Es
quasselt sich ...
In
den Näh- und Spinnstuben wurde früher viel erzählt. Märchen, wahre und
verlogene Geschichten, Histörchen, und so weiter ... Heute gibt es keine Näh-
und Spinnstuben mehr. Dafür wird in der Glotze gequasselt, was das Zeug hält.
Hatte man in den siebziger Jahren zunächst die Talk-Show aus den Vereinigten
Staaten importiert und in deutschen Landen hoffähig gemacht, so wurde mit
Beginn des Privatfernsehens in die Nach- und Vormittagstalkshows auch das gemeine
Volk eingeladen. Wenn in den Abendstunden, vornehmlich jetzt in den dritten
Fernsehprogrammen, mit Schauspielern und Politikern das Leben unter einem
bestimmten Stichwort durchgehechelt wird, so haben Otto Normalverbraucher und
Lieschen Müller den Tag über Gelegenheit, sich bei Meiser und Co. darüber
auszulassen, ob und warum der Ehemann
eine Geschlechtsumwandlung vornehmen läßt, die Kinder wegen
Neonazi-Umtrieben im Gefängnis sitzen, warum der Orgasmus bei der Frau am
Vormittag intensiver ist als in den Abendstunden, wenn der Ehemann den
Feierabend genießt. Hochnäsig wird von indignierten Journalistinnen und
Kollegen in Druckerzeugnissen die Nase ob solcher unflätigen und banalen Themen
gerümpft. Wenn aber Schauspieler X und seine Kollegin Y in Büchersendungen ihre
neuesten Bekenntnisse vorstellen, die sie dank eines professionellen
Schreiberlings zu Papier gebracht haben, dann ist die Welt wieder in Ordnung.
Schauspieler haben als Hofnarren ja seit jeher, schon bei den absoluten Fürsten
des 17. und 18. Jahrhunderts, einen besonderen Stellenwert, den sie im 19.
Jahrhundert bei Bürgers noch ausbauen konnten. Siehe Boy-Groups heutzutage.
Ehre,
wem Ehre ...
Im
Meistersaal des Haus des Handwerks zu Heilbronn ging es im Februar, genau am
13. feierlich zu. Am Ende stand die Gratulantenschar auf und sang die deutsche
Nationalhymne – gespielt vom Kurorchester Bad Mergentheim. Und das alles zu
Ehren des Geburtstagskindes Klaus
Hackert, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn, Präsident des
baden-württembergischen Handwerks und Vizepräsident des bundesdeutschen
Handwerks. Ministerpräsident Erwin
Teufel überreichte dem Geburtstagskind die Staufer-Medaille des Landes
Baden-Württemberg. Handwerkspräsident Dieter
Philipp lobte Hackert als das „Sprachrohr zur Verbreitung eines
zeitgenössischen Images des Handwerks gegenüber Presse und Öffentlichkeit“. Der
Oberbürgermeister Heilbronns Dr. Manfred
Weinmann gratulierte dem Stadtrat, der in mehr als zweieinhalb Jahrzehnten
die Geschicke unserer Stadt mitbestimmt hat und charakterisierte Klaus Hackert
als echten Heilbronner, „mit dem sich über alles reden läßt, den auch in
schwierigen Situationen der Sinn für Humor nicht verläßt, der abwägt und
kompromißbereit ist, der sich aber nach getroffener Entscheidung nicht vom Weg
abbringen läßt, der sich für das Allgemeinwohl aus innerem Bedürfnis heraus
engagiert und bei allem Erfolg ein sympathischer Mensch geblieben ist“. Und
dann erhielt Hackert, der schon das Bundesverdienstkreuz und die Goldene Münze
der Stadt Heilbronn verliehen bekommen hatte, aus den Händen des OB als
Geschenk „eine ganz besondere Uhr“, die ihm immer anzeigen möge, „welche Stunde
es in Heilbronn geschlagen hat“. Wenig später am Nachmittag, wurde eine solche
Uhr auch an den scheidenden IHK-Präsidenten Otto Christ vom OB übergeben. Der Präsident Klaus Hackert dankte
artig für all die vielen Lorbeeren und meinte, „60 Jahre sind beileibe kein
persönlicher Verdienst, aber ein Lebensabschnitt, bei dem es sich lohnt
innezuhalten und Bilanz zu ziehen; sie sind aber auch willkommener Anlaß, um
fröhlich zu feiern“. Und zitierte, wie bei seiner Geburtstagsfeier nicht einmal
geschehen, den Schwaben und Sozialisten Bertolt Brecht, der gesagt haben soll:
„Wenn man was erreichen will, dann muß man hämmern, hämmern, hämmern – bis der
Nagel sitzt.“ War das nun schon ein Hinweis des CDU-Mannes Hackert, wen er sich
ab 27. September als Bundeskanzler wünscht? Geburtstage vergehen, auch Wahlen –
und auch die vielen Worte verwehen. Aber manchmal erinnert man sich – an dies oder
das, was einfach so dahingesprochen wurde, und doch eine Richtung vorgab. Diese
Woche ist der Chef der AOK-Heilbronn,
Otto Egerter, an der Reihe. Siehe Menschen unter uns – gleich rechts.
