Dienstag, 25. März 2014

Kiliansmännle, 21.10.1998



Stinky und Co.
Wenn unsere Hundehalter auf die Straße in der Stadt ihren geliebten Vierbeiner Gassi führen – und der kleine, mittlere oder große Kläffer macht dann ein Häufchen oder ein Bächlein, ja dann – dann sind unsere deutschen Ordnungshüter schnell bei der Sache. Sofern sie in der Nähe sind. Und der böse, umweltverschmutzende Hundehalter bekommt eine empfindliche Geldstrafe aufgebrummt. So weit, so ordentlich – so gut. Aber unsere wachsamen Ordnungshüter können nicht überall sein. Die meisten Wauwaus werden nämlich am frühen Morgen und am späten Abend Gassi geführt. In der Frühe gilt es Büroarbeiten zu erledigen – und am Abend haben unsere Damen und Herren Aufpasser schon längst ihre Blöcke eingepackt und genießen ihren wohlverdienten Feierabend. Also liegt der stinkende Hundedreck sorglos herum, verpestet die Luft und wird nach der Trocknung vom Wind durch die Gegend geweht. Alles, was in diesem Staub an Krankheitskeimen vorhanden ist, das kann den braven Bürgern auf die Haut kommen – und durch die Nase. Mediziner warnen vor den Gefahren dieses Hundekot-Staubs. Aber es gibt ja Auswege. Einerseits die vielen Grünflächen in Heilbronn, in denen der tierische Lebensbegleiter seine Notdurft verrichten kann. Und andererseits rund um Heilbronn die vielen Spazierwege in den Wäldern. Vor allem die schönen Trimm-Dich-Pfade. Da gibt es bequem anzusteuernde Parkplätze. Waldi ist mit einem Hopser mitten in der guten und frischen Natur. Und an den Wegrändern hat es genügend Möglichkeiten für den Hund, seinen Kot artgerecht zu verscharren. Unter Laub oder lockerer Erde. Das stinkt dann gelegentlich recht ordentlich zum Himmel, vor allem wenn der Regen diese Kothügel durchnäßt  – und später in der dämpfigen Herbstwitterung übelriechende Schwaden aus dem Boden in die Nasen der Spaziergänger steigen. Hunde sind halt auch nur Lebewesen. Ordnungshüter kreuzen auch hier im Wald selten den Weg der spazierfreudigen und Hundesteuer-zahlenden Mitmenschen, die ja lediglich den natürlichen Bedürfnissen ihrer armen Viecher Rechnung tragen. Und so ist alles wieder im Lot. Nur manche hundelosen Spaziergänger oder Freizeitsportler werden im Winter, Herbst oder Frühjahr den getrockneten Kot der lieben Vierbeiner bei heftigem Wind einatmen dürfen. Und die Tiere des Waldes natürlich. All die sind ja abgehärtet. Ist dieser Hundedreck nun ein Problem? – Wer bellt denn da?

