Dienstag, 25. März 2014

Kiliansmännle, 14.10.1998



Heilbronner Theater-Reise
Das Heilbronner Stadttheater pflegt seit Jahren schon Kontakte zu Israel. Stücke aus dem Staat der Juden werden in Heilbronn gezeigt. Man fährt zu Gastspielen nach Israel und lädt israelische Theatergruppen ein, im Stadttheater Heilbronn aufzutreten. Vor wenigen Tagen, aus Anlaß des 50sten Jahrestages der Gründung des Staates Israel, waren die Heilbronner Theatermacher mit Lessings Nathan in Israel und in den palästinensischen Gebieten. Ein heikles Unterfangen. Denn der politische Konflikt zwischen Juden und Palästinensern ist in eine nahezu ausweglose Lage geraten. Klaus Wagner, der Intendant des Heilbronner Theaters, hatte die Lessing-Parabel inszeniert und spielt auch die Hauptrolle des Nathan. Der uralte, mehr als tausend Jahre andauernde Konflikt zwischen den drei Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum – das ist der Ausgangspunkt für Lessings Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. „Die Deutschen kommen!!! Sie bringen einen Juden als Titelfigur auf die Bühne? Einen Juden als fleischgewordene Menschlichkeit für Palästinenser?“, so wird im Theaterheft Nummer 43 des Stadttheaters Heilbronn  provozierend gefragt. Für den Alltag junger Palästinenser, die in Ghettos großgeworden sind, die täglich herbe Benachteiligungen im Staat Israel oder den Sonderzonen zu spüren bekommen, ist eine solche Figur bestimmt eine Provokation. Aber die werden das Stück nicht gesehen haben. Deutschsprechende Palästinenser und Israelis waren vornehmlich die Gäste beim Theaterabend der Deutschen aus Heilbronn. Im Vorfeld des Gastspiels waren in Palästina und Israel kritische Stimme laut geworden. Klaus Wagner sah sich deshalb veranlaßt, einen offenen Brief an die dortige Presse zu schreiben. Darin heißt es: „Zufällig ist Nathan Jude. Als Lessing, ein Deutscher, das Stück schrieb, lebten die Juden in Deutschland in Ghettos. Sie konnten nie mit Sicherheit davon ausgehen, ihr Haus, ihren Besitz, ihr Leben und ihre Familie auch nur verteidigen zu dürfen. Die Bewohner von Gaza, Ramallah und Nablus beklagen heute das gleiche Schicksal. Das Phänomen war weder auf die Zeit, noch auf die Völker beschränkt. In Amerika wurden schwarze Männer auf der Straße kastriert, weil sie mit einer weißen Frau ausgingen. In Deutschland wurden Juden, Zigeuner, und politisch Bedenkliche ausgebeutet, eingesperrt, gefoltert und vergast. In der Türkei wurden die Armenier ausgerottet und werden Kurden verfolgt. Im ehemaligen Jugoslawien wird vergewaltigt, gevierteilt und gemordet. In Afrika werden ganze Dörfer ausgelöscht. Genutzt hat all das nicht einmal als abschreckendes Beispiel.“ – Und in Heilbronn? Zur Goethe- und Lessingzeit war man stolz darauf, keine Juden in der Stadt zu haben.  Das war einmal – und heute in Heilbronn? Haben wir dazugelernt?

