandidaten machen konnte – nicht nur die gewählten Delegierten. Und Harald
Friese konnte mit seinem langjährigen Schaffen in der kommunalpolitischen
Arbeitsgemeinschaft ordentlich wuchern. Und so konnte man dank guter Kontakte
zu anderen SPD-Kreisverbänden im Lande und eine glücklichen Strategie Bündnisse
schmieden, die für Friese den 27. Platz auf der Liste in einer Kampfabstimmung
gegen Lothar Binding (Heidelberg)
sicherte. Friese hatte den Delegierten klarzumachen versucht, daß in Bonn zu
wenig kommunaler Sachverstand in der Fraktion vorhanden sei. Von den
tatsächlichen Verhältnissen in den Städten und Gemeinden hätten die meisten der
Bonner Politiker keinen blassen Schimmer. 52 Jahre ist Harald Friese alt. Bis
August 1997 war er in Heilbronn Bürgermeister für öffentliche Ordnung,
Sicherheit, Umwelt und Gesundheit. Nach der Wahl des Vorsitzenden der
CDU-Gemeinderatsfraktion Artur Kübler
zum Bürgermeister, wechselte Friese in das Dezernat Kultur, Sport, Soziales und
Schule. Diesen eigentümlichen Vertrag hatten SPD und CDU ausgehandelt. Wenn
Friese im Herbst nach Bonn wechseln sollte, wird wahrscheinlich der derzeitige
SPD-Fraktionsvorsitzende Harry Mergel
neuer Kulturbürgermeister in Heilbronn werden. Um dann 1999 eine sichere
Startbasis aus diesem Amt für die OB-Kandidatur in Heilbronn in der Nachfolge
von Dr. Manfred Weinmann zu haben.
Aber zunächst einmal müssen die Sozis die Bundestagswahl im Herbst gewinnen.
Sonst sind viele dieser holden Pläne nichts als Makulatur.
Muhlers
Rausschmiß
Am
Schwarzen Brett der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg hing
ein Zettel, auf dem darauf verwiesen wurde, daß ab sofort August Muhler als Geschäftsführer nicht mehr im Hause tätig ist.
Kopfschütteln und Unverständnis war die Folge bei vielen Mitarbeitern. Und in
Heilbronn schlug die Nachricht von der Entlassung Muhlers wie eine Bombe ein.
Vor allem nachdem die Geschäftspartner der Weingärtnergenossenschaft per Fax
davon in Kenntnis gesetzt worden waren, daß August Muhler mit sofortiger
Wirkung von allen „Tätigkeiten,
Kompetenzen und Befugnissen“ entbunden sei. August Muhler, der noch vor
wenigen Monaten groß seinen 50. Geburtstag mit vielen Lobes- und Dankeshymnen
feiern durfte, ist als einer der Väter des Heilbronner Weindorfes und als
Weinpromotor im Heilbronner Verkehrsverein schon in die Geschichte der
Weinstadt Heilbronns eingegangen. Am 1. April diesen Jahres hätte er sein
25jähriges Arbeitsjubiläum bei der Genossenschaftskellerei feiern können. Die
Vorstände, die jetzt Muhlers Geschäftsführer-Arbeit bis auf weiteres unter sich
aufgeteilt haben, wollen über die Gründe für ihre Maßnahme nichts mitteilen. Gegen seine Kündigung zum 31. Dezember 1998
will August Muhler vorgehen. Einen Rechtsstreit scheut er nicht. Denn für ihn
sind die Vorwürfe geradezu „fadenscheinig“, wonach er Spesen und Überstunden
nicht ordentlich abgerechnet habe. Um seine Zukunft sei ihm jedenfalls nicht
bange. Nun sagen Juristen, daß es bei außerordentlichen Kündigungen üblich sei,
sich auf Spesenabrechnungen zu stürzen – einfach, um etwas juristisch oder
später vor dem Arbeitsgericht Verwertbares in der Hand zu haben. Die
wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaftskellerei kann kaum der Grund für
den Rausschmiß sein. Denn für 1997 wird ein Umsatzplus von fünf Prozent
erwartet. Ständig steigende Betriebskosten, unzufriedene Wengerter (vor allem
die jüngeren), die Umfirmierung des Bandwurmnamens
„Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg“, der Herbstritter-Zwist und der Rückgang der
Auszahlungsgelder an die Wengerter – all das hätte bei der Entlassung keine
Rolle gespielt. Feststeht allein: „Das Vertrauensverhältnis, das für so eine
wichtige Aufgabe notwendig wäre, ist nicht mehr gegeben.“ Sagt Hermann
Schneider, der Vorstandsvorsitzende der 683 Mitglieder starken
Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg.
