Heilbronner
Theater-Reise
Das
Heilbronner Stadttheater pflegt seit Jahren schon Kontakte zu Israel. Stücke
aus dem Staat der Juden werden in Heilbronn gezeigt. Man fährt zu Gastspielen nach Israel und lädt
israelische Theatergruppen ein, im Stadttheater Heilbronn aufzutreten. Vor
wenigen Tagen, aus Anlaß des 50sten Jahrestages der Gründung des Staates
Israel, waren die Heilbronner Theatermacher mit Lessings Nathan in Israel und
in den palästinensischen Gebieten. Ein heikles Unterfangen. Denn der politische
Konflikt zwischen Juden und Palästinensern ist in eine nahezu ausweglose Lage
geraten. Klaus Wagner, der Intendant des Heilbronner Theaters, hatte die
Lessing-Parabel inszeniert und spielt auch die Hauptrolle des Nathan. Der
uralte, mehr als tausend Jahre andauernde Konflikt zwischen den drei
Weltreligionen Islam, Judentum und Christentum – das ist der Ausgangspunkt für
Lessings Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. „Die Deutschen kommen!!! Sie
bringen einen Juden als Titelfigur auf die Bühne? Einen Juden als
fleischgewordene Menschlichkeit für Palästinenser?“, so wird im Theaterheft
Nummer 43 des Stadttheaters Heilbronn
provozierend gefragt. Für den Alltag junger Palästinenser, die in
Ghettos großgeworden sind, die täglich herbe Benachteiligungen im Staat Israel
oder den Sonderzonen zu spüren bekommen, ist eine solche Figur bestimmt eine
Provokation. Aber die werden das Stück nicht gesehen haben. Deutschsprechende
Palästinenser und Israelis waren vornehmlich die Gäste beim Theaterabend der
Deutschen aus Heilbronn. Im Vorfeld des Gastspiels waren in Palästina und
Israel kritische Stimme laut geworden. Klaus
Wagner sah sich deshalb veranlaßt, einen offenen Brief an die dortige
Presse zu schreiben. Darin heißt es: „Zufällig ist Nathan Jude. Als Lessing,
ein Deutscher, das Stück schrieb, lebten die Juden in Deutschland in Ghettos.
Sie konnten nie mit Sicherheit davon ausgehen, ihr Haus, ihren Besitz, ihr
Leben und ihre Familie auch nur verteidigen zu dürfen. Die Bewohner von Gaza,
Ramallah und Nablus beklagen heute das gleiche Schicksal. Das Phänomen war
weder auf die Zeit, noch auf die Völker beschränkt. In Amerika wurden schwarze
Männer auf der Straße kastriert, weil sie mit einer weißen Frau ausgingen. In
Deutschland wurden Juden, Zigeuner, und politisch Bedenkliche ausgebeutet,
eingesperrt, gefoltert und vergast. In der Türkei wurden die Armenier
ausgerottet und werden Kurden verfolgt. Im ehemaligen Jugoslawien wird
vergewaltigt, gevierteilt und gemordet. In Afrika werden ganze Dörfer
ausgelöscht. Genutzt hat all das nicht einmal als abschreckendes Beispiel.“ –
Und in Heilbronn? Zur Goethe- und
Lessingzeit war man stolz darauf, keine Juden in der Stadt zu haben. Das war einmal – und heute in Heilbronn?
Haben wir dazugelernt?
Sonntag
in der Stadt
Vierter
Verkaufsoffener Sonntag am 11. Oktober 1998 in Heilbronn. Tausende waren
unterwegs – trotz miesen Wetters. Für das Heilbronner Amt für Marketing,
Information und Tourismus (M.I.T) wurde
mit diesem Sonntag das Weihnachtsgeschäft 1998 eingeläutet. Die Stadt Heilbronn
habe damit bewiesen, daß sie eine besondere Bedeutung als zentrale Einkaufs-
und Erlebnisstadt der Region habe. Stadtmarketing, so Verkehrsdirektor Bernhard Winkler, existiere eben nicht
nur auf dem Papier, sondern sei an diesem Aktionswochenende eindrucksvoll in
die Praxis umgesetzt worden. Wen er damit wohl gemeint hat? Wer produziert denn
in der Käthchenstadt Stadtmarketing lediglich auf dem Papier? Ich weiß es, Sie
wissen es, – wissen es alle? Die vielen Aktionen der Heilbronner
Geschäftsinhaber an diesem Sonntag – in Abstimmung mit der Aktionsgemeinschaft
Heilbronner Kaufleute und ihrem Vorsitzenden Gottfried Friz – seien voll angenommen worden, meint der
Verkehrsdirektor. Recht hat er. Mit Bummeln und Shopping hätten die vielen
Besucher die eingeschlagene Strategie von Stadt und Kaufleuten voll bestätigt.