Sonntag in der Stadt
Vierter Verkaufsoffener Sonntag am 11. Oktober 1998 in Heilbronn. Tausende waren unterwegs – trotz miesen Wetters. Für das Heilbronner Amt für Marketing, Information und Tourismus (M.I.T)  wurde mit diesem Sonntag das Weihnachtsgeschäft 1998 eingeläutet. Die Stadt Heilbronn habe damit bewiesen, daß sie eine besondere Bedeutung als zentrale Einkaufs- und Erlebnisstadt der Region habe. Stadtmarketing, so Verkehrsdirektor Bernhard Winkler, existiere eben nicht nur auf dem Papier, sondern sei an diesem Aktionswochenende eindrucksvoll in die Praxis umgesetzt worden. Wen er damit wohl gemeint hat? Wer produziert denn in der Käthchenstadt Stadtmarketing lediglich auf dem Papier? Ich weiß es, Sie wissen es, – wissen es alle? Die vielen Aktionen der Heilbronner Geschäftsinhaber an diesem Sonntag – in Abstimmung mit der Aktionsgemeinschaft Heilbronner Kaufleute und ihrem Vorsitzenden Gottfried Friz – seien voll angenommen worden, meint der Verkehrsdirektor. Recht hat er. Mit Bummeln und Shopping hätten die vielen Besucher die eingeschlagene Strategie von Stadt und Kaufleuten voll bestätigt. Und auch der Termin für das nächste Jahr, den fünften Verkaufsoffenen Sonntag in Verbindung mit dem Jazz-Festival in Heilbronn steht schon fest: 9. und 10. Oktober 1999. Gottseidank ist dann die Fußgängerzone in der Kaiserstraße schon fertig. Und hoffentlich sind dann auch die Fußgängerzonen Sülmer- und Fleiner Straße attraktiv umgebaut? Einen Wermutstropfen jedoch gibt es. In vielen Städten und Gemeinden des Landkreises Heilbronn  werden verkaufsoffene Sonntage abgehalten. Und auch dort strömen Heilbronner hin, die dann nicht mehr im Käthchenstädtchen ihr Geld ausgeben. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und so stehen die Gemeinden, die Landkreise, die Regionen in Konkurrenz zueinander. Und jede Mark wird vom Verbraucher nur einmal ausgegeben.

Sozialismus mit Westgeld
Die Bundestagswahl vor wenigen Tagen wurde im Osten entschieden. Beobachter hatten das schon lange vorausgesagt. Die Bürger in den neuen Bundesländern sind weitaus weniger an Parteien gebunden als wir Westler. Und Sie haben den Kanzler der Einheit schlicht abgewählt – damit eine Wende in der deutschen Nachkriegspolitik herbeigeführt, wie es sie noch nie seit Kriegsende in dieser Form gegeben hat. Eine amtierende Regierung per Wahl verschwinden zu lassen, das ist neu und sensationell für unsere deutsche Polit-Landschaft. Jetzt fragen sich viele, was wollten die Bürger in der ehemaligen DDR uns mit ihrer Wahlentscheidung sagen. Vera Lengsfeld, einst Bürgerrechtlerin aus der ehemaligen DDR, dann Bündnis 90/Die Grünen-Politikerin, vom eigenen Mann für die Stasi bespitzelt, jetzt CDU-Bundestagsabgeordnete, antwortete auf die Frage, was die Bürger im Osten am 27. September gewählt hätten: „Sozialismus mit Westgeld. Aber das wird nicht funktionieren.“ Die Uhren im Osten ticken halt ein wenig anders. Das mußten wir nicht nur in den letzten Jahren immer wieder feststellen, das zeigen auch viele Wahlanalysen. Im Osten hofft man jetzt auf neue Arbeitsplätze, die von der Politik in Bonn versprochen wurden. Aber Politik schafft keine Arbeitsplätze. Das werden die Bürger im Osten lernen müssen. Man hat soziale Sicherheit gewählt. Aber Politik kann nur die Rahmenbedingungen für soziale Sicherheit schaffen. Das Geld dafür wird nicht in Beamtenstuben und Behörden verdient, sondern in der Wirtschaft – vom Staat abkassiert, wenn munter Steuereinnahmen sprudeln. Grundlage dafür: der Lohn – und der muß erst einmal erarbeitet werden. Ostbürger wählen mehr staatliche Regulierung des Marktes, heißt es. Aber auch das wird in einer sozialen Marktwirtschaft nicht klappen. Im Gegenteil. Fünfzig Jahre Bundesrepublik zeigen, daß Politik, wenn sie ins Marktgeschehen eingreift, nur Unheil stiftet. Der neue SPD-Kanzler Gerhard Schröder hat seine Lektionen gelernt – wie es scheint. Aber er und seine Koalition haben auch viele Versprechen gemacht, die jetzt eingefordert werden. In vier Jahren entscheidet der Wähler wieder – bei einer Bundestagswahl. Und zwischendurch noch bei einigen Landtagswahlen. Der Osten hat andererseits gezeigt, wie unkonventionell und flexibel man wählen kann. Auch im Westen sind Parteibindungen nicht mehr das, was sie waren – wie einst in der Bonner Republik. Unsere Politiker müssen mehr denn je auf dem Seil tanzen. Unser Vertrauen müssen sie sich erarbeiten. Ohne Sprücheklopfen. Oder geht es etwa auch mit Schaumschlägerei? Die Politik der nächsten Monate und Jahre wird es zeigen.

