Amerikanischer Wahlkampf
Zwei Schimpfwörter haben derzeit in
der politischen Auseinandersetzung Hochkonjunktur. Und zwar folgt das eine aus
dem anderen als Steigerung. Da ist zunächst einmal das ominöse Wörtchen
Wahlkampf. Betuliche Journalisten rufen Politiker zum Beispiel in Fernseh- oder
Rundfunkdiskussionen, wenn es mal ein wenig härter in der Argumentation zur
Sache geht, mit dem Hinweis „Bitte keinen Wahlkampf“ zur Ordnung. Und in
Kommentaren werden zugespitzte Auseinandersetzungen und Argumentationen mit dem
Satz „Es ist ja Wahlkampf“ als unseriös zur Seite geschoben. Offenbart sich
hier ein undemokratisches Politikverständnis? Sehnen sich da Leute etwa nach
wahlkampflosen Zeiten? Oft kann man den Eindruck gewinnen, daß auf linker wie
rechter Seite des politischen Spektrums sich so manche nach dem starken Mann
sehen, dem aufgeklärten Despoten, der ohne allzu lange Diskussionen alles zum
Besten richtet, die Parlamente nichts als Schwatzbuden sind. Diese Zeiten
hatten wir ja schon mal in Deutschland. Seltsam ist nur, daß in Wahlauseinandersetzungen
derartige Ansichten bei uns wieder zum Tragen kommen. Nach dem resignierenden Motto, die Politiker versprechen in solchen
Zeiten allen alles und halten später nichts. Wenn Politiker kaum etwas von
ihren Versprechen halten, dann liegt es auch an jenen, die sie überprüfen
sollten: der Presse und der Öffentlichkeit. Mit Liebedienerei und
Harmoniegesäusel ist jedoch ein Kontrollieren der Macht nicht erreichbar. Der
zweite daraus folgende Vorwurf: amerikanisierter Wahlkampf. Und damit ist die bloße
Show ohne Inhalte gemeint. Wird in den USA ein Präsident gewählt, werden
gleichzeitig auch viele Parlamente in den einzelnen Staaten neu gewählt, die
Hälfte des Abgeordnetenhauses und des Senats und in den Kommunen Bürgermeister,
Sheriffs und Staatsanwälte. Plakatwahlkämpfe kennt man in den Vereinigten
Staaten kaum. In den Zeitungen werden in Gegenüberstellung die Argumente der
Kandidaten gewogen. Und von diversen Bürgergruppierungen und Vereinigungen
werden Anliegen vehement vorgetragen. In Sachen Demokratie können wir in
Deutschland noch viel von den USA lernen. Die amerikanische Demokratie nur an
einigen auffälligen Show-Werbungen im Fernsehen zu messen, das zeugt von jener
Selbstherrlichkeit, die Kurt Tucholsky an den Deutschen geißelte. Sie würden
sich immer als Primus in der Welt aufspielen. Bei vielen Politikern, ob links
oder rechts, ist derzeit in Reden zu hören, daß der Rest Europas und der Welt
am deutschen Wesen genesen könne. Sei es nun ökologisch oder sonst irgendwie
...
Friese und Strobl u.a.
Die heiße Phase des Wahlkampfs hat
begonnen – heißt es derzeit allenthalben. Jetzt wird um die unentschlossenen
Wähler gekämpft. Im Wahlkreis Heilbronn stehen sich als Protagonisten für die
Erststimmen zwei Juristen gegenüber. Schon heute wissen wir: Einer von beiden
wird direktgewählt in den neuen Bundestag einziehen. Entweder Thomas Strobl (Rechtsanwalt,
CDU-Kreisvorsitzender und Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion im
Heilbronner Gemeinderat) oder Harald
Friese (SPD, Bürgermeister für Kultur, Sport und Soziales der Stadt
Heilbronn). Teile des südlichen und westlichen Landkreises Heilbronn gehören
allerdings zu einem anderen Wahlkreis: Neckar-Zaber. Dort stehen sich Dr. Renate Hellwig (CDU) und Hans Martin Bury (SPD) gegenüber. Die
Kandidaten anderer Parteien haben bei der Wahl mit der Erststimme kaum eine
Chance. Denn gewählt ist einem Wahlkreis jener Kandidat, der die Mehrheit der
Stimmen auf sich vereinigt. Und das kann dann auch eine relative Mehrheit sein.
