Rappenauer
Geheimplan
Es
hätte ein großer Coup werden können. Der
darbende Kurort Bad Rappenau liebäugelte mit einer Weltsensation: Der
Heidelberger Anatom Professor Gunther
von Hagens sollte in der wirtschaftlich schwer angeschlagenen Kleinstadt
just jenes „Menschenmuseum“ einrichten, dessen Exponate bis vor kurzem im
Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit Hunderttausende selbst mitten in
der Nacht anlockten. Der Professor mit dem schwarzen Hut hat ein Verfahren namens
Plastination entwickelt, bei dem Leichen unverändert und dauerhaft zu
Anschauungszwecken konserviert werden. Bei dem zum Weltstar aufgestiegenen Arzt
sprach Bürgermeister Gerd Zimmermann mit einer Abordnung neugieriger Rappenauer
vor. Sie meldeten ihr Interesse an der Toten-Schau an, waren damit nach
Heidelberg die zweiten. Das Ziel ist klar: Wenn wegen rückläufiger
Kurgastzahlen mit den Lebenden kein Geld mehr zu verdienen ist, dann sollen die
Toten die Kassen klingeln lassen. Doch als der Geheimplan bekannt wurde, zogen
die Rappenauer den Schwanz ein. Heftig wurde dementiert, das Wasserschloß oder
eine leerstehende Klinik angeboten zu haben. Doch der berühmte Professor kann
sich noch gut an die Besucher aus dem Heilbad und ihr lebhaftes Verlangen erinnern.
Jetzt freilich ist er über deren Verhalten ziemlich pikiert. Bad Rappenau hat
sich mit dem Dementi um alle Chancen für ein spektakuläres „Menschenmuseum“ gebracht – falls es
überhaupt welche gegeben hat.
Heilbronn:
BM-Wahl
Am
Donnerstag, den 26. März 1998 wird
im Heilbronner Gemeinderat ein neuer Baubürgermeister gewählt. Es wird wieder
der alte sein. Denn schon die Stellenausschreibung machte deutlich, daß der
Stelleninhaber wieder kandidieren wird. Bürgermeister Ulrich Frey wird sich jedoch mit Gegenkandidaten herumschlagen
müssen – oder auch nicht. Eine Krankenschwester (geboren 1958), ein
Arbeitlsoser (geboren 1953) und ein
Hilfsarbeiter (geboren 1970) sind seine Konkurrenten. Nicht gerade
berauschend. Da aber die Absprache zwischen den beiden großen Fraktionen CDU
und SPD funktioniert, die kleinen Fraktionen aus Reps, Grünen, FDP und Freien
Wählern auch nichts gegen den Amtsinhaber ins Feld führen wollen oder können,
wird Ulrich Frey auf dem SPD-Ticket am nächsten Donnerstag wierdergewählt sein.
Damit bleibt in Heilbronn alles so wie es ist. Im vergangenen Jahr schon hatte
der Gemeinderat den CDU-Fraktionsvorsitzenden Artur Kübler zum Nachfolger von Harald Friese als Ordnungsbürgermeister gewählt. Und wie sich seit
August 1997 herausstellte, war das ein Glücksfall. Der SPD-Mann Harald Friese
wechselte ins Kulturdezernat, das bis dahin der CDU-Mann Reiner Casse verwaltet
hatte. Jetzt tritt Friese noch als SPD-Bundestagskandidat in Heilbronn an – und
sollte er im Herbst in den Bundestag einziehen, dann tritt er als Heilbronner
Bürgermeister ab. Sein Nachfolger wäre dann der SPD-Fraktionsvorsitzende im
Gemeinderat Harry Mergel, der sich
in diesem Amt dann schon mal für die OB-Kandidatur im nächsten Jahr warmlaufen
will. Seine politisch-natürliche Nachfolgerin als Fraktionsvorsitzende hieße Sybille Mösse-Hagen, die
SPD-Kreisvorsitzende Heilbronn-Stadt. Und die müßte dann auch als Kandidatin
für die nächste Landtagswahl in Heilbronn gegen Johanna Lichy antreten. Mit von der Partie bei der OB-Wahl 1999 als Kandidaten: Johanna Lichy (CDU), Richard Drautz (FDP) und Alfred Dagenbach (Republikaner). Und
dann gibt es da noch die großen Unbekannten, vor denen die Lokalmatadoren jetzt
schon das große Zittern bekommen. Denn eine Mehrheit der Bürger in Heilbronn,
so scheint es, hat die Nase voll von hausgemachten Skandalen und ihren Köchen.