Müll wird teurer
Der bessere Mensch heute ist jener, der brav seinen Müll trennt. Joghurtbecher, Plastiktüten, etc. gehören in den gelben Sack. Papier  in den Papiercontainer, Flaschen und andere Glasbehältnisse in den Glascontainer. Und so weiter. Außerdem ist es für den anständigen Bürger in unseren Tagen nahezu Pflicht, Müll zu vermeiden, wo immer es geht. Wer all diese Vorgaben erfüllt, müßte eigentlich wie jeder brave und anständige Mensch für sein Verhalten belohnt werden. Aber dort, wo der Staat ins Geschehen eingreift, ticken die Uhren anders. Im Landkreis Heilbronn werden die Müllgebühren demnächst um rund fünf Prozent erhöht. Das hat am Montag der Kreistag bei seiner Tagung in Oedheim beschlossen. Für einen vierköpfigen Durchschnittshaushalt  heißt das, in Zukunft müssen statt 170 Mark pro Jahr 179 Mark bezahlt werden. Ein konkretes Beispiel: Für den 50-Liter-Eimer mit 14tägiger Leerung müssen künftig statt 43 Mark 48 Mark bezahlt werden; bei einmaliger Leerung kostet die Banderole für den 50-Liter-Eimer statt 2,20 demnächst 2,40 Mark. Oder die 14tägige Entleerung der 60-Liter-Biotonne wird dann statt 21 rund 24 Mark kosten. Begründet wird die Erhöhung der Müllgebühren von der Landkreisverwaltung mit einem Rückgang der Einnahmen aus dem Gewerbemüll. Und wieder einmal wird der brave Steuer- und Abgabenzahler für sein vorbildliches Verhalten bestraft. Irgendwas stimmt da nicht. So wie demnächst beim Benzinpreis. Sechs Pfennige soll er teurer werden. Und kluge Politiker rechnen uns vor, daß durch Senkung der Sozialabgaben letztlich sogar ein Plus bei der Durchschnittsfamilie herauskommt. Bei dieser Milchmädchenrechnung wird natürlich verschwiegen, daß Rentner und andere nicht entlastet werden. Außerdem wird sich die Erhöhung des Benzinpreises auf alle möglichen Verbrauchsgüter auswirken. Alles, was an Waren transportiert wird, erfährt dadurch eine Verteuerung. Und wenn dann noch die Ökosteuer eingeführt wird, dann  werden die Energiekosten insgesamt erhöht. Auch das zahlt letztlich niemand anderes als der kleine Mann. Politik macht es sich mal wieder sehr einfach. Statt beim Staat zu sparen, die Verschwendung in den Ämtern abzubauen, eine durchgreifende Steuerreform einzuleiten, dreht man an der Abgaben- und Steuerschraube. Eine neue Politik? Bisher ist wenig davon zu merken.