Und auch der Termin für das nächste Jahr, den fünften Verkaufsoffenen Sonntag
in Verbindung mit dem Jazz-Festival in Heilbronn steht schon fest: 9. und 10.
Oktober 1999. Gottseidank ist dann die Fußgängerzone in der Kaiserstraße schon
fertig. Und hoffentlich sind dann auch die Fußgängerzonen Sülmer- und Fleiner
Straße attraktiv umgebaut? Einen Wermutstropfen jedoch gibt es. In vielen
Städten und Gemeinden des Landkreises Heilbronn
werden verkaufsoffene Sonntage abgehalten. Und auch dort strömen
Heilbronner hin, die dann nicht mehr im Käthchenstädtchen ihr Geld ausgeben.
Konkurrenz belebt das Geschäft. Und so stehen die Gemeinden, die Landkreise,
die Regionen in Konkurrenz zueinander. Und jede Mark wird vom Verbraucher nur
einmal ausgegeben.
Sozialismus
mit Westgeld
Die
Bundestagswahl vor wenigen Tagen wurde im Osten entschieden. Beobachter hatten
das schon lange vorausgesagt. Die Bürger in den neuen Bundesländern sind
weitaus weniger an Parteien gebunden als wir Westler. Und Sie haben den Kanzler
der Einheit schlicht abgewählt – damit eine Wende in der deutschen
Nachkriegspolitik herbeigeführt, wie es sie noch nie seit Kriegsende in dieser
Form gegeben hat. Eine amtierende Regierung per Wahl verschwinden zu lassen,
das ist neu und sensationell für unsere deutsche Polit-Landschaft. Jetzt fragen
sich viele, was wollten die Bürger in der ehemaligen DDR uns mit ihrer
Wahlentscheidung sagen. Vera Lengsfeld,
einst Bürgerrechtlerin aus der ehemaligen DDR, dann Bündnis 90/Die
Grünen-Politikerin, vom eigenen Mann für die Stasi bespitzelt, jetzt
CDU-Bundestagsabgeordnete, antwortete auf die Frage, was die Bürger im Osten am
27. September gewählt hätten: „Sozialismus
mit Westgeld. Aber das wird nicht funktionieren.“ Die Uhren im Osten ticken
halt ein wenig anders. Das mußten wir nicht nur in den letzten Jahren immer
wieder feststellen, das zeigen auch viele Wahlanalysen. Im Osten hofft man
jetzt auf neue Arbeitsplätze, die von der Politik in Bonn versprochen wurden.
Aber Politik schafft keine Arbeitsplätze. Das werden die Bürger im Osten lernen
müssen. Man hat soziale Sicherheit gewählt. Aber Politik kann nur die
Rahmenbedingungen für soziale Sicherheit schaffen. Das Geld dafür wird nicht in
Beamtenstuben und Behörden verdient, sondern in der Wirtschaft – vom Staat
abkassiert, wenn munter Steuereinnahmen sprudeln. Grundlage dafür: der Lohn –
und der muß erst einmal erarbeitet werden. Ostbürger wählen mehr staatliche Regulierung
des Marktes, heißt es. Aber auch das wird in einer sozialen Marktwirtschaft
nicht klappen. Im Gegenteil. Fünfzig Jahre Bundesrepublik zeigen, daß Politik,
wenn sie ins Marktgeschehen eingreift, nur Unheil stiftet. Der neue SPD-Kanzler
Gerhard Schröder hat seine Lektionen gelernt – wie es scheint. Aber er und
seine Koalition haben auch viele Versprechen gemacht, die jetzt eingefordert
werden. In vier Jahren entscheidet der Wähler wieder – bei einer
Bundestagswahl. Und zwischendurch noch bei einigen Landtagswahlen. Der Osten
hat andererseits gezeigt, wie unkonventionell und flexibel man wählen kann.