IHK-Repräsentation
Gleich nach der Bundestagwahl, am Dienstag, 29. September 1998, veranstaltete die Industrie- und Handelskammer Heilbronn ihren diesjährigen Gästeabend für alle wichtigen Menschen aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik aus der Region in der Heilbronner Harmonie. Hans Peter Stihl, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages DIHT, Präsident der Industrie- und Handelskammer Stuttgart und Waiblinger Unternehmer, hielt den Festvortrag. Dabei setzte er Marken in seiner Rede, die unseren Regionalpolitikern nicht sonderbar schmeckten. Sie wollen halt nicht die Entwicklungen in der Region um Stuttgart auf Heilbronn und die Region Franken übertragen wissen. Auch Stihls Analyse des Wahlausgangs war den Unternehmern aus der Region ein wenig zu flach geraten. Andererseits verständlich – denn der DIHT-Präsident wollte es sich ja nicht gleich mit der neuen Regierung verderben. Am Rande des Gästeabends spielte sich ein kleiner Skandal ab. Hatte doch der IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger in seiner Rede davon gesprochen, daß der neue Heilbronner IHK-Präsident Günter Steffen sich nicht nur wie sein Vorgänger Otto Christ mit der Repräsentation begnüge. Reaktion: Kopfschütteln bei Teilen des Publikums. Im Redemanuskript Metzgers war eindeutig nachzulesen, daß der IHK-Hauptgeschäftsführer beide Präsidenten lobte, auch Christ, der sich wie sein Nachfolger Steffen, nicht nur mit der Repräsentation begnügt hätte. Aber das Kind war nun schon in den Brunnen gefallen. Otto Christ hatte schimpfend den Harmonie-Saal verlassen. „Ich lasse mich doch nicht beleidigen“, lauteten seine Abschiedsworte. Da half auch alles Entschuldigen nichts mehr. Der frühere IHK-Präsident ist beleidigt. Vor wenigen Tagen (17. Oktober) feierte er seinen siebzigsten Geburtstag – fernab der Unterländer Heimat. Einige sagen, in seinem Ferienhaus am Bodensee. Andere sagen, er befinde sich auf einer Schiffsreise. Die Industrie- und Handelskammer gratulierte ihrem früheren Präsidenten mit Grußkarte und Geschenk. Aber offizielle Feierlichkeiten gab es aus diesem Anlaß keine. Ich meine, den Versprecher des IHK-Hauptgeschäftsführers Heinrich Metzger sollte Otto Christ einfach vergeben und vergessen. Sonst wabern die seltsamen Gerüchte um die IHK weiter – und schaden nur der Institution.                         

Teufels Aufbruch
Die Vorzeichen sind schlecht. Im Bund befindet sich die Union nach der Niederlage am 27. September in einer tiefen Krise. In Freiburg hat am Sonntag der SPD-OB-Kandidat Rolf Böhme im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit geholt und wird seine 16jährige Amtszeit fortsetzen. In Heidelberg hat die OB-Kandidatin Beate Weber beste Chancen, den zweiten Wahlgang für sich zu entscheiden. In Stuttgart ist dagegen der CDU-Verkehrs- und Umweltminister Hermann Schaufler (51) durch Affären so in die Enge geraten, daß er seinen Rücktritt vom Amt erklärte. Und als sich daraufhin eine Regierungsumbildung andeutete, warf auch CDU-Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder (65) seinen Hut in den Ring. Erwin Teufel, der baden-württembergische CDU-Ministerpräsident, muß sich jetzt eine Mannschaft  zusammensuchen, die für die Zukunft des Landes und seiner Partei Zeichen setzt. Bei der letzten Kabinettsbildung hatte Teufel seiner Fraktion einiges zugemutet. Und hatte danach bei der Wahl zum Ministerpräsidenten auch gleich einen Denkzettel verpaßt bekommen. Er war im ersten Wahlgang schlicht durchgefallen. Die großen Verluste der Union bei der Bundestagswahl im Ländle erschweren seine Suche nach geeigneten Kandidaten dazu noch. Diesmal wird der potentielle Teufel-Nachfolger, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag Günther Oettinger, in die Entscheidungsfindung eingebunden. Abschußkandidaten im derzeitigen CDU/FDP-Kabinett Teufel/Döring sind Sozialminister Erwin Vetter (61), Wissenschaftsminister Klaus von Trotha (60) und die Landwirtschaftsministerin Gerdi Staiblin. Ob in diesen Strudel auch die Heilbronner CDU-Landtagsabgeordnete Johanna Lichy mit hineingerissen wird, die als Staatssekretärin bei Erwin Vetter amtiert, wird derzeit in den Stuttgarter Parlamentsfluren und Redaktionen diskutiert. Darüberhinaus fragen sich viele Beobachter, wer aus der demnächst abgelösten Bundesregierung ins Stuttgarter Teufel-Kabinett kommt. Da werden schließlich einige Könner und Kenner der Politik quasi arbeitslos – sowohl Minister als auch Staatssekretäre. Aber Erwin Teufel will sein Kabinett verjüngen, eine Mannschaft bilden, die in der nächsten Landtagswahl für die CDU repräsentativ ist. In der Union ist derzeit nichts mehr wie vor dem 27. September 1998. Die alte Garde muß abtreten. Da wird es noch Überraschungen geben, mit denen derzeit kaum ein Politiker oder Beobachter rechnet. Außerdem haben Veränderungen in der Union heute nicht mehr den Stellenwert wie einst. Wer von der Macht weg ist, spielt in der Öffentlichkeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Union hat also die Chance, sich von Grund auf zu erneuern. Auch personell. Und wer weiß – vielleicht haben wir in Baden-Württemberg bald einen neuen Ministerpräsidenten? Günther H. Oettinger könnte er heißen. Alles ist derzeit möglich.                            