Wohin geht die CDU?
Wahlen verlieren in einer Demokratie – das ist ja keine Schande. Die CDU hatte es 1969 schon einmal erlebt und war dann im Bund bis 1982 weg vom Fenster. Die Sozialdemokraten mußten sogar 16 Jahre warten, ehe sie wieder die Chance erhielten, in Bonn den Regierungschef endlich zu stellen. Jetzt stellen sich viele in der Union die bange Frage, wie lange ihre Oppositionszeit andauern wird. Die Zahl 16 ist sonderbar. 16 Jahre saßen die Sozialdemokraten (von 1966 bis 1982) am Regierungstisch. Und 16 Jahre regierte die CDU/CSU in der Bundeshauptstadt Bonn. Wenn es nach dieser Rechnung so weitergeht werden die Sozialdemokraten im Bund erst wieder 2014 in die Opposition gehen. Ein Kanzler Gerhard Schröder wäre dann so um die 70 Jahre alt. Und die Oppositionsführer werden wechseln – wie seit 1982 bei der SPD geschehen. Jetzt aber ist Wolfgang Schäuble an der Reihe. Er muß die auseinanderdriftenden Kräfte in der Union zusammenführen. Die sogenannten jungen Wilden in der CDU, die vor wenigen Wochen noch brav als Ministranten für Helmut Kohl das Weihrauchfäßle schwenkten, scharren mit den Füßen, wollen an die Macht in der Partei, kanzeln die Altvorderen ab – und müssen letztlich doch einsehen, daß ihre Partei in der Opposition auf einem Abstellgleis steht. Die Republik ist rot. Im Bundesrat, im Bundestag, alle wichtigen Staatsämter werden von den Sozialdemokraten besetzt. Und selbst in Europa regieren in absoluter Mehrheit die Sozialisten. Die Union muß jetzt Basis-Arbeit leisten. Muß erkennen und aufnehmen, was die Bürger denken, fühlen und wollen. Über Kommunalparlamente und Landtagswahlen kann die Union – Stück für Stück – sich wieder emporarbeiten. Das heißt für die Zukunft: Dicke Bretter bohren. Gleichzeitig muß die Regierung kontrolliert werden – hart und fair, taktisch klug, aber vor allem mit dem legitimen Ziel, sie abzulösen. Das ist in der kommenden Legislaturperiode rein rechnerisch nicht möglich. Aber 2002 ist wieder Bundestagswahl. Und dann muß die Union zeigen, was sie in der Opposition gelernt hat. Und ob sie in der Ländern der Übermacht der Sozialdemokraten etwas entgegenzusetzen hatte. Rotgrün hat die Chance, die nächsten vier Jahre zu zeigen, was sie alles besser machen. Die bürgerlichen Parteien, Union und FDP, werden sich entweder, wie in anderen europäischen Ländern schon geschehen, zerfleischen und in die Bedeutungslosigkeit abrutschen – oder sie werden sich sammeln und auf die Fehler der Regierung und die Fehlentwicklungen im Staate hinweisen. Und sagen, wie sie es besser machen werden – eine Alternative aufzeigen. Warten wir es ab. Derzeit sammeln sich die Lager. Und nach der Wahl des rotgrünen Bundeskanzlers werden die Positionen klarer werden. So ist zu hoffen.

Gerd, Oskar und Rudolf
Die Bundesrepublik ist rot. Mit einigen grünen Anstrichen. Selten wird noch schwarz regiert. Alle wichtigen Ämter sind demnächst von Sozialdemokraten besetzt: Bundeskanzler, Bundespräsident, Bundetagspräsident, Bundesratspräsident, etc., etc. Der Wähler hat es so gewollt. Und die CDU hat mit dem System Kohl fast alle ihre Macht verspielt – außer in Bayern, was an Asterix erinnert – und das kleine aufmüpfige gallische Dorf im großen römischen Reich. Der neue Bundeskanzler ist noch nicht gewählt, da spielt sich vor den Augen der Öffentlichkeit ein Machtkampf ab, der in seiner Härte von den Gutgläubigen bisher nur den Unionsparteien unterstellt wurde. Aber Gutgläubige sind halt Harmoniesüchtige. Politik dagegen ist hartes Geschäft, wie Wirtschaft auch. In den SPD-regierten Ländern konnte der Interessierte in den letzten Jahren verfolgen, wie Macht ausgeübt wird. Bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg zum Beispiel ließ der Fraktions- und Landesvorsitzende Ulrich Maurer den SPD-Spitzenkandidaten Dieter Spöri die sozialdemokratische Wahlniederlage allein der Öffentlichkeit erklären. Spöri nahm alle Schuld auf sich, Maurer ließ sich nicht hören und sehen – und wollte offenbar als Phönix aus der Asche dieser Niederlage emporsteigen. Gelungen ist ihm das nicht. Sein Parteivorsitz war ihm nicht sicher – und auch als Fraktionsvorsitzender ist er in den eigenen Reihen heftig umstritten. Parteisoldat Rudolf Scharping, einst SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender, wurde von Oskar Lafontaine in Mannheim gestürzt. Als Bonner Fraktionsvorsitzender baute er sich eine Hausmacht auf. Aber jetzt demütigte ihn Parteivorsitzender Lafontaine samt Kanzler in spe Schröder vor aller Öffentlichkeit. Sie wollten ihn nicht als Gegenpol in der starken SPD-Fraktion. Scharping mußte kleinbeigeben, Lafontaine setzte seinen Kandidaten für den Fraktionsvorsitz Müntefering nicht durch – und Gerhard Schröder watschte alle in der Öffentlichkeit ab. Die Streithähne sind seiner „konsequent vorgetragenen Bitte“ gefolgt. In aller Freundschaft habe er sie gebeten, ins Kabinett einzusteigen. Und die SPD-Fraktion in Bonn wird sich jetzt einen neuen Vorsitzenden suchen müssen. In Abstimmung mit Parteivorstand und  Kanzlerkandidat. Es scheint so, als ob Gerhard Schröder der Einsicht seines SPD-Vorgängers im Kanzleramt Helmut Schmidt folgt: Es war sein Fehler, nicht auch Parteivorsitzender zu sein. Schröder nutzt nun seine Macht, setzt sie taktisch gegen die Grünen und die eigene Partei ein. Denn ohne ihn gäbe es keine rotgrüne Mehrheit in Bonn, die leicht auch in eine rotgelbe umgewandelt werden könnte. Diese Option hat der künftige Kanzler noch in der Hinterhand. Und die Liberalen fühlen sich geehrt. Jetzt wollen sie noch nicht – aber irgendwann, wenn die Grünen zu aufmüpfig werden sollten, dann könnte die FDP aus Gründen der Staatsraison es sich ja noch mal überlegen. Wenn die SPD sie fragen sollte.

