Sonntag, 23. März 2014

Kiliansmännle, 20.05.1998



PTX im Kraftwerk
Was war das für ein Fest am vergangenen Samstag (16. Mai) in der Halle des alten Kraftwerks bei der Energieversorgung Schwaben (EVS)! Heilbronn rief zur weiß-Gott-wievielten PTX-Party (was heißt eigentlich PTX???) und alle, wirklich alle kamen – so hatte es zumindest den Anschein. Bis spät in die Nacht – besser gesagt bis in den frühen Sonntagmorgen – war es fast unmöglich, in der Nähe des EVS einen Parkplatz zu ergattern. Von nah (HN, MOS, KÜN) und fern (S, HD, MA, KA, RT, F, etc.) war den Kraftfahrzeugkennzeichen der um das EVS parkenden Autos zu entnehmen, woher die Tanzwütigen angereist waren, um für einen Eintrittspreis von 25 Mark das eigentliche Veranstaltungshighlight der Käthchenstadt friedlich – ein großes Lob an die zahlreichen Ordnungskräfte – und ausgelassen zu feiern. Und den Hundertschaften von Besuchern wurde wirklich einiges geboten: Mehrere Live-DJs, Getränkestände und Tanz- und Partystimmung auf zwei Etagen sorgten für eine granatenstarke Atmosphäre. Und da soll noch jemand sagen: „Heilbronn ist tot!“ An diesem Abend tobte jedenfalls die Unterlandmetropole – und damit dies nicht nur zu PTX-Zeiten der Fall ist, hat sich die Stadt Heilbronn Gedanken gemacht, wie sie diesen optimalen Veranstaltungsort (genügend Platz im Innern der Halle und ausreichend Parkplätze – es sei denn, es ist PTX-Time) im Heilbronner Industriegebiet für ihre Zwecke nutzen kann. Ein erster Schritt wurde ja schon getan. Denn eigentlich hätte das am Neckar gelegene Schmuckstück schon längst für eine Millionen Mark abgerissen werden sollen. Doch gottseidank besann man sich bei der Energieversorgung Schwaben eines Besseren, ließ das architektonische Schmuckstück stehen und beschloß, die Halle für kommerzielle Zwecke nutzen zu lassen. Das Geld, was für den Abriß hätte bereitgestellt werden müssen, würde in etwa eine notwendige Sanierung der Halle decken. Und was die Organisation und Durchführung von diversen Großveranstaltungen betrifft, sollte sich die Stadt mit den PTX-Machern zusammensetzen. Denn wer, wenn nicht sie, weiß, wie man in Heilbronn Feschtles so feiert, daß ein großer Menschenzulauf aus ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus gewährleistet ist.

Es geht voran?
Jetzt wurde sie endlich vorgestellt – „Die Bürgerinitiative Pro Region Heilbronn-Franken e.V.“. Die Ankündigung gab es schon lange. Die Geburtswehen zogen sich hin. 43 Mitglieder zählt die Schar der Unerschrockenen, die Reinhold Würth, der Schraubenmilliardär aus Künzelsau, auch gern als „Verein zur Förderung des Optimismus“ bezeichnet. Manager, Journalisten, Gewerkschafter, Verbandsfunktionäre – alles Leute mit Lebenskraft und Lebensfrohsinn. Sie sollen den rund 800.000 Menschen in der Region Franken etwas vermitteln, was die Stärken erkennt, die Schwächen vermindert. Denn die Region steht besser da als ihr ominöser Ruf. Sie ist schließlich die zweitstärkste Wirtschaftsregion im Lande Baden-Württemberg. Fünf bis zehn Jahre sollen genügen, damit der neue Geist als Dünger in der Region reales Blühen und Wachsen hervorzaubert. Erster Ansatz – ein Festival der Vielfalt demnächst in Öhringen. Löcher in dicke Brettle bohren, nenn’ ich das. Denn in anderen Region des Ländles, ist das, was bei uns jetzt geplant wird, schon auf der Tagesordnung. Und in den Amtsstuben und Verbänden der Region beäugt man jetzt die Initiative des Reinhold Würth mit vielen skeptischen Blicken. Und hält sich brav an das Motto: Zuerst wir. Der Konkurrenzkampf unter den Gemeinden und Landkreisen hat schon lange begonnen – ob es um Industrieansiedlung, Müllverbrennung oder die Verbesserung der Infrastruktur geht. Jeder will das beste Sahnestück aus dem großen Kuchen ergattern. Verständlich! Ich glaube, dieses gesunde Konkurrenzverhalten bringt die Region eher voran als viele gutgemeinte Absichten. Heilbronn als Zentrum hat jetzt alle Chancen, die Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Bewegung in der Stadt ist nicht zu übersehen. Streit und heftige Diskussionen der letzten Jahre haben ein Klima des Aufbruchs entstehen lassen. Es kann nur noch besser werden. Ob Stadtbahn, die Umwandlung des alten Industriegebietes oder der amerikanischen Kasernen, die Neuansiedlung von Firmen – Heilbronn hat begriffen, daß die Zeit des gemütlichen Abwägens, das Auf-die-lange-Bank-schieben und Pläne-in-Schubladen-verstecken endgültig vorbei ist. 1999 sind  Kommunalwahlen. Der amtierende Gemeinderat  wird an den seinen Taten in den vergangenen fünf Jahren gemessen. Die Damen und Herren Stadträte sind samt Verwaltungsspitze verantwortlich. Vereinsmeier sollten keine Chance mehr haben, ihre seltsamen Spielchen zu betreiben. Und die Stadt darf nicht zum Feld für unausgegorene, teure Experimente einzelner Gruppen werden. Na dann ...

