Heiße Tage
Endlich ist es richtig Sommer. Die
Temperaturen sind sogar so angenehm, daß jene Mitbürger, die vor Tagen in den
Mittelmeer-Raum flohen, um Sonne zu tanken, in den südlichen Gefilden weniger
angenehme Wetterbedingungen vorfinden als sie derzeit bei uns sind. Gestört
wird das sommerliche Vergnügen nur durch die hohen Ozonwerte, die vor allem in
der Stadt Heilbronn um die Mittagszeit bei vielen Menschen zu Reizungen im
Rachenbereich führen. Unangenehmer Reizhusten ist die Folge. Weniger
Autofahren, meinen die Experten, würde die starke Ozonkonzentration an diesen
heißen Tagen mildern. Aber wir haben ja schon beim Heilbronner Ozonmodellversuch feststellen dürfen, initiiert von der
einst Großen Koalition in Stuttgart, daß die Experten nicht genau wissen wo das
Ozon gebildet wird und wie es dann durch die Luftschichten und die Landschaft
wandert. Möglichst wenig körperliche Anstrengungen an diesen heißen Tagen, vor
allem bei Menschen, die körperlich ein wenig angeschlagen sind. Ansonsten
sollten wir das sommerliche Wetter genießen, solange es noch anhält. Denn in
unseren germanischen Gefilden werden wir ja bekanntlich mehr mit Regen und
Wolken überzogen, auch sommers, und von der Sonne selten über längere Zeit hin
verwöhnt. Freibäder und Seen bei uns in der Region sind ja in Hülle und Fülle
vorhanden. Da heißt es dann: Pack die Badehose ein ... Und wer ein schönes
Cabrio fährt, der genießt die Sonne pur sogar beim Hinfahren. Ansonsten sind ja
am Abend ja noch die schönen Biergärten in und um Heilbronn zur Abkühlung
vorhanden – innerlich und äußerlich. Ansonsten langt der Balkon und das eigene
Gärtlein, in dem es sich gut grillen läßt, sofern die Nachbarn sich durch die
Düfte nicht gestört fühlen.
Guildo in Party
Das war ein Wochenende! Sommerlich,
partyschwanger und schlagerträchtig. Und dann noch Birmingham, wo unser Zottel-Sänger Guildo den siebten Platz
beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson gewann. Ein Riesenerfolg – nach der
Revolution in deutschen Landen, als ein Autor und Liedermacher Alf Igel, hinter
dem sich das Multi-Musiktalent Stefan Raab verbirgt, und sein Sänger Guildo
Horn per Telefon-Plebiszit die Schlager-Branche aufmischten. Ralph Siegel, über
Jahre und Jahrzehnte der Kaiser des deutschen Schlagers, schäumte, sah die
deutsche Schlager-Kultur vor die Binsen gehen. Und die deutschen Fans – jung
und alt – boten Guildo eine Rückendeckung, die bisher noch nie zu beobachten
war, wenn es um den deutschen Schlager ging. Am Samstagabend dann in deutschen
Landen Party-Time. Selbst in Heilbronn fieberten in den Discos, den Gaststätten
und auf vielen Privatparties bei Nußecken und Himbeereis einige tausend dem
spannungsreichen Abend entgegen. Und da alles in humorvoller und so gar nicht
verbissen deutscher Atmosphäre. Aber es gab offenbar zu wenig Deutsche, die in
Polen, Frankreich, den Beneluxstaaten oder Tschechien mit ihren Handys vor Ort
waren, um für Guildo abzustimmen. Dafür scheffelte Deutschland dem türkischen
Beitrag ordentlich Punkte zu. Ich finde, das Schlagerfestival hat endlich das
Niveau erreicht, das es verdient. Eine große, lustige, europaweite Party, bei
der auf amüsante Weise über etwas abgestimmt wird, was so an
schnellvergänglichen und bunt blühenden Musikblümchen grad auf europäischen
Wiesen wächst. Und als die britische Moderatorin in Birmingham ein wenig zu
vorlaut-witzig wurde, indem sie neckisch die niederländische Sprecherin an
deren Schlagerzeit und Alter erinnerte, da buhte das Publikum – zu recht. Eine
große Sensibilität für die elementaren Anforderungen der Höflichkeit beim
Publikum. Das hat Niveau. Auch wenn
von unseren alten Herren des deutschen Schlagers schon der Untergang des
Schlager-Abendlandes prophezeit worden ist. Der deutsche Schlager – so scheint
es jetzt – ist aus der muffigen Ecke des Lieschen-Müller-Spießertums
herausgetreten. Damit hat er ein breiteres Spektrum – und Guildo hat Euch alle
lieb. Auch wenn in Birmingham von einem Israeli, der zur Frau wurde,
gezwitschert wurde: Piep-piep-piep, Dana hat Euch lieb. Da kommt was auf uns
zu.