Schwarz-Grün
Die
Grünen haben in Schleswig-Holstein vor wenigen Wochen ein Wahldesaster erlebt.
Knapp über der Fünf-Prozent-Marke landeten sie in vielen Gemeinden. Was vorher
von vielen Berichterstattern und Kommentatoren nicht ernst genommen wurde, das
für den Bürger haarige Programm der Öko-Partei, stand auf einmal im Mittelpunkt
der politischen Diskussionen. Widerstand gegen einen Autobahnbau im Norden, das
ging ja noch an. Aber als die Diskussion um die „Fünf Mark pro Liter Benzin“
ganz so nebenbei ausgehend vom letzten grünen Parteitag bei den Bürgern ankam, war
es vorbei mit dem Aufwärtstrend. Und als eine der grünen Damen aus dem
Bundestag, die sich vornehmlich mit Tourismus beschäftigt und auch
dementsprechend in der Welt herumjettet, den Normalbürgern empfahl, bei der
Erhöhung der Flugpreise (dank Flugbenzinverteuerung) doch nur alle fünf Jahre
in den Süden zu fliegen – da war das Faß übergelaufen. Detlev Hintze, der CDU-Generalsekretär, startete gleich eine
Kampagne gegen die Benzin-Verteuerung. Und der SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder höhnte über die grünen
Pläne – mit ihm sei sowas nicht zu machen. Aber dann kam ganz plötzlich Wolfgang Schäuble, der
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende in Bonn und Kanzlerkandidat in Wartestellung, und
präsentierte ebenfalls einen Programmentwurf mit Benzinpreiserhöhung. Klar, daß
es jetzt im schwarzen Karton ordentlich rumpelt. Die CSU in Bayern hat im
September 1998 Landtagswahlen zu bestehen. Die Bayern wollen sich da von
Schäuble, wenig beliebt bei der CSU,
nicht in die Suppe spucken lassen. Sie wollen die absolute Mehrheit im
Lande. Und die soll ihnen von einer grünlich-sozialdemokratischen CDU durch
krude Ideologien nicht abspenstig gemacht werden. In Baden-Württemberg, bei
einer starken Affinität vieler Schwarzen zu den Grünen, sieht das schon anders
aus. Aber auch bei uns muß die CDU ordentlich kämpfen, um aus dem Tal der
schlechten Umfrageergebnisse herauszukommen. Bisher hat Schröder immer noch die
Nase vorn und kann sich zu recht lustig über das schwarzgrüne Chaos bei den
Energiepreisen machen. Noch rund fünf Monate dann ist Zahltag – sprich Wahltag.
196
Tage Resturlaub
Heilbronn
hat seine Licht- und Schattenseiten. Und das nicht erst seit gestern. Man
braucht sich nur die Fotos vom unzerstörten Heilbronn anschauen. Es gab hier
nie Bauwerke, die über die Regionsgrenzen hinaus von Bedeutung waren – weder
kunstgeschichtlich noch architektonisch. Und das Käthchen von Heilbronn? Ein
Zufallsprodukt, mit dem die Stadt soviel zu tun hat wie ein Eskimo mit der
Wüste Sahara. Heinrich von Kleist
hat dabei kaum an Heilbronn und seine Bedeutung gedacht. Aber das kümmert einen
echten Heilbronner wenig. Er leidet derzeit unter der schlechten Stimmung in
der Stadt. Am Ostersamstag wurde es den Heilbronnern nochmals vor Augen
geführt. Gerd Kempf, der Lokalchef der Heilbronner Stimme, führte dem OB Dr.