Es kracht im Gebälk
Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Auch bei den Sozialdemokraten, die sich anschicken, die ganze Republik zu beherrschen. Mit Jost Stollmann (43), dem jungen und schwerreichen Unternehmer, hatte sich Kanzlerkandidat Gerhard Schröder einen Mann für die Wirtschaft ins Schattenkabinett geholt, der eine neue Mitte in der Wählerschaft ansprechen sollte. Das hat Stollmann getan. Aber nach der Wahl wußte jeder, der sich mit Politik beschäftigt, daß dieser Mann dem mächtigen Saar-Napoleon Oskar Lafontaine nicht genehm ist. Der SPD-Bundesvorsitzende, im neuen Kabinett Schröder/Fischer Finanzminister, will sein neues Ministerium so zugeschnitten haben wie jenes des Schatzkanzlers in Großbritannien. Und Lafontaine hat den alten Machtgrundsatz beherzigt: Grausamkeiten müssen am Anfang gemacht werden. Und darum beglich er zunächst alte Rechnungen mit Rudolf Scharping, den er nicht als Vorsitzender einer Regierungsfraktion SPD neben sich dulden wollte. Scharping spielte mit – und war von Beginn an der Verlierer.  Sprich er mußte Verteidigungsminister werden. Der nächste, auf den Oskar seine Flinte angelegt hatte, war der Schröder-Intimus Jost Stollmann. Dessen Wirtschaftsministerium ließ er so beschneiden, daß dem Unternehmer nur noch der Rückzug blieb, wenn er sein Gesicht nicht verlieren wollte. Jetzt fragen sich viele in Bonn: Wer ist der nächste? Etwa Gerhard Schröder? Zumindest ist der Machtkampf zwischen den beiden starken Männern in der SPD damit vorprogrammiert. Die Fragen lauten also: Wer darf unter Oskar Lafontaine Kanzler sein – oder wann setzt Gerhard Schröder zum Befreiungsschlag an. Denn was bisher an Koalitionsvereinbarungen zwischen Rot und Grün beschlossen wurde, das ist wahrlich nicht der große Wurf. Obwohl die rotgrüne Koalition nicht einen Bremsklotz Bundesrat hat (wie die Regierung Kohl/Kinkel), brachte sie nicht den Mut auf, eine wirklich neue Politik auf den Weg zu bringen. Sie verteilt ein wenig um, belastet die Bürger in der Mehrheit noch stärker mit Abgaben und Steuern – und überläßt es der Zukunft, was aus all den komischen Plänen werden wird. Aber Regieren ist auch ein Lernprozeß. Die Bürger entscheiden sich erst dann, wenn sie die Belastungen hart am eigenen Leibe verspüren. Über Pläne denken nur Politikinteressierte nach. Deren Protest ist Rotgrün momentan völlig wurscht. Erst wenn eine Landtagswahl haushoch verlorengeht, dann wird neu nachgedacht. Wie im richtigen Leben. Also warten wir ab, was aus Plänen, Träumen und Vereinbarungen wird. Aus den Blüten des Frühlings, den Früchten des Sommers – wird im Herbst Marmelade gemacht. So auch in der Politik.  