Deutscher Schilderwald
Die Deutschen – so sagt man
leichthin – lieben die Ordnung. Das ist bestimmt manchmal sinnvoll. Aber
manchmal grenzt diese Ordnungswütigkeit auch an das berühmte Schilda. Wenn etwas nicht geregelt ist, dann wird mit
aller Wut von deutschen Beamten-Schreibtischen eine Verordnung erlassen oder
von Parlamenten ein Gesetz verabschiedet. Und da überall Beamte das Sagen
haben, ob in den Parlamenten oder in den Amtsstuben, ist bei uns alles
schön-häßlich geordnet. In guter Erinnerung an den deutschen Obrigkeitsstaat.
Es stöhnen Unternehmer, Arbeitnehmer, Freiberufler, sogar manche Beamte unter
der manchmal hysterisch anmutenden deutschen Regelungswut. Ob beim Bauen, im
Straßenverkehr, in der Medizin oder anderen Bereichen des täglichen Lebens. In
deutschen Städten, so haben aufmerksame Beobachter jetzt festgestellt, sind
manchmal auf einer Länge von einem halben Kilometer rund 20 Schilder zu sehen.
Damit die Autofahrer auch wissen, woran sie sich zu halten haben. Die städtischen
Beamten sichern sich ab, falls etwas passiert. Dann ist juristisch nachweisbar,
woran sich der Schuldige hätte halten können. Von tausend Schildern im
Straßenverkehr, so wurde jetzt in einer deutschen Stadt von einem mutigen
Beamten nachgewiesen, können rund 600 verschwinden, ohne daß der Verkehr
gefährdet würde. Übrigbleibt, was unbedingt notwendig ist. Wenn das in allen
deutschen Städten, Gemeinden und Landkreisen greifen würde, könnte man viel von
jenen Milliarde Mark einsparen, die den deutschen Steuerzahler der Schilderwald
alljährlich kostet. Wir könnten ja mal im Stadt- und Landkreis Heilbronn damit
beginnen, den Schilderwald abzuholzen.
Mal sehen, was dabei herauskommt. Vielleicht
spart das sogar Arbeitsplätze in der Verwaltung ein. Den Staat schlank
und effizient machen, lautet das Motto für die Zukunft. Auch wenn im Moment
wegen des Wahlkampfes kaum jemand mehr vom Sparen spricht, die Herren aus jenen
Bundesländern, die die höchste Verschuldung und höchste Arbeitslosigkeit
aufweisen (Saarland und Niedersachsen), den Mund besonders weit aufreißen und
ab September in Bonn sogar regieren wollen – im Herbst und Winter wird der
Katzenjammer kommen, wenn der Kassensturz gemacht wird. Wie versprochen. Aber
versprochen wird viel in der Politik. Derzeit sind Sprechblasen wohlfeile Ware.
Schröder und ...
Bundestagwahl am 27. September 1998
in Deutschland. Man schaut jetzt auf uns. Die Umfragewerte für die noch
regierende Union sind denkbar schlecht. Jene für die Freien Demokraten sind
auch nicht viel besser, auch wenn ihnen prognostiziert wird, daß sie über die Fünf-Prozent-Hürde springen –
ebenfalls den Grünen. Die PDS könnte sogar diese Hürde überspringen, dank
üppiger Zahlen in den neuen Bundesländern. Und bei den Rechtsparteien wie
Republikaner oder DVU sind sich die Wahlforscher noch nicht einig. Wie schon
bei den zurückliegenden Landtagswahlen. Bundesweit müßte dann nur eine dieser
beiden Parteien antreten, um eventuell Erfolg zu haben. Oder DVU und Reps gehen
eine Listenverbindung ein. Aber dazu wird es kaum kommen. Die Unterschiede
zwischen beiden Rechtsgruppen sind zu groß. Während die Republikaner mehr im
liberalen Süden, Bayern und
Baden-Württemberg, ihre Erfolge hatten,
konnte die Deutsche Volksunion in Bremen, Hamburg, Schleswig Holstein und jetzt
Sachsen-Anhalt Protestwähler auf ihre Seite bringen. Der Streit unter den
Rechten wird uns also hoffentlich eine rechtsradikale Partei im deutschen
Bundestag ersparen. Außerdem wählen die Menschen ganz bewußt bei
Bundestagswahlen anders, so lehrt zumindest die jüngste Vergangenheit, als bei
Kommunal- oder Landtagswahlen. Sicher ist, daß jetzt im Mai Helmut Kohl, der
Bundeskanzler, weit abgeschlagen hinter Gerhard Schröder, dem
SPD-Kanzlerkandidaten in den Umfragen liegt. Die Erfahrungen aus allen
Bundestagswahlen (seit Kohl Kanzler ist) sagen, daß in den Umfragen jetzt der
Umschwung zugunsten der Union kommen müßte. Davon ist aber nichts zu spüren. Das Fußvolk in der Union wird hör-
und spürbar nervös. Bei den Sozialdemokraten dagegen wird aller Streit in Watte
gepackt. Staatsmännisch gibt sich der Kandidat von der Leine. Nichts kann ihn
offenbar aus der Ruhe bringen. Nicht mal seine Genossen in Sachsen-Anhalt.
