Privatuniversität
Erneuter
herber Schlag für die Region Heilbronn-Franken. Trotz hohem finanziellem
Engagement der Städte Heilbronn und Schwäbisch Hall geht die zweite
Privatuniversität nach Stuttgart, obwohl die Landeshauptstadt den Initiatoren
des „Stuttgart Institute of Management and Technologie“ das mit Abstand
schlechteste Angebot unterbreitet hatte. Schwäbisch
Hall und Heilbronn hatten da deutlich mehr zu bieten – zumindest finanziell.
Doch die Absage zeigt zweierlei. Zum einen: Der Region mangelt es nach wie vor
an Attraktivität. Die internationale Privatuniversität, die nach dem Willen
ihrer Väter Weltruhm erlangen soll, paßt eben nicht in die Stadt der
Krämerseelen oder ins nette Schwäbisch Hall. Zum zweiten: Die Region ist nach
wie vor unfähig, an einem Strang zu ziehen. Nach dem mutigen Vorstoß aus der
Salzsiederstadt, fiel der zunächst staunenden Käthchenstadt nichts anderes ein
als noch mehr Geld zusammenzukratzen, eine nach den Worten von Wirtschaftsminister
Walter Döring „hektische Reaktion“. Warum nicht die Bewerbung Schwäbisch Halls
unterstützen, schließlich liegen beide Städte ja bekanntermaßen in einem
Kammergebiet. Aber vom Wettlauf der Regionen sprechen ist die eine, über den
Tellerrand hinausschauen die andere Seite. An einer gemeinsamen Bewerbung für
den Standort Schwäbisch Hall hatten die Initiatoren nur schwerlich vorbeigehen
können. So blieb am Ende der Verdacht, die SIMT hätte die Angebote der Region
nur dazu benutzt, um der zögerlichen Landeshauptstadt Beine zu machen. Auch
nicht gerade ein Akt der Wertschätzung für die Region Heilbronn-Franken.
Zug-Katastrophe
Der
Schock sitzt tief. Das Zugunglück in Eschede mit 98 Toten in der vergangenen
Woche zeigte der ganzen Welt, daß der Hochgeschwindigkeitszug ICE nicht absolut
sicher ist. Nun wird viel darüber spekuliert, ob ein ähnliches Unglück auch mit
dem französischen TGV oder mit dem japanischen High-Tech-Zug hätte passieren
können. Bisher ist es nicht geschehen. Und jetzt steht der deutsche ICE am
Pranger. „Deutsche Wertarbeit“ ist nicht sicher – lautet die schlichte
Schlagzeile, die durch das grauenvolle Zugunglück treffend belegt wird. Also
ist sie auch keine Wertarbeit. Die
Unglücksursache wird zurzeit von Sachverständigen und der Staatsanwaltschaft
ermittelt. Spekulationen gab es viele – vom Anschlag durch Atomgegner, die
ja gern Eisenbahnschienen ansägen oder Gegenstände auf die Schienen legen, ja
sogar (wie hier im Unterland geschehen) das Gleisbett untergraben, bis hin zu
einem Auto, daß von einer Brücke auf die Schienen gefallen sein sollte. Alles
Meldungen und Vermutungen – aus der Hitze des Tages geboren. Jetzt ist es ein
gebrochener Radkranz, der das Unglück verursacht haben soll. Genaues werden wir
erfahren, wenn der Prüfbericht abgeschlossen ist. Daß die Deutsche Bahn nicht
hundertprozentig sicher ist, weiß jeder bei uns. Sie ist aber sicherer als das
Auto. Die Statistiken belegen dies augenfällig und überzeugend. Das beruhigt
schon mal – trotz des tragischen Unglücks in Eschede. Trotzdem ist bei der
Bahn, siehe Umstellung zum Sommerfahrplan, immer Chaos vorzufinden. Von den
alltäglichen Zugverspätungen mal ganz abgesehen. Und all das mindert immer
wieder das notwendige Vertrauen in die so sichere Bahn. Deutsche
Beamtenmentalität, die in Schlampigkeit umschlägt, ist halt auch noch in einer
privatisierten Deutschen Bahn in Hülle und Fülle anzutreffen. Leistung und
Motivation muß zählen – und
Dienstleitung auf höchstem Niveau. Vor allem im Sicherheitsbereich. Das Unglück
von Eschede ist nicht nur eine Katastrophe, sondern für die Bahn auch ein
Menetekel an der Wand. Trauerarbeit heißt auch, Unglücke aktiv vermeiden
helfen.