Unistadt Heilbronn
Heilbronn will Unistadt werden. Eine private Universität in die Käthchenstadt – neben der alteingesessenen Fachhochschule? Das wäre doch was! Meint auch unser Oberbürgermeister – und mit ihm der gesamte Gemeinderat. Von der privaten Wirtschaft wird viel Unterstützung signalisiert. Ein Großunternehmer will gar einen Lehrstuhl spendieren. Aufbruchsstimmung ist angesagt. Aber es gibt auch noch andere Bewerber um die Privatuni. In Stuttgart hat sich sogar schon ein Förderkreis gebildet. Und in Schwäbisch Hall drängt die Stadt samt Bausparkasse und Schraubenkönig Würth darauf, daß die Uni an den Kocher kommt. Was kann Heilbronn diesen Mitbewerbern entgegensetzen? Die Infrastruktur um Stuttgart herum ist nicht schlagbar. Mit Autobahnen, Bahnanbindung und Flughafen ist Stuttgart allen anderen Mitbewerbern weit voraus. Und auch den kulturellen Angebote sowie den Freizeiteinrichtungen in der Landeshauptstadt ist von keiner anderen Stadt etwas entgegenzusetzen. Hinzu kommen die vielen Weltfirmen, die rund um Stuttgart herum enge Kontakte zur neuen Privat-Uni pflegen könnten, um dann auch den Studenten attraktive Praktika anzubieten. All dem muß in Heilbronn und Schwäbisch Hall etwas entgegengesetzt werden, was die Initiatoren dazu bewegen könnte, in die Provinz zu kommen. Aber selbst hier ist man sich nicht ganz einig. Die Industrie- und Handelskammer hat sich auf die Seite des Bewerbers Schwäbisch Hall geschlagen – schließlich waren die Haller die ersten, die sich bewarben. Die Unterstützung des Standortes Heilbronn wird derzeit noch geprüft. Selbst bei der Jungen Union ist man sich uneinig. Von den großen Parteien ganz zu schweigen. Da steht jede am jeweiligen Standort hinter der Bewerbung ihrer Stadt. Der Kampf in der Region um Bildungs- und andere Einrichtungen wird an diesem Beispiel offenkundig. Jetzt zeigt sich, was die Regionen im Ländle zu bieten haben. Wer vorgesorgt hat, mit den attraktiveren Angeboten kommt, der wird das Rennen machen. Vielleicht kommt ja, falls wir in Heilbronn das Nachsehen haben sollten, dann die Bewerbung um das Daimler-Werk zum Zuge, die der OB vor wenigen Tagen bekannt gegeben hatte. Hase und Igel stehen als Paten bereit ...