Getestet wird dort, inwieweit der Bürger bereit ist, eine regionale
Zusammenarbeit von SPD und PDS im Osten zu akzeptieren. Wenn diese Tour den
Sozialdemokraten in den neuen Bundesländern Stimmen bringt, was wahrscheinlich
sein dürfte, dann gibt es keine CDU/SPD-Koalition in Magdeburg. Und wenn
PDS/SPD den westdeutschen Wählern reichlich
egal ist, dann wird die SPD stur das Ziel im Auge weitermarschieren.
Egal, was die Ossis hinter der Elbe da zusammenbringen. Ihr
Wahlkampf-Schlagwort lautet „Kohl muß weg“. Damit wird die vorhandene Stimmung
beim Wahlvolk für einen Wechsel bedient. Dem kann die Union momentan nichts
entgegensetzen. Also stellen wir uns schon mal auf die neue Berliner Republik
mit einem Kanzler Gerhard Schröder ein – im neuen Bundeskanzleramt im Spreebogen. Und wenn es anders kommt ...
dann ist dem alten Kämpen eine Überraschung gelungen.
Wirtschaftsjunioren-Schiff
Es ist schon lange her – aber
trotzdem. Mit einem Bild von Heike Rambow auf der Einladungskarte hatten die
Heilbronner Wirtschaftsjunioren auf den Neckar (besser auf zwei Schiffe)
eingeladen. „Die Ruderer“, so der Titel einer Zeichnung, auf der in drei
Quadraten je fünf Punkte mit Strichen zu beäugen waren – eben Ruderer. „Wer den
Hafen nicht kennt, dem ist kein Wind der rechte“ lautete das Motto für den „Regionaltreff – Politik trifft
Wirtschaft!“ 1998. Rund 400 Menschen hatten sich zum launigen Talk an Deck
eingefunden. Unter ihnen Günther
Oettinger, CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, sein Parteifreund, der
Heilbronner CDU-Chef und Bundestagskandidat Thomas Strobl, Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Behördenchefs,
Unternehmer, etc. – eben Unterländer Prominenz und andere Menschen, schöne,
reiche, arme, und normalaussehende. Man fühlte sich sichtlich wohl an der
Anlegestelle neben dem Götzenturm, genau vor der klassizistischen Villa Mertz.
Der Neckar als ein Teil der Heilbronner Innenstadt wurde freudig beschwatzt.
Dabei ist das Architekten aus Stuttgart schon vor vielen Jahren klar gewesen.
Sie planten – und ein wenig wurde auch gebaut. Alles andere lagert in
Beamten-Schreibtisch-Schubladen auf dem Rathaus. Klar war immer schon, daß der
Fluß an die City angebunden werden muß. Wer diese Erkenntnisse auf dem Rathaus
als neu verkauft, ist mehr als ein Scharlatan. Über eine Weinmesse auf dem
Neckar wurde auch schwadroniert. Eine Messe? Vielleicht ein Weinfest? Oder in
der Nachfolge für die Gourmet-Tage in der Rollschuhbahn ein „Schmecker- und
Schlotzerfest“? Sei’s drum! Die Heilbronner
Wirtschaftsjunioren freuten sich jedenfalls über den regen Besuch bei ihrem
Fest auf dem Wasser. Kommunikation ist
halt mehr als im Internet surfen. Jetzt steht der nächste Event vor der Tür: Am
16. Mai ist Tag der offenen Tür bei der IHK.
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