Stadtbahn Heilbronn
Die Schienen sind in der Kaiserstraße gelegt. Demnächst auch auf der Friedrich-Ebert-Brücke und in der Bahnhofstraße. Und dann kann sie kommen – die vielgelobte und -umstrittene Stadtbahn. Geld wird sie kosten. Sehr viel Geld. Und ob der Bund seine Zuschuß-Zusagen einhalten kann, das hängt ganz von der finanziellen Lage ab. Bei den Milliarden-Löchern, die rotgrüne Experten derzeit im Bundeshaushalt aufstöbern, ist alles möglich. Aber das ficht uns in Heilbronn ja nicht an. Wir setzen auf eine rosarote Zukunft. Schließlich baut Rotgrün in Bonn ja auf den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs – und auf die Zurückdrängung des stinkenden Automobils aus den Innenstädten. Die Stadtbahn ist da ein ehernes Zeichen für die Zukunft. Allerdings sind es Träume von Politikern, die sich im Auto mit Chauffeur durch die Gegend fahren lassen, daß der Normalbürger bei seinem Wocheneinkauf sich per Stadtbahn in die Innenstadt Heilbronns begeben wird, die vollbepackten Tüten und Taschen durch die Gegend schleppt, um dann mit der Stadtbahn wieder nach Hause zu fahren. Wochen-Großeinkäufe werden heute schon in den Einkaufszentren auf der grünen Wiese getätigt. Und wer sich Waren zulegt, wie zum Beispiel sperrige Elektrogeräte, der wird diese auch nicht mit der Stadtbahn transportieren. Für wen also wird die Stadtbahn sinnvoll sein? Für jene Leute, die in die Stadt zu ihrem Arbeitsplatz fahren? Für jene, die Kleidungsstücke einkaufen, die leicht in großen Plastiktüten zu transportieren sind? Für jene, die sich mit ihren Bekannten oder Freunden zum Kaffee in der City verabreden wollen, die ins Theater, ins Konzert, ins Kino oder zu irgendeiner anderen Veranstaltung fahren? Ist der Bedarf für eine Stadtbahn wirklich vorhanden? Und rechtfertigen die Kosten den Aufwand und den späteren Nutzen? Die Antworten werden wir erhalten, wenn die Stadtbahn durch die Kaiserstraße Heilbronns fährt. Dann wird aber kaum einer der Politiker, die einst die Entscheidung für die Heilbronner Stadtbahn herbeigeführt hatten, noch im Amte sein – nehme ich mal an. 

Vierter Bürgermeister?
Heilbronn hat vier Bürgermeister und einen Oberbürgermeister. Dr. Manfred Weinmann (CDU) ist OB, Werner Grau (CDU) ist Erster Bürgermeister, Ulrich Frey (SPD) ist Baubürgermeister, Artur Kübler (CDU) ist Ordnungsbürgermeister und Harald Friese (SPD) Kulturbürgermeister.  Eigentlich sind es ja fünf Häuptlinge auf dem Rathaus. Zurzeit allerdings nur vier, weil Harald Friese sein Amt niederlegen mußte, da er über die SPD-Landesliste in Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen ist. Um seine Nachfolge wird derzeit heftig gestritten. Die kleinen Fraktionen im Heilbronner Gemeinderat wollen die vierte Beigeordnetenstelle einsparen. Ihre Politik ist konsequent. Denn sie haben diese Forderung schon im vergangenen Jahr erhoben, als Artur Kübler Nachfolger von Harald Friese und Friese im Tausch Nachfolger von Reiner Casse als Bürgermeister wurde. SPD und CDU hatten das unter sich ausgemacht. Der OB wird vom Volk gewählt. Ansonsten hat die CDU drei, die SPD eine Dezernentenstellen zu besetzen. Die kleinen Fraktionen blieben mit ihren Wünschen außen vor. Weder hatten sie die Chance, einen unabhängigen Kandidaten durchzubringen, noch die Möglichkeit, eine Dezernentenstelle auf dem Heilbronner Rathaus einzusparen. Freie Demokraten, Freie Wähler und Republikaner verweisen auf Beispiele in Ulm, Pforzheim und Heidelberg, wo Bürgermeisterposten eingespart wurden. Die Sozialdemokraten aber wollen auf ihre Sitze in der Dezernentenrunde nicht verzichten. Sie berufen sich auf den Wählerwillen aus der letzten Gemeinderatswahl. Nur – da wurde nicht über die Besetzung von Bürgermeisterposten abgestimmt, sondern über die Zusammensetzung des Heilbronner Gemeinderates. Aber darüberhinaus verweisen die Genossen und Genossinen auf eine Vereinbarung mit der CDU-Fraktion. Nach dieser wurde im letzten Jahr Artur Kübler gewählt – mit den Stimmen der SPD. Jetzt müßten folgerichtig die christdemokratischen Stadträte mit ihren Stimmen Harry Mergel zum Kulturbürgermeister Heilbronns wählen. Und wie es derzeit ausschaut, führt an dieser Prozedur kaum ein Weg vorbei. Außer: die CDU gibt die Abstimmung frei. Dann werden die Karten auf dem Heilbronner Rathaus neu gemischt. Vor allem auch im Hinblick auf die OB-Wahl 1999 in Heilbronn. – Welche Kandidaten-Namen derzeit geflüstert werden? Klaus Czernuska (Heilbronner Landrat) und Jochen Kübler (OB in Öhringen), beide CDU.                                                                                