Es sommert ...
Kennen Sie Guildo? Den Schlager des Sommers 1998? Herr Horn hatte mit seinem Piep-Piep-Piep in Birmingham eine kurze Blütezeit. Die Guildo-Parties sind vorbei, das Lied kann man schon nicht mehr hören. War das nun ein geschickter Werbegag – oder doch der Aufbruch zu neuen Ufern im deutschen Schlager? Die Nußecken haben sich gut verkauft. Aber jeden Tag Nußecken mit Himbeereis. Igitt-Igitt! Die Hitze hat nachgelassen. Ebenso die grenzenlose Guildo-Begeisterung. Oder wie war das an den heißen Tagen in Leipzig? Damals als unser lieber Gerhard, der Champion aus Hannover, seine sozialistische Weihe für den Kampf bis zum 27. September bekam. Mit schwellender Musik, genau getimten Ovationen, Winke-Orgien und perfekt inszenierten Lichtkegeln wurde dem auf die Glotze starrenden Publikum vorgeführt, wozu die SPD fähig ist. Und das Ganze hatte auch ein Gschmäckle! Denn viel Dampf und Blitze machen noch keinen Wahlkampf und verscheuchen keinen Stallgeruch. Wir haben es grinsend registriert – und fragen uns: Was nun? Nur Lack, netter Gesang und süße Soßen sind noch nicht viel. Jetzt stoßen sich die Parolen im Raum, purzeln SPD-Möchtegern-Minister mit seltsamen Aussagen in Interviews von ihren selbstgezimmerten und -lackierten Podesten zurück in die hinteren Reihen. Und die Poli-Manager tun alles, um vergessen zu machen, was da an Widersprüchen verzapft wurde. Bestes Beispiel die Grünen mit ihrem Fünf-Mark-pro-Liter-Benzin-Beschluß. Sie rudern und rudern, verkünden neue Wahlprogramme – und niemand glaubt ihnen. Oder Herr von Weizsäcker, der Altbundespräsident, mit seinen Ratschlägen zur SPD-PDS-Koalition in Sachsen-Anhalt. Nichts will er mehr von dem  wissen, was er einem Redakteur der Süddeutschen erzählt hat. Aber der hatte doch alles auf Tonband mitgeschnitten. Da stellt sich dem verwunderten Zeitgenossen die Frage, warum ein so hochgeachteter Mann wie Häuptling Silberlocke sich selbst ohne Grund stark beschädigt. Man registriert es – und geht zur Tagesordnung über. War es doch nur die Hitze des Tages? Oder hatte da jemand etwas Bedeutendes zu sagen? Wie etwa Herr Mayer-Vorfelder, unser Finanzminister im Ländle, zu den Honoraren für seine Reden vor Banken, deren Aufsicht ihm qua Amt übertragen wurde. Gleiches gilt für SPD, Grüne, FDP und andere CDU-Politiker. Sie rudern kräftig zurück, nachdem einige von ihnen schon den Skandal gewittert hatten. Es muß an der Hitze der vergangenen Tage gelegen haben. Oder?

Jetzt geht’s los
Wer den Start glänzend hinlegt, der muß nicht als Sieger ins Ziel einlaufen. Das ist der Trost, den die Christdemokraten und ihr Vorsitzender Helmut Kohl sich jetzt täglich spenden. In allen Bundestagswahlkämpfen seit 1976 hat der Mann aus Oggersheim dies erfahren müssen. Glänzend war sein Ergebnis 1976. Aber die Siegespalme trug Helmut Schmidt davon. Treu stand Kohl 1980 hinter dem CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Franz-Josef Strauß, auch in der Stunde der Niederlage. Und wenige Monate später war der SPD-Kanzler Helmut Schmidt abgewählt. Seitdem funktioniert das System „Kohl in Bonn“. Obwohl die Besserwisser ihn von Beginn an abgeschrieben hatten – und Woche für Woche sein baldiges Ende voraussagten. Hans Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Rudolf Scharping – all diese SPD-Kanzlerkandidaten seit 1982 – schickte der schwarze Riese Helmut Kohl in die Wüste. Die linken Kabarettisten konnten es nicht fassen und geiferten mit Schaum vor dem Mund über die mangelnde Intellektualität des Birnen-Kanzlers, diffamierten ihn als Politiker der Mittelmäßigkeit – und beschimpften damit all jene Wähler, die eine christliberale Mehrheit im Land gewählt hatten. Daß sie damit Helmut Kohls Macht sicherten, kam unseren selbsternannten Tugendwächtern nicht in den Sinn. Je mehr jedoch die Haßtiraden nachließen, desto schwächer wurde die schwarz-gelbe Koalition in Bonn. Jetzt hat sich SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder, der Blaubart von der Leine, darauf verlegt, seinen schwarzen Konkurrenten zu loben, ihn in liebevollen Umarmungen zu ersticken. Glaubt man den Meinungsforschern, ist ihm das bisher gut gelungen. Die Umfragen sprechen für einen Regierungswechsel in Bonn. Aber Helmut Kohl und die CDU wollen kämpfen – was auch sonst? Ein wenig verzagt allerdings. Die Kohl-Maschinerie läuft an – nur wohin? Staatsmännisch geriert sich der 16-Jahre-Kanzler, bietet sich als Plattform für Stabilität und Solidität. Und die CDU/CSU applaudiert heftig. Was auch sonst? Schuld, daß es mit Deutschland nicht richtig vorangehe, ist allein die SPD-Verhinderungspolitik im Bundesrat. Und jetzt auch noch die Zusammenarbeit von SPD und postkommunistischer PDS in Sachsen-Anhalt – demnächst  auch in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Richtungswahlkampf ist angesagt! Liberal-konservativ gegen Sozialismus! Ora et labora – beten und arbeiten hilft!