Theaterschiff-Auszeichnung
Das Theaterschiff in Heilbronn ankert gleich neben dem Inselhotel. Seit Oktober 1995 wird vor dem Hagenbucher-Gebäude im Hefenweiler quasi auf dem Wasser Theater gespielt. Heinz Kipfer, schweizer Schauspieler, der am Heilbronner Stadttheater in den siebziger Jahren seine Karriere begann, hatte schon zu Beginn der neunziger Jahre die Idee, in Heilbronn ein Theaterschiff  vor Anker gehen zu lassen. Als der Plan öffentlich wurde, gab es Unterstützung vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung. Der Verein „Theater Schiff Heilbronn“ suchte Sponsoren. Und viele Heilbronner Unternehmen und Privatleute ließen sich nicht lange bitten. 99 Stühle für das Theaterschiff wurden verkauft. Mit Werbung bemalt – auf drei Jahre hin. Dann durften die Sponsoren sie mit nach Hause nehmen. Oder nochmals eine Spende nachlegen. Ein französischer Lastkahn, der zur Verschrottung vorgesehen war, konnte dank der guten finanziellen Grundlage erworben werden. Eineinhalb Jahre dauerte die Renovierung in Neckarsteinacher Werft. Im September 1995 wurde der Kahn nach Heilbronn überführt, ein Halbstunden-SDR-Fernsehfilm erzählte die Geschichte des Heilbronner Theaterschiffs. Premiere war am 11. Oktober 1995 mit dem Stück „Käthchen, Käthchen, Käthchen“, ein Parodie auf die Kleist’sche Literaturgestalt, die als Werbeobjekt in mannigfacher Form Heilbronn seit Jahrzehnten gute Dienste erweist. Theater, Kleinkunst, Musik, Kabarett – das sind die Bestandteile, die Heinz Kipfer als Regisseur und Schauspieler mit seinem Theaterschiff-Ensemble auf die schwankenden Bretter setzt. Die Finanzierung erfolgt nahezu ausschließlich durch den Verkauf von Eintrittskarten. Öffentliche Mittel und Zuschüsse erhält das Theaterschiff nicht. Trotzdem werden schwarze Zahlen geschrieben. Am Freitag dieser Woche, 16. Oktober, wird das Heilbronner Theaterschiff im Wilhelma-Theater in Stuttgart geehrt. Die Macher erhalten den Förderpreis der Stiftung der Württembergischen Hypothekenbank für Kunst und Wissenschaft. Die Laudatio auf den Förderpreisträger wird Professor Dr. Dr. Hannes Rettich, Kunstkoordinator der Landesregierung a. D., halten. Herzlichen Glückwunsch. Und toi, toi, toi.

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