Kampfhunde
Nahezu
täglich wird aus deutschen Landen gemeldet, daß Kampfhunde kleine Kinder
anfallen und zerfleischen, ebenso alte Menschen – ja sogar ihre eigenen
Besitzer. Unsere ideologischen Tierschützer setzen naiv dagegen: Wenn die
Kampfhunde von ihren Haltern richtig erzogen sind, dann passiert auch nichts.
Wie soll ein Kind, ein älterer Mensch, ein Sportler im Wald erahnen, daß der
ihm entgegenkommende Kampfhund richtig oder falsch erzogen wurde? Schon bei
normalen Haushunden auf der Straße ist das nicht erkenntlich. Und die fallen
bekanntlich auch gelegentlich Menschen an. Verwunderlich? Nein! Denn Tiere, die
in Drei-Zimmer-Stadtwohnungen gehalten werden, können ja nur neurotisch werden.
Von artgerechter Haltung kann bei allen argumentativen Verrenkungen hier nun
wahrlich nicht mehr die Rede sein. Das arme Tier, da haben die Tierschützer
sicherlich recht, kann für seine falsche Erziehung wenig. Verantwortlich ist
allein der Tierhalter. Deshalb müßten
diese Menschen auch voll verantwortlich für das Verhalten ihrer Hunde gemacht
werden. Mit allen Konsequenzen. Hier hat der Opferschutz an erster Stelle
zu stehen, nicht ein unverantwortlicher Tierschutz, der es zuläßt, daß die
armen Wesen zu Krüppeln erzogen werden. Wer mit einem Auto am Straßenverkehr
teilnehmen will, muß einen Führerschein besitzen, hohe Steuern und
Versicherungen zahlen. Verhält er sich falsch im Straßenverkehr, sei es nur
beim Falschparken oder bei überhöhter Geschwindigkeit, muß er schon mit
erheblichen Strafen rechnen – ohne daß unmittelbar jemand gefährdet wurde. Das
ist auch richtig so. Gleiches muß für Hundehalter gelten. Denn wie Automobile
können auch Hunde zu Waffen werden. Und Menschen müssen vor anderen Menschen
mit derartig gefährlichen Waffen in den Händen geschützt werden. Vom Dreck, den
arme Viecher in Stadtparks und Wäldern hinterlassen, will ich gar nicht erst
reden. Der stinkt bekanntlich immer noch zum Himmel. Wenn jeder seine Notdurft
wie diese Tiere verrichten würde, dann ...
Kohl
und kein Ende
Helmut
Kohl ist Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er regiert nicht mit
funkelndem Glanz, aber wer die 16 Jahre seiner Kanzlerschaft Revue passieren
läßt, muß feststellen: Er war erfolgreich. Lieber glanzlos und erfolgreich als
glänzend ohne Erfolg. Selbst seine politischen Gegner streiten ihm den Erfolg
nicht ab. Man muß Deutschland nur mit den westlichen Ländern wie Frankreich,
Italien oder England vergleichen, den Lebensstandard der Menschen dort mit
jenem der Menschen hier. Selbst den neuen Bundesländern geht es blendend –
verglichen mit den ehemaligen Ostblockländern wie Polen, Tschechien, Ungarn
oder gar Rußland. Die Ossis vergleichen sich aber lieber mit den Wessis – und
da schneiden sie ohne Zweifel schlechter ab. Aber das ist ebenso, wenn man
Birnen mit Äpfeln vergleicht. Klar, daß die Opposition jetzt im Wahlkampf dem
Kanzler am Zeug flicken will. Klar ist auch, daß es um viele Dinge in
Deutschland besser bestellt wäre, hätte es eine große Steuerreform gegeben.