Der nächste Oberbürgermeister in Heilbronn muß von außerhalb kommen, lautet die
Devise. -
Übertrieben?
Was
gut ist, strahlt aus – was schlecht ist, schreckt ab. Behaupten die
Unverbesserlichen in der Politik, die da glauben, daß die Mehrheit der Bürger
ein Gefühl für gute und schlechte Politik hat. Der Sozialismus in der deutschen Politik ist tot, aber es lebt der
Fiskalsozialismus im vereinigten Deutschland munter weiter. Mehr als 50 Prozent des Einkommens muß der
Normalbürger an den Staat abgeben, damit die vollmundigen Versprechen der
Politiker für ihre jeweilige Klientel befriedigt werden können. Großverdiener
zahlen kaum Steuern, manche Firmen brüsten sich sogar damit, daß sie in
deutschen Landen nur Geld verdienen, aber nichts an den Fiskus abführen müssen.
Himmelschreiende Ungerechtigkeiten, die
vor allem bei kleinen Unternehmern und den Arbeitnehmern zu einer
staatlichen Würgegriffpolitik geführt haben. Und da die politische
Verantwortung im Lande nicht klar abgegrenzt ist, dank eines überspitzten
Gerechtigkeitssinns der Gründungsväter, kommt es auch nie zu klaren Mehrheiten
und Entscheidungen. Länder und Bund kloppen sich, behindern einander, weil der
Lagerwahlkampf schon lange zwischen Bundesrat und Bundestag ausgetragen wird.
Kompromisse sind kaum mehr möglich. Und auch selten gewollt. So ist die
eigentliche Regierung in Bonn nur noch der Vermittlungsausschuß. Zwei
Möglichkeiten gibt es, diesen ärgerlichen und lähmenden Zustand zu verändern:
Entweder die Einführung eines
Mehrheitswahlsystems (wie in England, Frankreich oder USA) – oder klare
und eindeutige Mehrheiten bei der nächsten Bundestagwahl. Nichts von beiden ist
absehbar oder wird von unserer politischen Kaste gewünscht, die in der Mehrheit
aus Beamten besteht. Sie kennen sich aus
in den Irrgärten der Vorschriften und Gesetze – und bedienen sich
munter. Klarheit lieben die Deutschen offenbar nicht sonderlich. Sie lieben das
Raunen und Rauschen im Walde – und wenn klare Entscheidungen anstehen, dann
nur mit Götterdämmerung. Also schrecklich und maßlos übertrieben. In der
Politik – wie in der Kunst.
Wahlkampf
– und ran
Der
Glückseligkeit bei den Heilbronner Sozialdemokraten über den fast (un)sicheren
Listenplatz für ihren Kandidaten Harald
Friese setzt die CDU im Unterland harte Kärrnerarbeit entgegen. Die
Vorsitzenden der CDU-Ortsverbände im Bundestagswahlkreis Heilbronn trafen sich
mit dem Bundestagsabgeordneten Egon
Susset, dem CDU-Kreisgeschäftsführer Frieder Fundis und dem
CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Strobl,
der bekanntlich auch CDU-Bundestagkandidat ist, um den CDU-Wahlkampf
vorzubereiten. Strobl sieht die CDU-Ortsverbände bestens gerüstet und gut
motiviert, zumal mehr als die normale Zahl an Ortsverbandsvorsitzenden an dem
Treffen im Heilbronner Ratskeller teilnahmen. Strobls Strategie für das erste
Halbjahr 1998: Er wird erneut alle Gemeinden in seinem Wahlkreis besuchen.