Bespiel: Kandidat A erreicht 36 Prozent der Stimmen, Kandidat B 34 Prozent,
Kandidat C 16 Prozent und Kandidat D 14 Prozent. Gewonnen hat Kandidat A mit
seinen 36 Prozent der Stimmen. Die anderen Stimmen – insgesamt 44 Prozent –
fallen unter den Tisch. Die Zweitstimme entscheidet dann über die
Zusammensetzung des neuen Bundestages. Das heißt: Wie viele Sitze jede der
Parteien bekommt, die über die Fünf-Prozent-Hürde gesprungen ist. Bei der
letzten Bundestagswahl 1994 hatte die
CDU/CSU 41,5 Prozent, die SPD 36,4 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen 7,3 Prozent,
die FDP 6,9 Prozent und die PDS 4,4 Prozent
der Zweitstimmen erhalten. Die PDS kam trotz ihres Scheiterns an der
Fünf-Prozent-Klausel in den Bundestag, weil sie die nötige Anzahl an
Direktmandaten (mehr als drei) erreicht hatte, um in den Bundestag einzuziehen.
Die Umfragen und Prognosen für die Bundestagswahl am 27. September 1998 sehen
derzeit eine Mehrheit für eine rotgrüne Regierung in Bonn. Die regierende
Koalition aus CDU/CSU und FDP hofft jedoch noch auf eine Wende zu ihren
Gunsten. Denn manche Meinungsforscher behaupten, daß sich mehr als fünfzig
Prozent der deutschen Wähler noch nicht entschieden hätten, wem sie am 27.
September ihre Stimme geben wollen. Trotz einer seit Monaten stabilen
Umfrage-Mehrheit für Rotgrün setzen manche Meinungsforscher auf eine
Richtungswahl zwischen Rotgrün und Schwarzgelb, zwischen Gerhard Schröder und
Helmut Kohl, auf die letzten Wochen. Da kann noch viel geschehen. Unsere
Umfragegurus hatten bei den letzten Wahlen ja viel Stuß vorausgesagt. Aber es
könnte auch so sein: Die Unentschiedenen orientieren sich am Trend. Auch das
hat es schon gegeben.
Tiefdruckgebiete
Das wird ja immer lustiger! Jetzt
hat sich eine bundesweite Fraueninitiative für eine Abschaffung weiblicher
Vornamen bei der Benennung von Tiefdruckgebieten ausgesprochen. Die
Namensgebung sei diskriminierend und sexistisch, so die Sprecherinnen der
Initiative Elke Diehl und Marlies Krämer. Die Damen werfen dem Meteorologischen
Institut der Freien Universität Berlin – hier werden seit den 50er Jahren
Tiefdruckgebiete weiblich und Hochdruckgebiete männlich benannt – „unsachliche Zweckentfremdung menschlicher
Vornamen“ vor. 500 Protestunterschriften hat frau den „bösen Chauvinisten“
vom Institut schon übergeben, nur der Gedanke, der hinter diesem Aufruhr
steckt, ist völlig unverständlich. Als sexistisch ist etwas nur zu werten, wenn
Frauen und Männer aufgrund ihrer biologischen Unterschiede auch
unterschiedliche geistige und seelische Eigenschaften besitzen. Ist die
weibliche Benennung eines Tiefdruckgebietes, das durch Regen die Erde nährt und
für pflanzliches Wachstum sorgt, der Frau gegenüber als diskriminierend zu
werten? Oder lassen Tief- beziehungsweise Hochdruckgebiete auf psychische Differenzen der Geschlechter
schließen? Wohl kaum. Und was liegt bei der Unterscheidung von WetterHochs und
-Tiefs näher als eine Titulierung mit menschlichen Vornamen – wer möchte schon
ein Hoch „A“ oder ein Tief „1“ über Deutschland anstelle wohlklingender
Namen. Nichts gegen Neuerungen, auch
nichts gegen Änderungen bei tatsächlich stattfindender Diskriminierung – aber
die liegt hier in keinster Weise vor.
