Stinky und Co.
Wenn unsere Hundehalter auf die
Straße in der Stadt ihren geliebten Vierbeiner Gassi führen – und der kleine,
mittlere oder große Kläffer macht dann ein Häufchen oder ein Bächlein, ja dann
– dann sind unsere deutschen Ordnungshüter schnell bei der Sache. Sofern sie in
der Nähe sind. Und der böse, umweltverschmutzende Hundehalter bekommt eine
empfindliche Geldstrafe aufgebrummt. So weit, so ordentlich – so gut. Aber
unsere wachsamen Ordnungshüter können nicht überall sein. Die meisten Wauwaus
werden nämlich am frühen Morgen und am späten Abend Gassi geführt. In der Frühe
gilt es Büroarbeiten zu erledigen – und am Abend haben unsere Damen und Herren
Aufpasser schon längst ihre Blöcke eingepackt und genießen ihren wohlverdienten
Feierabend. Also liegt der stinkende Hundedreck sorglos herum, verpestet die
Luft und wird nach der Trocknung vom Wind durch die Gegend geweht. Alles, was in diesem Staub an Krankheitskeimen
vorhanden ist, das kann den braven Bürgern auf die Haut kommen – und durch die
Nase. Mediziner warnen vor den Gefahren dieses Hundekot-Staubs. Aber es gibt ja
Auswege. Einerseits die vielen Grünflächen in Heilbronn, in denen der tierische
Lebensbegleiter seine Notdurft verrichten kann. Und andererseits rund um
Heilbronn die vielen Spazierwege in den Wäldern. Vor allem die schönen
Trimm-Dich-Pfade. Da gibt es bequem anzusteuernde Parkplätze. Waldi ist mit
einem Hopser mitten in der guten und frischen Natur. Und an den Wegrändern hat
es genügend Möglichkeiten für den Hund, seinen Kot artgerecht zu verscharren.
Unter Laub oder lockerer Erde. Das stinkt dann gelegentlich recht ordentlich
zum Himmel, vor allem wenn der Regen diese Kothügel durchnäßt – und später in der dämpfigen Herbstwitterung
übelriechende Schwaden aus dem Boden in die Nasen der Spaziergänger steigen. Hunde sind halt auch nur Lebewesen.
Ordnungshüter kreuzen auch hier im Wald selten den Weg der spazierfreudigen und
Hundesteuer-zahlenden Mitmenschen, die ja lediglich den natürlichen Bedürfnissen
ihrer armen Viecher Rechnung tragen. Und so ist alles wieder im Lot. Nur manche
hundelosen Spaziergänger oder Freizeitsportler werden im Winter, Herbst oder
Frühjahr den getrockneten Kot der lieben Vierbeiner bei heftigem Wind einatmen
dürfen. Und die Tiere des Waldes natürlich. All die sind ja abgehärtet. Ist
dieser Hundedreck nun ein Problem? – Wer bellt denn da?
IHK-Repräsentation
Gleich nach der Bundestagwahl, am
Dienstag, 29. September 1998, veranstaltete die Industrie- und Handelskammer
Heilbronn ihren diesjährigen Gästeabend für alle wichtigen Menschen aus
Wirtschaft, Verwaltung und Politik aus der Region in der Heilbronner Harmonie. Hans Peter Stihl, Präsident des
Deutschen Industrie- und Handelstages DIHT, Präsident der Industrie- und
Handelskammer Stuttgart und Waiblinger Unternehmer, hielt den Festvortrag.
Dabei setzte er Marken in seiner Rede, die unseren Regionalpolitikern nicht
sonderbar schmeckten. Sie wollen halt nicht die Entwicklungen in der Region um
Stuttgart auf Heilbronn und die Region Franken übertragen wissen. Auch Stihls
Analyse des Wahlausgangs war den Unternehmern aus der Region ein wenig zu flach
geraten. Andererseits verständlich – denn der DIHT-Präsident wollte es sich ja
nicht gleich mit der neuen Regierung verderben. Am Rande des Gästeabends
spielte sich ein kleiner Skandal ab. Hatte doch der IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger in seiner Rede davon
gesprochen, daß der neue Heilbronner IHK-Präsident Günter Steffen sich nicht nur wie sein Vorgänger Otto Christ mit der Repräsentation
begnüge. Reaktion: Kopfschütteln bei Teilen des Publikums. Im Redemanuskript
Metzgers war eindeutig nachzulesen, daß der IHK-Hauptgeschäftsführer beide
Präsidenten lobte, auch Christ, der sich wie sein Nachfolger Steffen, nicht nur
mit der Repräsentation begnügt hätte. Aber das Kind war nun schon in den
Brunnen gefallen. Otto Christ hatte schimpfend den Harmonie-Saal verlassen. „Ich lasse mich doch nicht beleidigen“,
lauteten seine Abschiedsworte. Da half auch alles Entschuldigen nichts mehr.