Auch im Westen sind Parteibindungen nicht mehr das, was sie waren – wie einst
in der Bonner Republik. Unsere Politiker müssen mehr denn je auf dem Seil
tanzen. Unser Vertrauen müssen sie sich erarbeiten. Ohne Sprücheklopfen. Oder geht es etwa auch mit Schaumschlägerei?
Die Politik der nächsten Monate und Jahre wird es zeigen.
Müll
wird teurer
Der
bessere Mensch heute ist jener, der brav seinen Müll trennt. Joghurtbecher,
Plastiktüten, etc. gehören in den gelben Sack. Papier in den Papiercontainer, Flaschen und andere
Glasbehältnisse in den Glascontainer. Und so weiter. Außerdem ist es für den
anständigen Bürger in unseren Tagen nahezu Pflicht,
Müll zu vermeiden, wo immer es geht. Wer all diese Vorgaben erfüllt, müßte
eigentlich wie jeder brave und anständige Mensch für sein Verhalten belohnt
werden. Aber dort, wo der Staat ins Geschehen eingreift, ticken die Uhren
anders. Im Landkreis Heilbronn werden die Müllgebühren demnächst um rund fünf
Prozent erhöht. Das hat am Montag der Kreistag bei seiner Tagung in Oedheim
beschlossen. Für einen vierköpfigen Durchschnittshaushalt heißt das, in Zukunft müssen statt 170 Mark
pro Jahr 179 Mark bezahlt werden. Ein konkretes Beispiel: Für den
50-Liter-Eimer mit 14tägiger Leerung müssen künftig statt 43 Mark 48 Mark
bezahlt werden; bei einmaliger Leerung kostet die Banderole für den
50-Liter-Eimer statt 2,20 demnächst 2,40 Mark. Oder die 14tägige Entleerung der
60-Liter-Biotonne wird dann statt 21 rund 24 Mark kosten. Begründet wird die
Erhöhung der Müllgebühren von der Landkreisverwaltung mit einem Rückgang der
Einnahmen aus dem Gewerbemüll. Und wieder einmal wird der brave Steuer- und
Abgabenzahler für sein vorbildliches Verhalten bestraft. Irgendwas stimmt da
nicht. So wie demnächst beim Benzinpreis. Sechs Pfennige soll er teurer werden.
Und kluge Politiker rechnen uns vor, daß durch Senkung der Sozialabgaben
letztlich sogar ein Plus bei der Durchschnittsfamilie herauskommt. Bei dieser
Milchmädchenrechnung wird natürlich verschwiegen, daß Rentner und andere nicht
entlastet werden. Außerdem wird sich die Erhöhung des Benzinpreises auf alle
möglichen Verbrauchsgüter auswirken. Alles, was an Waren transportiert wird, erfährt
dadurch eine Verteuerung. Und wenn dann noch die Ökosteuer eingeführt wird,
dann werden die Energiekosten insgesamt
erhöht. Auch das zahlt letztlich niemand
anderes als der kleine Mann. Politik macht es sich mal wieder sehr einfach.
Statt beim Staat zu sparen, die Verschwendung in den Ämtern abzubauen, eine
durchgreifende Steuerreform einzuleiten, dreht man an der Abgaben- und
Steuerschraube. Eine neue Politik? Bisher ist wenig davon zu merken.
Wohin
geht die CDU?