Klar ist auch, daß unsere soziale Hängematte überstrapaziert wird. Mit
Forderungen von Asylbewerbern, von Aussiedlern, von Sozialhilfeempfängern. Und
klar ist auch, daß viele große Unternehmen in Deutschland kaum Steuern zahlen
und sich damit sogar brüsten. Von Solidarität keine Spur. Jene Bürger, die noch Arbeit haben und fleißig sind, tragen die
Steuerlast. Die Deutschen haben in den letzten zehn Jahren eine Mammutleistung
vollbracht: Die Einigung ging nahezu reibungslos über die Bühne; die
Eingliederung von Rußlanddeutschen; die Aufnahme von Asylbewerbern; der Zustrom
von Ausländern; die Integration von Ausländern. Sicher: Es knirscht an allen
Ecken und Enden. Aber es gibt wie in anderen europäischen Staaten keine
bürgerkriegsähnlichen Zustände, keine ethnischen und rassistischen
Auseinandersetzungen, keine Riesenstreiks – im Gegenteil, die Wirtschaft brummt
wieder. Unter diesen Voraussetzungen das Problem der Arbeitslosigkeit klug und
geschickt anpacken, ist das Gebot der Stunde. Deshalb will Gerhard Schröder,
der Kanzlerkandidat der SPD auch gar keine großartig andere Politik betreiben.
Er will dieselbe Politik machen – nur ohne Kohl. Aber das haut nicht hin. Denn
ein Kanzler Schröder muß seine Politik mit Sozialdemokraten und Grünen
betreiben – eventuell mit Unterstützung der PDS. Die Alternative ist also da.
Daß es mit einer sozialistischen oder sozialdemokratischen Politik nicht besser
wird, das zeigen England und Frankreich. Es wird halt nur anders. Jetzt schaut
es so aus, als wollten die Wähler am 27. September einen Wechsel in Bonn. Am
Abend dieses Tages wissen wir dann, ob sie auch so gewählt haben.
Atommülltransporte
Bei
uns in Landen regen sich derzeit viele über die Strahlungen auf, die von
Atomtransporten ausgehen. Ein Skandal sei dies. Die zuständige Ministerin in
Bonn müsse endlich gehen. Die deutsche Atomindustrie habe jämmerlich versagt.
Entschuldigungen von Managern der Energieversorgungsunternehmen machten die
Runde. Die CDU-Ministerin rüffelt ihre Umwelt-Kollegen vor allem in Hessen, Nordrhein-Westfalen und
Niedersachsen. Eine grüne Umweltministerin in Frankreich stellt sich reichlich
naiv vor die Öffentlichkeit. Der Kanzler
selbst kanzelt die Atommanager ab. Und auf einmal versinkt das skandalöse
Geschehen zur Randnotiz. Die deutsche Ministerin greift hart durch – und
genehmigt keine Castor-Transporte mehr. Die Folge: Der Müll bleibt in den
Atomkraftwerken. Ein strahlender Müll, der nach dem Sankt-Florians-Prinzip
zuvor ins Ausland gerollt ist. Was war in der Zwischenzeit geschehen?