Der frühere IHK-Präsident ist beleidigt. Vor wenigen Tagen (17. Oktober)
feierte er seinen siebzigsten Geburtstag – fernab der Unterländer Heimat.
Einige sagen, in seinem Ferienhaus am Bodensee. Andere sagen, er befinde sich
auf einer Schiffsreise. Die Industrie- und Handelskammer gratulierte ihrem
früheren Präsidenten mit Grußkarte und Geschenk. Aber offizielle
Feierlichkeiten gab es aus diesem Anlaß keine. Ich meine, den Versprecher des
IHK-Hauptgeschäftsführers Heinrich Metzger sollte Otto Christ einfach vergeben
und vergessen. Sonst wabern die seltsamen Gerüchte um die IHK weiter – und
schaden nur der Institution.
Teufels Aufbruch
Die Vorzeichen sind schlecht. Im
Bund befindet sich die Union nach der Niederlage am 27. September in einer
tiefen Krise. In Freiburg hat am Sonntag der SPD-OB-Kandidat Rolf Böhme im
ersten Wahlgang die absolute Mehrheit geholt und wird seine 16jährige Amtszeit
fortsetzen. In Heidelberg hat die OB-Kandidatin Beate Weber beste Chancen, den
zweiten Wahlgang für sich zu entscheiden. In Stuttgart ist dagegen der
CDU-Verkehrs- und Umweltminister Hermann
Schaufler (51) durch Affären so in die Enge geraten, daß er seinen
Rücktritt vom Amt erklärte. Und als sich daraufhin eine Regierungsumbildung
andeutete, warf auch CDU-Finanzminister Gerhard
Mayer-Vorfelder (65) seinen Hut in den Ring. Erwin Teufel, der baden-württembergische CDU-Ministerpräsident, muß
sich jetzt eine Mannschaft
zusammensuchen, die für die Zukunft des Landes und seiner Partei Zeichen
setzt. Bei der letzten Kabinettsbildung hatte Teufel seiner Fraktion einiges
zugemutet. Und hatte danach bei der Wahl zum Ministerpräsidenten auch gleich
einen Denkzettel verpaßt bekommen. Er war im ersten Wahlgang schlicht
durchgefallen. Die großen Verluste der Union bei der Bundestagswahl im Ländle
erschweren seine Suche nach geeigneten Kandidaten dazu noch. Diesmal wird der
potentielle Teufel-Nachfolger, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter
Landtag Günther Oettinger, in die Entscheidungsfindung eingebunden.
Abschußkandidaten im derzeitigen CDU/FDP-Kabinett Teufel/Döring sind
Sozialminister Erwin Vetter (61),
Wissenschaftsminister Klaus von Trotha
(60) und die Landwirtschaftsministerin Gerdi
Staiblin. Ob in diesen Strudel auch die Heilbronner CDU-Landtagsabgeordnete
Johanna Lichy mit hineingerissen
wird, die als Staatssekretärin bei Erwin Vetter amtiert, wird derzeit in den
Stuttgarter Parlamentsfluren und Redaktionen diskutiert. Darüberhinaus fragen
sich viele Beobachter, wer aus der demnächst abgelösten Bundesregierung ins Stuttgarter
Teufel-Kabinett kommt. Da werden schließlich einige Könner und Kenner der
Politik quasi arbeitslos – sowohl Minister als auch Staatssekretäre. Aber Erwin
Teufel will sein Kabinett verjüngen, eine Mannschaft bilden, die in der
nächsten Landtagswahl für die CDU repräsentativ ist. In der Union ist derzeit
nichts mehr wie vor dem 27. September 1998. Die alte Garde muß abtreten. Da
wird es noch Überraschungen geben, mit denen derzeit kaum ein Politiker oder
Beobachter rechnet. Außerdem haben Veränderungen in der Union heute nicht mehr
den Stellenwert wie einst. Wer von der Macht weg ist, spielt in der
Öffentlichkeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Union hat also die
Chance, sich von Grund auf zu erneuern. Auch personell. Und wer weiß – vielleicht
haben wir in Baden-Württemberg bald einen neuen Ministerpräsidenten? Günther H. Oettinger könnte er heißen.