Wahlen
verlieren in einer Demokratie – das ist ja keine Schande. Die CDU hatte es 1969
schon einmal erlebt und war dann im Bund bis 1982 weg vom Fenster. Die
Sozialdemokraten mußten sogar 16 Jahre warten, ehe sie wieder die Chance
erhielten, in Bonn den Regierungschef endlich zu stellen. Jetzt stellen sich
viele in der Union die bange Frage, wie lange ihre Oppositionszeit andauern
wird. Die Zahl 16 ist sonderbar. 16 Jahre saßen die Sozialdemokraten (von 1966
bis 1982) am Regierungstisch. Und 16 Jahre regierte die CDU/CSU in der
Bundeshauptstadt Bonn. Wenn es nach dieser Rechnung so weitergeht werden die
Sozialdemokraten im Bund erst wieder 2014 in die Opposition gehen. Ein Kanzler Gerhard Schröder wäre dann so um die 70
Jahre alt. Und die Oppositionsführer werden wechseln – wie seit 1982 bei der
SPD geschehen. Jetzt aber ist Wolfgang
Schäuble an der Reihe. Er muß die auseinanderdriftenden Kräfte in der Union
zusammenführen. Die sogenannten jungen Wilden in der CDU, die vor wenigen
Wochen noch brav als Ministranten für Helmut
Kohl das Weihrauchfäßle schwenkten, scharren mit den Füßen, wollen an die
Macht in der Partei, kanzeln die Altvorderen ab – und müssen letztlich doch
einsehen, daß ihre Partei in der Opposition auf einem Abstellgleis steht. Die
Republik ist rot. Im Bundesrat, im Bundestag, alle wichtigen Staatsämter werden
von den Sozialdemokraten besetzt. Und selbst in Europa regieren in absoluter
Mehrheit die Sozialisten. Die Union muß jetzt Basis-Arbeit leisten. Muß
erkennen und aufnehmen, was die Bürger denken, fühlen und wollen. Über Kommunalparlamente
und Landtagswahlen kann die Union – Stück für Stück – sich wieder
emporarbeiten. Das heißt für die Zukunft: Dicke Bretter bohren. Gleichzeitig
muß die Regierung kontrolliert werden – hart und fair, taktisch klug, aber vor
allem mit dem legitimen Ziel, sie abzulösen. Das ist in der kommenden
Legislaturperiode rein rechnerisch nicht möglich. Aber 2002 ist wieder
Bundestagswahl. Und dann muß die Union zeigen, was sie in der Opposition
gelernt hat. Und ob sie in der Ländern der Übermacht der Sozialdemokraten etwas
entgegenzusetzen hatte. Rotgrün hat die Chance, die nächsten vier Jahre zu
zeigen, was sie alles besser machen. Die bürgerlichen Parteien, Union und FDP,
werden sich entweder, wie in anderen europäischen Ländern schon geschehen, zerfleischen
und in die Bedeutungslosigkeit abrutschen – oder sie werden sich sammeln und
auf die Fehler der Regierung und die Fehlentwicklungen im Staate hinweisen. Und
sagen, wie sie es besser machen werden – eine Alternative aufzeigen. Warten wir
es ab. Derzeit sammeln sich die Lager. Und nach der Wahl des rotgrünen
Bundeskanzlers werden die Positionen klarer werden. So ist zu hoffen.
Gerd,
Oskar und Rudolf
Die
Bundesrepublik ist rot. Mit einigen grünen Anstrichen. Selten wird noch schwarz
regiert. Alle wichtigen Ämter sind demnächst von Sozialdemokraten besetzt: Bundeskanzler, Bundespräsident,
Bundetagspräsident, Bundesratspräsident, etc., etc. Der Wähler hat es so
gewollt. Und die CDU hat mit dem System Kohl fast alle ihre Macht verspielt –
außer in Bayern, was an Asterix erinnert – und das kleine aufmüpfige gallische
Dorf im großen römischen Reich. Der neue Bundeskanzler ist noch nicht gewählt,
da spielt sich vor den Augen der Öffentlichkeit ein Machtkampf ab, der in
seiner Härte von den Gutgläubigen bisher nur den Unionsparteien unterstellt
wurde. Aber Gutgläubige sind halt Harmoniesüchtige. Politik dagegen ist hartes
Geschäft, wie Wirtschaft auch. In den SPD-regierten Ländern konnte der
Interessierte in den letzten Jahren verfolgen, wie Macht ausgeübt wird. Bei der
letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg zum Beispiel ließ der Fraktions- und
Landesvorsitzende Ulrich Maurer den
SPD-Spitzenkandidaten Dieter Spöri
die sozialdemokratische Wahlniederlage allein der Öffentlichkeit erklären.
Spöri nahm alle Schuld auf sich, Maurer ließ sich nicht hören und sehen – und
wollte offenbar als Phönix aus der Asche dieser Niederlage emporsteigen.
Gelungen ist ihm das nicht. Sein Parteivorsitz war ihm nicht sicher – und auch
als Fraktionsvorsitzender ist er in den eigenen Reihen heftig umstritten.
Parteisoldat Rudolf Scharping, einst
SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender, wurde von Oskar Lafontaine in Mannheim gestürzt. Als Bonner
Fraktionsvorsitzender baute er sich eine Hausmacht auf. Aber jetzt demütigte
ihn Parteivorsitzender Lafontaine samt Kanzler in spe Schröder vor aller
Öffentlichkeit. Sie wollten ihn nicht als Gegenpol in der starken SPD-Fraktion.