Osteuropäische Atomkraftwerke in der Ukraine und in Tschechien sind in die
Schlagzeilen gekommen. Und es stellte sich heraus, daß die Gefahr, die für ganz
Europa von diesen in kommunistischen Zeiten erbauten Bruchbuden ausgeht, als
sehr gefährlich einzustufen ist. Atomwissenschaftler und die ach so
verteufelten deutschen Atom-Manager bestätigen diese Tatsachen. Und die neuen
Regierungen dieser Länder wiegeln ab und verharmlosen. In Indien und Pakistan
werden Atombomben gezündet – zu Versuchszwecken. Und die Bevölkerung jubelt auf
den Straßen über die neue Macht, die durch diese Tests ihren Heimatländern
zuwächst. Deutsche Fernsehkommentatoren geißeln nicht etwa die unverantwortlich
handelnden Regierungen in Asien, nein – sie geißeln die deutsche Industrie, die
diesen Ländern angeblich das Know-How für die Atombomben verkauft habe. Und
vergessen dabei, daß heute jeder Dritte-Welt-Staat aus dem ehemaligen Ostblock
das Wissen zum Bau einer Bombe für ’nen Appel und ’nen Ei hergibt. Oh, heilige
Einfalt. demnächst werden auch Messerverkäufer für Morde verantwortlich
gemacht, die jemand mit dem bei den Händlern erstandenen Geräten begeht. Oder
Touristik-Unternehmen und Fluggesellschaften für Unfälle von Touristen beim
Wandern am Urlaubsort. Denn schließlich habe die Unternehmen die Touristen ja
dorthin transportiert. Das alles reiht sich in das unsägliche bayrische
Internet-Urteil ein, das vor wenigen Tagen bar jeglicher Ahnung, gesprochen
wurde. – Tschernobyl, das ist der Atom-Unfall aus kommunistischer Zeit,
der allen zeigt, wie marode ein System war, das mehr als 90 Millionen Menschen
in diesem Jahrhundert auf dem Gewissen hat. Mache einen Philosophen zum
Staatsmann – und er wird auf dem Schafott enden. Die sozialistischen Diktatoren
Deutschlands, Tischler und Dachdecker, sind im Bett gestorben.
WM–Geldmeisterschaft
Na
endlich, es geht los – die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Wegen 1.408
Männerbeinen hält fast die ganze Welt für knapp vier Wochen den Atem an. Die
Besten der Besten aus 32 Nationen sollen genialen Fußball verkörpern und
zelebrieren. Wenn aber im Land des Weines der Ball rollt, dann rollt der Rubel
– oder besser der Franc mit. Und das
nicht zu wenig. Die Fußball-WM ist auch eine interne Weltmeisterschaft der
Sponsoren. Zwölf Sportausrüster gehören zum Kreis der Auserkorenen und dürfen
mit ihren Teams an der Endrunde teilnehmen. Doch schon vor dem Mega-Ereignis
ist der WM-Titel einzig und alleine eine Angelegenheit zwischen Adidas und
Nike. Wobei bereits vor dem ersten Anstoß die Herzogenauracher in Führung
liegen. Der Grund dafür: Ganz gleich ob Reebok gegen Lotto, Puma gegen Kappa
oder Asics gegen Nike spielt – Adidas ist immer groß im Bild – auf Werbebanden,
Bällen, Schiedsrichter- und Helfertrikots. Außerdem sicherten sie sich so
einige Merchandising-Rechte. Wer nämlich das brasilianische Fan-Trikot möchte,
muß bei Adidas einkaufen – obwohl Ronaldo und Co von Nike gesponsert werden. Diesen Spielzug läßt sich der Hauptsponsor
auch einiges kosten. Rund 40 Millionen Dollar (rund 72 Millionen Mark) legt
Adidas dafür auf den Tisch. Aber nicht nur Sportartikelhersteller sind als
Geldgeber bei der WM’ 98 gern gesehen. So sind beispielsweise
Kultgetränkproduzent Coca-Cola, Fast-Food-Ketten-Gigant McDonald’s und Opel mit
einem Corsa „World Cup“ mit von der Partie. Der Vermarkter ISL, die FIFA und
ein Organisationskomitee haben eine Kampagne gegen „parasitäres Marketing“ ins
Leben gerufen, das besagt, daß niemand unerlaubt mit WM-Emblemen Werbung machen
darf. Jedoch ohne Erfolg. Ein TV-Spot von Fiat zeigt zum Beispiel 22 Autos, die
ein Fußballspiel gegeneinander bestreiten. Maoam veranstaltet eine „WM der
Früchte“. Und Langnese bringt ein Eis in Form eines Fußballschuhs unter die
Leute – mit einem Kaugummi der zufällig aussieht wie ein Fußball. Na bitte!
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