Alles ist derzeit möglich.
Es kracht im Gebälk
Der Mohr hat seine Schuldigkeit
getan, der Mohr kann gehen. Auch bei den Sozialdemokraten, die sich anschicken,
die ganze Republik zu beherrschen. Mit Jost
Stollmann (43), dem jungen und schwerreichen Unternehmer, hatte sich
Kanzlerkandidat Gerhard Schröder
einen Mann für die Wirtschaft ins Schattenkabinett geholt, der eine neue Mitte
in der Wählerschaft ansprechen sollte. Das hat Stollmann getan. Aber nach der
Wahl wußte jeder, der sich mit Politik beschäftigt, daß dieser Mann dem
mächtigen Saar-Napoleon Oskar Lafontaine
nicht genehm ist. Der SPD-Bundesvorsitzende, im neuen Kabinett Schröder/Fischer
Finanzminister, will sein neues Ministerium so zugeschnitten haben wie jenes
des Schatzkanzlers in Großbritannien. Und Lafontaine hat den alten
Machtgrundsatz beherzigt: Grausamkeiten müssen am Anfang gemacht werden. Und
darum beglich er zunächst alte Rechnungen mit Rudolf Scharping, den er nicht als Vorsitzender einer
Regierungsfraktion SPD neben sich dulden wollte. Scharping spielte mit – und
war von Beginn an der Verlierer. Sprich
er mußte Verteidigungsminister werden. Der nächste, auf den Oskar seine Flinte
angelegt hatte, war der Schröder-Intimus Jost Stollmann. Dessen
Wirtschaftsministerium ließ er so beschneiden, daß dem Unternehmer nur noch der
Rückzug blieb, wenn er sein Gesicht nicht verlieren wollte. Jetzt fragen sich
viele in Bonn: Wer ist der nächste? Etwa Gerhard Schröder? Zumindest ist der
Machtkampf zwischen den beiden starken Männern in der SPD damit
vorprogrammiert. Die Fragen lauten also: Wer darf unter Oskar Lafontaine
Kanzler sein – oder wann setzt Gerhard Schröder zum Befreiungsschlag an. Denn
was bisher an Koalitionsvereinbarungen zwischen Rot und Grün beschlossen wurde,
das ist wahrlich nicht der große Wurf. Obwohl die rotgrüne Koalition nicht
einen Bremsklotz Bundesrat hat (wie die Regierung Kohl/Kinkel), brachte sie
nicht den Mut auf, eine wirklich neue Politik auf den Weg zu bringen. Sie
verteilt ein wenig um, belastet die Bürger in der Mehrheit noch stärker mit
Abgaben und Steuern – und überläßt es der Zukunft, was aus all den komischen
Plänen werden wird. Aber Regieren ist auch ein Lernprozeß. Die Bürger
entscheiden sich erst dann, wenn sie die Belastungen hart am eigenen Leibe
verspüren. Über Pläne denken nur Politikinteressierte nach. Deren Protest ist
Rotgrün momentan völlig wurscht. Erst wenn eine Landtagswahl haushoch verlorengeht,
dann wird neu nachgedacht. Wie im richtigen Leben. Also warten wir ab, was aus
Plänen, Träumen und Vereinbarungen wird. Aus den Blüten des Frühlings, den
Früchten des Sommers – wird im Herbst Marmelade gemacht. So auch in der
Politik.
Stadtbahn Heilbronn
Die Schienen sind in der
Kaiserstraße gelegt. Demnächst auch auf der Friedrich-Ebert-Brücke und in der
Bahnhofstraße. Und dann kann sie kommen – die vielgelobte und -umstrittene
Stadtbahn. Geld wird sie kosten. Sehr viel Geld. Und ob der Bund seine
Zuschuß-Zusagen einhalten kann, das hängt ganz von der finanziellen Lage ab.