Scharping mußte kleinbeigeben, Lafontaine setzte seinen Kandidaten für den
Fraktionsvorsitz Müntefering nicht durch – und Gerhard Schröder watschte alle in der Öffentlichkeit ab. Die
Streithähne sind seiner „konsequent vorgetragenen Bitte“ gefolgt. In aller
Freundschaft habe er sie gebeten, ins Kabinett einzusteigen. Und die
SPD-Fraktion in Bonn wird sich jetzt einen neuen Vorsitzenden suchen müssen. In
Abstimmung mit Parteivorstand und
Kanzlerkandidat. Es scheint so, als ob Gerhard Schröder der Einsicht
seines SPD-Vorgängers im Kanzleramt Helmut Schmidt folgt: Es war sein Fehler,
nicht auch Parteivorsitzender zu sein. Schröder nutzt nun seine Macht, setzt
sie taktisch gegen die Grünen und die eigene Partei ein. Denn ohne ihn gäbe es
keine rotgrüne Mehrheit in Bonn, die leicht auch in eine rotgelbe umgewandelt
werden könnte. Diese Option hat der künftige Kanzler noch in der Hinterhand.
Und die Liberalen fühlen sich geehrt. Jetzt wollen sie noch nicht – aber
irgendwann, wenn die Grünen zu aufmüpfig werden sollten, dann könnte die FDP
aus Gründen der Staatsraison es sich ja noch mal überlegen. Wenn die SPD sie
fragen sollte.
Theaterschiff-Auszeichnung
Das
Theaterschiff in Heilbronn ankert gleich neben dem Inselhotel. Seit Oktober
1995 wird vor dem Hagenbucher-Gebäude im Hefenweiler quasi auf dem Wasser
Theater gespielt. Heinz Kipfer,
schweizer Schauspieler, der am Heilbronner Stadttheater in den siebziger Jahren
seine Karriere begann, hatte schon zu Beginn der neunziger Jahre die Idee, in
Heilbronn ein Theaterschiff vor Anker
gehen zu lassen. Als der Plan öffentlich wurde, gab es Unterstützung vom
Gemeinderat und der Stadtverwaltung. Der Verein „Theater Schiff Heilbronn“
suchte Sponsoren. Und viele Heilbronner Unternehmen und Privatleute ließen sich
nicht lange bitten. 99 Stühle für das Theaterschiff wurden verkauft. Mit
Werbung bemalt – auf drei Jahre hin. Dann durften die Sponsoren sie mit nach
Hause nehmen. Oder nochmals eine Spende nachlegen. Ein französischer Lastkahn,
der zur Verschrottung vorgesehen war, konnte dank der guten finanziellen
Grundlage erworben werden. Eineinhalb Jahre dauerte die Renovierung in Neckarsteinacher
Werft. Im September 1995 wurde der Kahn nach Heilbronn überführt, ein Halbstunden-SDR-Fernsehfilm erzählte
die Geschichte des Heilbronner Theaterschiffs. Premiere war am 11. Oktober 1995
mit dem Stück „Käthchen, Käthchen, Käthchen“, ein Parodie auf die Kleist’sche
Literaturgestalt, die als Werbeobjekt in mannigfacher Form Heilbronn seit
Jahrzehnten gute Dienste erweist. Theater, Kleinkunst, Musik, Kabarett – das
sind die Bestandteile, die Heinz Kipfer als Regisseur und Schauspieler mit seinem
Theaterschiff-Ensemble auf die schwankenden Bretter setzt. Die Finanzierung
erfolgt nahezu ausschließlich durch den Verkauf von Eintrittskarten.
Öffentliche Mittel und Zuschüsse erhält das Theaterschiff nicht. Trotzdem
werden schwarze Zahlen geschrieben. Am Freitag dieser Woche, 16. Oktober, wird
das Heilbronner Theaterschiff im Wilhelma-Theater in Stuttgart geehrt. Die
Macher erhalten den Förderpreis der Stiftung der Württembergischen
Hypothekenbank für Kunst und Wissenschaft. Die Laudatio auf den Förderpreisträger
wird Professor Dr. Dr. Hannes Rettich,
Kunstkoordinator der Landesregierung a. D., halten. Herzlichen Glückwunsch. Und
toi, toi, toi.
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