Südwestrundfunk
Jetzt geht es los. Der
Südwestrundfunk SWR kommt mit seinen neuen Programmen. Senderstart ist am
Sonntag, den 30. August 1998. Die zweitgrößte ARD-Sendeanstalt in
Deutschland im Südwesten Deutschlands
(Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz) ist zusammengeschmolzen worden aus dem
Süddeutschen Rundfunk (SDR) in Stuttgart und dem Südwestdeutschen Rundfunk (SWF)
in Baden-Baden. Die Nachkriegszeit im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk im
Südwesten Deutschlands ist damit endgültig zu Ende. Denn die Grenze zwischen
Südfunk und Südwestrundfunk lief entlang der Autobahn Stuttgart-Karlsruhe, der
alten Besatzungsgrenze zwischen französischem und amerikanischem Sektor. Auch
die regionale Berichterstattung des SWR für die Region Heilbronn-Franken wird
sich in der neuen Zwei-Länder-Anstalt verändern. Neue Aufgaben kommen auf die
Mannschaft im SWR-Studio Heilbronn mit seinem Leiter Lutz Wagner zu. Im Radio
handelt es sich dabei um die beiden Landesprogramme SWR1 und SWR4. Neu im
SWR4-Programm ist donnerstags von 17.05 bis 18 Uhr die Sendung SWR4 Franken
Radio Foyer. In dieser Stunde sollen die vielfältigen kulturellen Aktivitäten
in der Region näher beleuchtet werden. Jeden Freitag ist SWR4 Franken Radio von
17.05 bis 18 Uhr mit der Sendung Vor Ort in den Kreisstädten und Großen
Kreisstädten der Region. Da soll es dann „um Kommunalpolitik, um Ereignisse und
die Nahwelt der Bürger“ gehen. Dazu gibt es wie gewohnt die Mittwochsrunde und
samstags Ruf mal an. Neu ist die Senderzeit der Sonntagssendung: Sie rutscht um
eine Stunde auf 12.05 bis 13 Uhr. Der neue SWR soll auch eine Verstärkung der
Fernsehberichterstattung im Landesprogramm Südwest Baden-Württemberg bringen.
Das Fernseh-Regionalbüro im SWR-Studio Heilbronn wurde personell aufgestockt
und betreut nun die ganze Region Heilbronn-Franken. Die Heilbronner Beiträge
sollen vornehmlich um 18.05 Uhr in Hierzuland, sowie um 19.20 Uhr in der
Landesschau und 19.45 in Baden-Württemberg Aktuell gesendet werden. Das vierte
Hörfunkprogramm hat also keine allzugroßen Änderungen erfahren. Dafür aber das
neue Erste: SWR1. Das ist jetzt der
Hörfunk-Landessender für ganz Baden-Württemberg. An der Spitze Programmchef Hans Peter Archner, der mit seiner
Ausbildung im Heilbronner Studio des Südfunks begonnen hatte.
Freilichttheater
Die Freilichttheater in Deutschland
klagen über schwindende Zuschauerzahlen. Sie klagen allerdings auf einem hohen
Niveau. Denn in den vergangenen Jahren hatte man bei den Bühnen unter freiem
Himmel überdimensionale Wachstumsraten zu verzeichnen. Jetzt pendelt sich alles
wieder ein. Auf ein normales Maß. Eine Ausnahme bildet dabei das
Freilichttheater in Schwäbisch Hall. Dort auf der 54stufigen Treppe im Kochertal
verzeichnet Achim Plato, der rührige
und umtriebige Intendant, einen Zuwachs (im Vergleich zum letzten Jahr) von
5.885 Zuschauern. Insgesamt kamen 61.324 Besucher nach Hall ins
Freilichttheater. Renner mit 24.870 Zuschauern war die Neuinszenierung des
Musicals Der Glöckner von Notre Dame,
an zweiter Stelle steht Lessings Nathan
der Weise (13.997 Zuschauer), und das Haller Treppen-Schlußlicht bildet die
Wiederaufnahme des Shakespeare-Dramas Hamlet
(8.965 Zuschauer). Auf der großen Treppe vor der Kirche Sankt Michael wurden 44
Vorstellungen vor 47.812 Besuchern gespielt. Das Kindertheater Der Räuber Hotzenplotz brachte 8.573
und das Zusatzprogramm 4.919 Besucher.
Seit 1968 kamen insgesamt 1.095.569 Besucher zu den Freilichtspielen nach
Schwäbisch Hall. In Jagsthausen bei den Burgfestspielen zählte man heuer in der
49. Spielzeit nur 60.000 Besucher, 5.000 weniger als im Vorjahr. In Jagsthausen
sieht man die Gründe im deutlich angewachsenen Angebot an Kultur-Ereignissen im
näheren Umkreis. Außerdem würden die potentiellen Besucher erst an den Himmel
schauen, ehe sie ihre Kartenbestellung für ein Freilichttheater aufgeben.
Publikumsrenner bei den Burgfestspielen war das Musical Don Quijote – der Mann von La Mancha (19.500 Besucher), gefolgt vom
Traditionsstück des Götz von
Berlichingen (17.000 Besucher) und dem Märchen König Drosselbart (16.500). Das vierte Stück in diesem Jahr,
Goldonis Komödie Der Diener zweier Herren, lockte in vier Aufführungen rund
4.000 Zuschauer. Der Rest kam zu den Gastspielen in der Bergwaldhalle und im
Rittersaal der Burg. Im nächsten Jahr wird das 50jährige Jubiläum gefeiert. Die
Vorbereitungen dafür laufen schon auf vollen Touren.
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