Bei den Milliarden-Löchern, die rotgrüne Experten derzeit im Bundeshaushalt
aufstöbern, ist alles möglich. Aber das ficht uns in Heilbronn ja nicht an. Wir
setzen auf eine rosarote Zukunft. Schließlich baut Rotgrün in Bonn ja auf den
Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs – und auf die Zurückdrängung des
stinkenden Automobils aus den Innenstädten. Die Stadtbahn ist da ein ehernes Zeichen für die Zukunft.
Allerdings sind es Träume von Politikern, die sich im Auto mit Chauffeur durch
die Gegend fahren lassen, daß der Normalbürger bei seinem Wocheneinkauf sich
per Stadtbahn in die Innenstadt Heilbronns begeben wird, die vollbepackten
Tüten und Taschen durch die Gegend schleppt, um dann mit der Stadtbahn wieder
nach Hause zu fahren. Wochen-Großeinkäufe werden heute schon in den
Einkaufszentren auf der grünen Wiese getätigt. Und wer sich Waren zulegt, wie
zum Beispiel sperrige Elektrogeräte, der wird diese auch nicht mit der
Stadtbahn transportieren. Für wen also wird die Stadtbahn sinnvoll sein? Für
jene Leute, die in die Stadt zu ihrem Arbeitsplatz fahren? Für jene, die
Kleidungsstücke einkaufen, die leicht in großen Plastiktüten zu transportieren
sind? Für jene, die sich mit ihren Bekannten oder Freunden zum Kaffee in der
City verabreden wollen, die ins Theater, ins Konzert, ins Kino oder zu
irgendeiner anderen Veranstaltung fahren? Ist der Bedarf für eine Stadtbahn
wirklich vorhanden? Und rechtfertigen die Kosten den Aufwand und den späteren
Nutzen? Die Antworten werden wir erhalten, wenn die Stadtbahn durch die
Kaiserstraße Heilbronns fährt. Dann wird aber kaum einer der Politiker, die
einst die Entscheidung für die Heilbronner Stadtbahn herbeigeführt hatten, noch
im Amte sein – nehme ich mal an.
Vierter Bürgermeister?
Heilbronn hat vier Bürgermeister und
einen Oberbürgermeister. Dr. Manfred
Weinmann (CDU) ist OB, Werner Grau
(CDU) ist Erster Bürgermeister, Ulrich
Frey (SPD) ist Baubürgermeister, Artur
Kübler (CDU) ist Ordnungsbürgermeister und Harald Friese (SPD) Kulturbürgermeister. Eigentlich sind es ja fünf Häuptlinge auf dem
Rathaus. Zurzeit allerdings nur vier, weil Harald Friese sein Amt niederlegen
mußte, da er über die SPD-Landesliste in Baden-Württemberg in den Bundestag
eingezogen ist. Um seine Nachfolge wird derzeit heftig gestritten. Die kleinen
Fraktionen im Heilbronner Gemeinderat wollen die vierte Beigeordnetenstelle
einsparen. Ihre Politik ist konsequent. Denn sie haben diese Forderung schon im
vergangenen Jahr erhoben, als Artur Kübler Nachfolger von Harald Friese und
Friese im Tausch Nachfolger von Reiner
Casse als Bürgermeister wurde. SPD und CDU hatten das unter sich
ausgemacht. Der OB wird vom Volk gewählt. Ansonsten hat die CDU drei, die SPD
eine Dezernentenstellen zu besetzen. Die kleinen Fraktionen blieben mit ihren
Wünschen außen vor. Weder hatten sie die Chance, einen unabhängigen Kandidaten
durchzubringen, noch die Möglichkeit, eine Dezernentenstelle auf dem
Heilbronner Rathaus einzusparen. Freie Demokraten, Freie Wähler und
Republikaner verweisen auf Beispiele in Ulm, Pforzheim und Heidelberg, wo
Bürgermeisterposten eingespart wurden. Die Sozialdemokraten aber wollen auf
ihre Sitze in der Dezernentenrunde nicht verzichten. Sie berufen sich auf den
Wählerwillen aus der letzten Gemeinderatswahl. Nur – da wurde nicht über die
Besetzung von Bürgermeisterposten abgestimmt, sondern über die Zusammensetzung
des Heilbronner Gemeinderates. Aber darüberhinaus verweisen die Genossen und
Genossinen auf eine Vereinbarung mit der CDU-Fraktion. Nach dieser wurde im
letzten Jahr Artur Kübler gewählt – mit den Stimmen der SPD. Jetzt müßten
folgerichtig die christdemokratischen Stadträte mit ihren Stimmen Harry Mergel zum Kulturbürgermeister
Heilbronns wählen. Und wie es derzeit ausschaut, führt an dieser Prozedur kaum
ein Weg vorbei. Außer: die CDU gibt die Abstimmung frei. Dann werden die Karten
auf dem Heilbronner Rathaus neu gemischt. Vor allem auch im Hinblick auf die
OB-Wahl 1999 in Heilbronn. – Welche Kandidaten-Namen derzeit geflüstert werden?