Freude
am Amt
Es
war an einem Freitag – und dazu noch an einem dreizehnten. Der Ministerpräsident
des Landes Baden-Württemberg weilte den ganzen Tag in Heilbronn. Sein Lob für
Stadt und Region fiel dick aus. Und er hatte ja auch allen Grund. Für Otto Christ, den neuen
Ehrenvorsitzenden der Industrie- und Handelskammer Heilbronn hatte er sogar ein
Päckchen vom Bundespräsidenten in der Tasche. Das Große Verdienstkreuz am Bande
konnte er dem scheidenden IHK-Präsidenten überreichen. Und da Otto Christ schon
das normale Bundesverdienstkreuz besitzt, empfahl Erwin Teufel ihm, dies doch in einer stillen Stunde daheim seiner
Frau feierlich anzuheften. Denn die hätte es wirklich verdient. Seinem
Nachfolger als IHK-Präsident Günter
Steffen wünschte Christ, daß der ebenso viel Glück und Freude in seinem
Ehrenamt habe wie er. „Freude am Amt hatte ich wirklich!“, rief der scheidende
Präsident in die Festrunde. In die Geschichte der IHK werde er als ein
Präsident eingehen, der drei Hauptgeschäftsführer nötig hatte. Werner Buch, den
Christ als neuer Präsident 1988 noch ein dreiviertel Jahr begleitete. Und dann Dr. Horst Schmalz, Christs
Wunsch-Hauptgeschäftsführer („Er war die Bedingung, daß ich das Amt des
Präsidenten überhaupt annehme.“) Und zum Schluß dann Heinrich Metzger, der 1996 von der IHK Ludwigsburg nach Heilbronn
wechselte und als Hauptgeschäftsführer die Geschicke der IHK Heilbronn „gut und
bestens weitergeführt hat – bis heute.“, so Otto Christ. Zum Schluß gab es vom
scheidenden Präsidenten noch ein paar Kernsätze für seine Nachfolger:
Wesentlich bei der IHK sei, daß Präsident und Hauptgeschäftsführer an einem
Strang ziehen, und die IHK-Pflichtmitgliedschaft weiterbestehen bleibe. Und
dann Christs Liebeserklärung: „Wir alle sind Menschen einer Region, die zu den
schönsten in Deutschland zählt.“ Jetzt gilt aber für Günter Steffen, Probleme
erkennen, benennen, Lösungsvorschläge sammeln, danach die Kräfte bündeln, sie
am richtigen Ort zur richtigen Zeit einsetzen. Eine Manageraufgabe – und damit
eines der schwierigsten Unterfangen für den neuen IHK-Präsidenten. Denn in
seinem Ehrenamt ist der Mann ja kein Chef (wie in seinem eigenen Betrieb),
sondern eher ein Moderator für die gesamte Wirtschaft im Kammerbezirk. Und das
sind oft miteinander konkurrierende Unternehmen. Mahner und Begleiter des
Wirtschaftslebens können IHK-Präsidenten sein, wie dereinst – oder Macher, wie
Otto Christ. Und ... was noch?
Neuer
Präsident
Man
hatte bei der Industrie- und Handelskammer lange gesucht, bis man fündig
geworden war. Kandidaten für Präsidenten wachsen halt nicht auf den Bäumen.