Manfred Weinmann und den Heilbronnern unter der Überschrift „Vom unaufhaltsamen
Abstieg eines Oberbürgermeisters“ vor, was zur schlechten Stimmung in Heilbronn
beigetragen hat. Verständlich, daß jetzt in der CDU, der Partei des Oberbürgermeisters,
die Alarmglocken klingelten. Vielfach wird davon gesprochen, daß jetzt eine
Situation da sei wie in den letzten Amtsjahren von Dr. Hans Hoffmann. Auch die Sozialdemokraten hatten sich damals
teilweise heftig von ihrem Parteigenossen Hans Hoffmann distanziert. Die Junge
Union hat es in Richtung Weinmann schon getan. Aus der CDU sind gelegentlich
sehr deutliche Ratschläge in Richtung Rathausspitze zu vernehmen. Nicht nur in
SPD-Kreisen wird deutlich gesagt, daß Heilbronn mit Dr. Erhard Klotz aus Neckarsulm als OB besser gefahren wäre. Aber
das ist vergossene Milch von 1983. Hanebüchend war jedoch Weinmann Ratschlag,
daß der Urlaub im öffentlichen Dienst verringert werden müßte. Um im gleichen
Atemzug zu behaupten, daß er noch 196 Tage Resturlaub angesammelt habe. Der ist
ja nun schon lange verfallen, wie üblich. Denn sonst könnte er ja ab November
oder Dezember dieses Jahres zu Hause bleiben. Bis zur Neuwahl seines
Nachfolgers im Herbst 1999. Geschehen wird ohnehin nicht mehr viel. Denn jetzt
jagt eine Wahl die andere. Und Politiker entscheiden in diesem Zeitraum nicht
viel – haben den Mund nur voller Worte, die zu vielen Gruppen allzuviel
versprechen. Die Spekulation, ob der Heilbronner OB vor Ende seiner Amtszeit
ausscheidet, macht die Runde. Aber wer Weinmann kennt, der weiß, daß der OB
trotz angeschlagener Gesundheit weitermacht. Die Wahlkämpfe könnten ihm Luft
verschaffen – und 1999 einen eleganten Abschied aus dem Rathaus.
HEC
– wohin?
Die
in allerletzter Sekunde geschaffte Qualifikation für die Eishockey-Bundesliga
kann nur notdürftig kaschieren, daß für den Heilbronner EC eine ziemlich
verkorkste Saison zu Ende gegangen ist. Als Falken nach den Sternen greifend
gestartet, als Suppenhühner im Sturzflug gerade noch einmal dem Kochtopf entronnen
– es war schon bedenklich, was die Heilbronner Truppe gerade in der zweiten
Saisonhälfte ablieferte: satte, überbezahlte Stars beim Schaulaufen – ein
Wunder, daß die HEC-Fans überhaupt noch zuschauen mochten. Am Ende gab’s dann
zwar noch einmal Jubel auf den vollbesetzten Rängen und ein paar Kisten
Freibier vom Manager. Ein bißchen wenig für den Langmut der Fans, die für
teures Geld allzuoft enttäuscht wurden. Doch auch der vermeintlich versöhnliche
Ausklang kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß am Saisonende auch die
Verantwortlichen, vor allem Manager Ernst
Rupp, kräftig gerupft dastehen. Das Konzept, mit hochdotierten DEL-Stars
für Furore zu sorgen, ging gründlich in die Hose, einmal mehr erwies sich die
Personalpolitik, Trainer inbegriffen, als konzeptlos und geriet zum teuren
Flop. Erneut – zum wievielten Male eigentlich? – steht man vor einem Neuaufbau.
Dieser kann nur heißen, um die Handvoll Spieler mit Charakter eine Mannschaft
mit Herz aufzubauen, mit ehrgeizigen Cracks und einem ebensolchen Coach, deren
Engagement sich nicht nur auf das Aushandeln hochdotierter Verträge beschränkt.
Dazu bedarf es freilich der richtigen Management-Strategie. Doch wie soll die
aussehen ohne Fachkompetenz in der HEC-Führung, zumal der Club die Trainer ja
wechselt wie andere Vereine das Trikot, ein kontinuierlicher Aufbau damit
unmöglich ist. Eines steht jedenfalls fest, noch eine solche Saison kann der
Heilbronner EC kaum mehr verkraften, zumal man ja schon mit einer Altlast von
einer Viertelmillion Mark in die jetzt zu Ende gegangene Runde startete. Und
weitere „Miese“ sind hinzugekommen, da man ja die fest eingeplanten lukrativen
Play-Off-Spiele nicht erreichte. Und nicht nur die Geduld der treuesten Fans,
auch die der kräftig löhnenden Sponsoren wird irgendwann mal aufgebraucht sein,
denn Falken, die nicht mehr fliegen wollen, gibt man nicht einmal mehr das
Gnadenbrot.
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