Klaus Czernuska (Heilbronner
Landrat) und Jochen Kübler (OB in
Öhringen), beide CDU.
B.Tv – neuer Sender
Es gibt
ihn schon einige Monate. Den neuen privaten Fernsehsender in Ludwigsburg für
Württemberg. Offizieller Name: Ballungsraum Televison Württemberg. Oder kurz:
B.Tv Württemberg TV Stuttgart GmbH & Co. KG, Grönerstraße 0e 35, 71636
Ludwigsburg, Telefon 07141-4565-500. Geschäftsführer ist Bernd Schumacher. Zu diesem neuen Privatsender gehört auch das B.Tv
Baden mit Sitz in Karlsruhe. Als im Sommer dieser Sender über die Kabelnetze
eingespeist wurde, rieb sich so mancher Zuschauer verwundert die Augen.
Fernsehen wie vor zehn Jahren in Ländern der Dritten Welt. Das waren noch die
zartfühlendsten Beschreibungen des Gesehenen. Mangels Masse wurden im
Endlos-Band Filmchen abgespielt, die aktuellen Nachrichten-Wert haben sollten.
Aber die waren oft schon vier Tage alt. Das hat sich mittlerweile gebessert.
Aber an unser schwäbischen Fernsehen vom alten Südfunk kam der neue Sender
nicht im Entferntesten heran. Und der war ja auch recht rustikal und
provinziell in seiner Berichterstattung. Beim neuen Südwestrundfunk SWR, der
Nachfolger von SDR und SWF, hat sich da einiges zum Besseren verändert. Aber
B.Tv Württemberg bewahrt uns den Charme der frühen Fernsehjahre. Da gibt es zum
Beispiel die altbewährte Talkrunde mit nur einem Gast. Christian Frietsch heißt der Mann, der illustre Gäste abfragt – und
jeden Antwortsatz mit einem Mmhmhh oder Ähmmh beantwortet. Das ist dann wie im
richtigen Leben. Eben nicht gestylt und nicht auf aktuelles und modernes
Fernsehniveau gebracht. Der Mann hat ja auch Erfahrung – als Geschäftsführer
vieler Privatradios in Baden-Württemberg, die es nicht mehr gibt. Ob sie nun
Victoria, Radio Ton oder Radio Regional geheißen haben. Besonders aufwendig
werden Volksmusik-Sendungen mit Andy und Bernd produziert, jene beiden
volkstümlichen Sänger, die auch schon jahrelang bei Radio Regional am
Sonntagvormittag die Freunde dieser Musikrichtung mit ihren unverwechselbaren
Moderationen und Musiktiteln beglückten. Und wie heißen die schönen Sendungen
dieses Senders? Sternstunde, BTv-Talk, Wirtschaftsticker, Leben konkret,
Frietsch’s TalkRad, BTv Aktuell oder Bernie+Co. Und besonders nett ist es, wenn
sich die Macher gegenseitig interviewen. Dann erfährt man wenigsten, wer da wie
und warum Fernsehen macht. Aber wer weiß, vielleicht wird aus diesem kleinen
Sender mal ein großer? Einer, bei dem richtig Fernsehen gemacht wird. Was nicht
ist, kann ja noch werden.
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