Jene, die zunächst ausgeguckt waren, wurden nicht wieder in die Vollversammlung
gewählt. Von den Vizepräsidenten wollte keiner als Präsident kandidieren. Und
so kam man nach langer Suche auf den Kandidaten Günter Steffen, Geschäftsführender Gesellschafter der tds
tele-daten-service GmbH in Heilbronn. Und der neue Präsident erweiterte gleich
den Kreis der Vizepräsidenten auf fünf Personen: Ulrich Landerer (Geschäftsführender Gesellschaft der Neckarsulmer Landerer GmbH & Co. KG
Neckarsulm), Bettina Würth
(Prokuristin bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG Künzelsau), Hans Firnkorn ( Geschäftsführer der
Löwenbrauerei Hall Fr. Erhard GmbH & Co., Schwäbisch Hall), Adolf Oppermann (Vorstandssprecher der
Volksbank Heilbronn) und Thomas Walch
(Gesellschafter mit Prokura, Hans Walch GmbH & Co. KG, Heilbronn). Viel
wurde über die Forderung des neuen IHK-Präsidenten Günter Steffen nach einem
weiteren Vizepräsidenten gerätselt. Er erklärte schnell, daß seine neue
Mannschaft gleichermaßen für Vergangenheit und Tradition wie auch für Wandel
und Zukunft im Kammerbezirk stehe. Und er selber werde bei der
Zukunftsorientierung für den Kammerbezirk keinem Streit aus dem Wege gehen, ja
er stehe für eine neue Streitkultur – um der besseren Lösung willen. Diese neue
Streitkultur habe bei der IHK schon eingesetzt, meinen Beobachter und Kenner
der Szene. Man könne sie daran ablesen, daß der alte Präsident Otto Christ, der jetzt
IHK-Ehrenpräsident geworden ist, nicht an der Einführungspressekonferenz für
seinen Nachfolger im Anschluß an die IHK-Vollversammlung im Heilbronner
Insel-Hotel teilnahm. Christ zog es vor, sich dem Small-Talk beim gleichzeitig
stattfindenden Empfang zu widmen. Auch innerhalb der Verwaltung wird es
Neuerungen geben. Weiterer Punkt: Den Nachfolger von IHK-Geschäftsführer Thomas
Schick als Leiter der Presseabteilung sucht man demnächst aus. Über den März
1998 hinaus soll Schick, dann als freier Mitarbeiter, die Öffentlichkeitsarbeit
der Heilbronner Industrie- und Handelskammer koordinieren – bis der neue Mann /
die neue Frau gefunden ist. Günter Steffen versteht sich als Mann, der was von
Öffentlichkeitsarbeit versteht. Das heißt, er wird ein entscheidendes Wörtchen
bei der IHK-Pressearbeit mitreden.
Unterländer
Fasching
Es gibt
bei uns im Unterland Faschingshochburgen – und solche, die es werden wollen.
Talheim, Bad Wimpfen, Gundelsheim, Stockheim oder Bad Rappenau sind
Faschingshochburgen, Heilbronn will noch eine werden. In Talheim zogen am
Wochenende 3.000 Narren durch den Ort – und stellten mit 35.000 Besuchern das
Städtchen wirklich auf den Kopf. In Heilbronn gab es in der Harmonie eine Prunksitzung der Carnevalgesellschaft
Heilbronn, die mit dieser neuen Form versuchte, einen neuen Weg
einzuschlagen. Kurzweilig im Programm und in den Büttenreden zeigten die Macher
den 600 Besuchern einen ganz neuen Heilbronner Karneval. Und die waren vom
bunten Treiben auf der Bühne sehr angetan. Motto des Abends: „Kostümiert mit
Spaß im Blut, wir tanzen unterm Zuckerhut.“ – Auch wenn der Zuckerhut in
Heilbronn Wartberg heißt, wurden doch in der Harmonie feurige Tänzerinnen
aufgeboten, die mit ihrem Showballett „Fiesta Brasil“ Augenfreuden boten. Rund
geht’s übrigens nochmal am kommenden Faschingsdienstag, 24. Februar, ab 19.31
Uhr. In der Heilbronner Harmonie ist mit dem „Lumpentreff“ der Ausklang der Narrensaison angesagt. Neben Jubel
und Trubel im Foyer wie auch im kleinen und großen Saal mit den Bands The
Flirts und Holidays und einer Non-Stop Disco, können Faschingsfreunde bei einer
Riesentombola 111 Preise, darunter auch ein Reisegutschein, gewinnen. Präsentiert
wird die Veranstaltung vom Verkehrsamt Heilbronn, vom Neckar Express, von Radio
Ton und der Carneval Gesellschaft Heilbronn (Veranstalter). Eintrittskarten
gibt es im Vorverkauf beim Verkehrsamt Heilbronn (Rathaus) und beim Neckar
Express Verlag (Heilbronn, Orthstraße 17 bis 19). Der Eintritt kostet im
Vorverkauf elf Mark, an der Abendkasse zwölf Mark.
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