Strobl: „Keine Gemeinde und kein Teilort wird mir dabei für einen persönlichen
Besuchstermin oder für Gespräche mit den Bürgern zu klein sein …“ In dieser
ersten Wahlkampfphase will er nicht nur bei politischen Diskussionen und
Abendveranstaltungen präsent sein, sondern auch im Mittelstand, im sozialen
Bereich, bei Vereinen, Verbänden und den Kirchen Kontakte knüpfen, um mit den
Bürgern über seine bundespolitischen Vorstellungen zu reden. Die Sommerzeit
1998 will die CDU vor allem nutzen, um dorthin zu gehen, wo die Bürger dann
sind: Zu Sommerfesten, Straßenfesten oder Hocketsen. Die drei Unterländer
CDU-Landtagsabgeordneten und der amtierende Bundestagsabgeordnete Egon Susset
haben Strobl dabei ihre besondere Unterstützung zugesagt. Und auch seine
Stadtratskollegen in Heilbronn werden ihren Fraktionsvorsitzenden beim Kampf um
das Heilbronner Direktmandat für den Bundestag kräftig unter die Arme greifen.
Der letzte Landtagswahlkampf war dafür ja eine gute Übung. Jetzt müssen nur
noch die Wähler überzeugt werden, den Juristen aus den Reihen der CDU zu wählen
und nicht den SPD-Juristen. Auch im Unterland wird der Wahlkampf spannend. Und
erst recht die Wahl am 27. September
1998. Nach 18 Uhr an diesem Tag wissen wir dann mehr.
Juso-Wechselspiel
Die
Sozialdemokraten in Deutschland waren und sind in ihrer Mehrheit freudig
überrascht, endlich einen Kanzlerkandidaten zu haben. Aber der Wechsel zu
Gerhard Schröder, dem niedersächsischen Ministerpräsidenten, ist nicht
erklärter Wille der Parteibasis, sondern entstammt der Vorgabe von Gerhard
Schröder und dem überwältigenden Wahlverhalten seiner Niedersachsen. Bei den
Jungsozialisten (der SPD-Jugendorganisation) in Baden-Württemberg ist man jetzt
einen ganz anderen Weg gegangen. Man wechselte einfach den Vorstand nahezu
komplett aus, weil der mit seinem Modernisierungskurs bei den Linken nicht
gelitten wurde. „Zukunft kommt von alleine, Fortschritt mit uns“, lautete das
eingängige Motto des Juso-Kongresses in
Wannweil. Aber da hatte sich der seit knapp einem Jahr amtierende
Vorsitzende Peter Friedrich wohl ein bißchen getäuscht. Gerechnet hatte mit dem
Juso-Erdrutsch bei den baden-württembergischen Junggenossen niemand, weder die
Parteispitze, noch die politischen Auguren in der Landeshauptstadt. Aber so
wichtig waren ja unsere Ländle-Jusos nie. Wie auch – bei einer Mutterpartei,
die um die 25 Prozent herumkrebst. Manche Beobachter behaupten nun, daß nun die
Alt-68iger in der SPD ihre Jusos wieder ein wenig formieren wollten – also ein
wenig linke Opposition in der Landes-SPD. Aber auch das spielt keine Rolle.
Denn die baden-württembergische SPD um ihrem Vorsitzenden Ulrich Maurer wird weniger zum Schröder-Flügel gerechnet – und
spielt bundespolitisch wohl eher eine untergeordnete Rolle. Wohin der neue
Juso-Landesvorsitzende, der 22jährige Johannes
Saurer, strebt – keiner weiß es. Die Heilbronner Jusos unter ihrem
Vorsitzenden Petar Drakul schlagen
sich derzeit munter auf die Seite jener, die eine Abschaffung der Bundeswehr
und der Nato fordern, während andere Länder in Europa vehement in die Nato
drängen. Eben: Weltpolitik! Oder sie mischen beim Jugendgemeinderat in
Heilbronn mit – und müssen dann feststellen, daß ihre Partei-Kandidaten hinten
runterfallen. Wobei es noch reichlich Zoff um den Jugendgemeinderat geben wird,
da offenbar – so hörte ich aus verläßlicher Quelle – in den Hauptschulen ohne
Wahllisten gewählt wurde. Also die Möglichkeit bestanden haben soll, mehrfach
Wahlzettel abzugeben. Da stellt sich die schlichte Frage, ob diese Heilbronner
Jugendgemeinderatswahl überhaupt gültig ist. Aber das wird noch heftig geprüft.
Also abwarten und Neckarwasser trinken.
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