B.Tv – neuer Sender
Es gibt ihn schon einige Monate. Den neuen privaten Fernsehsender in Ludwigsburg für Württemberg. Offizieller Name: Ballungsraum Televison Württemberg. Oder kurz: B.Tv Württemberg TV Stuttgart GmbH & Co. KG, Grönerstraße 0e 35, 71636 Ludwigsburg, Telefon 07141-4565-500. Geschäftsführer ist Bernd Schumacher. Zu diesem neuen Privatsender gehört auch das B.Tv Baden mit Sitz in Karlsruhe. Als im Sommer dieser Sender über die Kabelnetze eingespeist wurde, rieb sich so mancher Zuschauer verwundert die Augen. Fernsehen wie vor zehn Jahren in Ländern der Dritten Welt. Das waren noch die zartfühlendsten Beschreibungen des Gesehenen. Mangels Masse wurden im Endlos-Band Filmchen abgespielt, die aktuellen Nachrichten-Wert haben sollten. Aber die waren oft schon vier Tage alt. Das hat sich mittlerweile gebessert. Aber an unser schwäbischen Fernsehen vom alten Südfunk kam der neue Sender nicht im Entferntesten heran. Und der war ja auch recht rustikal und provinziell in seiner Berichterstattung. Beim neuen Südwestrundfunk SWR, der Nachfolger von SDR und SWF, hat sich da einiges zum Besseren verändert. Aber B.Tv Württemberg bewahrt uns den Charme der frühen Fernsehjahre. Da gibt es zum Beispiel die altbewährte Talkrunde mit nur einem Gast. Christian Frietsch heißt der Mann, der illustre Gäste abfragt – und jeden Antwortsatz mit einem Mmhmhh oder Ähmmh beantwortet. Das ist dann wie im richtigen Leben. Eben nicht gestylt und nicht auf aktuelles und modernes Fernsehniveau gebracht. Der Mann hat ja auch Erfahrung – als Geschäftsführer vieler Privatradios in Baden-Württemberg, die es nicht mehr gibt. Ob sie nun Victoria, Radio Ton oder Radio Regional geheißen haben. Besonders aufwendig werden Volksmusik-Sendungen mit Andy und Bernd produziert, jene beiden volkstümlichen Sänger, die auch schon jahrelang bei Radio Regional am Sonntagvormittag die Freunde dieser Musikrichtung mit ihren unverwechselbaren Moderationen und Musiktiteln beglückten. Und wie heißen die schönen Sendungen dieses Senders? Sternstunde, BTv-Talk, Wirtschaftsticker, Leben konkret, Frietsch’s TalkRad, BTv Aktuell oder Bernie+Co. Und besonders nett ist es, wenn sich die Macher gegenseitig interviewen. Dann erfährt man wenigsten, wer da wie und warum Fernsehen macht. Aber wer weiß, vielleicht wird aus diesem kleinen Sender mal ein großer? Einer, bei dem richtig Fernsehen gemacht wird. Was nicht ist, kann ja noch werden.

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