Und tschüß, VfR
Was sich in diesem Jahr beim einst so ruhmreichen VfR Heilbronn abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung. Rückblende: Vor knapp einem Jahr schafft der VfR Heilbronn den langersehnten Aufstieg in die Fußball-Oberliga Baden-Württemberg. In der Führungsetage herrscht Hochstimmung. Zehn Jahre hatte man diesem Tag entgegengefiebert. Jetzt in der Oberliga mitspielen – dann die Regionalliga anpeilen – bei den Schwarz-Weißen setzt man weiterhin hohe Ziele. Und die Voraussetzungen sind gar nicht schlecht, schließlich haben auch die Junioren den Klassenerhalt in der höchsten Jugendklasse geschafft. Doch Ziele formulieren ist die eine Seite, die andere ist, sie auch zu erreichen. Doch die Umsetzung scheitert beim VfR kläglich. Mit Günther Major wird ein anständiger Kerl verpflichtet, als Trainer ist die Oberliga für ihn allerdings eine Nummer zu groß – eine Billiglösung eben. Ebenso bleiben Verstärkungen für die Mannschaft aus. Leitwölfe wie Wolff und Walla wechseln den Verein, aus Enttäuschung über die Konzeptlosigkeit. Was nachkommt ist teuer, aber nicht oberligatauglich. Der Wind bläst den Schwarz-Weißen schon früh ins Gesicht. Bald wird offen gegen den Trainer geschossen als dieser sturmreif ist. Plötzlich die Trendwende: Major wird trotz der prekären Situation das Vertrauen ausgesprochen. Eine Woche vor Rückrundenbeginn muß Major dann doch seine Koffer packen. Jeder, der auch nur das Wort Fußball buchstabieren kann, schüttelt fassungslos den Kopf. Otto Frey, damaliger A-Junioren-Coach, soll es jetzt richten. Ein Krisenmanagement wie auf der Titanic. Die Entscheidung, die vielleicht zum richtigen Zeitpunkt Wirkung gezeigt hätte, wird nun zum Bumerang – die Mannschaft hat den Glauben an die Vereinsführung verloren. Frey taumelt mit einer im Vergleich zu anderen Oberliga-Teams überbezahlten Mannschaft von Niederlage zu Niederlage. Ein Verein gibt sich willenlos auf, zu einem Zeitpunkt, an dem der Klassenerhalt noch in greifbarer Nähe ist. Die Monopolzeitung berichtet von den Spielen, als stünde der VfR Heilbronn auf einem Mittelfeldplatz. VfR-Präsident Horst Eisele erklärte in einem Interview vollmundig, daß man nach dem Abstieg in der Verbandsliga oben mitspielen wird, während sage und schreibe 16 Spieler fluchtartig den Verein verlassen. Und auch die so gelobten A-Junioren, die Zukunft des VfR, tritt in die morastigen Fußstapfen der Aktiven: Abstieg! Von dem Pfund, was der VfR Heilbronn vor wenigen Monaten noch fest in den Händen hielt, ist nichts mehr geblieben.

War das nicht Ihre Zeit?
Kennen Sie das? Da kommt ein junger Mensch daher und sagt zu einem älteren Menschen: Das war doch ihre Zeit! Gemeint ist die Musik-Richtung. Ihre Zeit – das heißt: Sie müssen doch ein Elvis-Fan, ein Beatles-Fan oder ein Rolling-Stones-Fan gewesen sein. Der Ältere schaut ein wenig verdattert. Weiß nicht so recht, was er sagen soll. Die Opportunisten sagen dann: Ja, ja, das war wohl so – Beatles-Fan, naja, war ich schon, nicht ganz, aber ich find’ sie schon gut! Pseudo-Fanatiker geben kund, daß sie alle Platten damals gesammelt hätten. Obwohl sie nur eine im Schrank stehen haben. Und dann wird geschwärmt. Von einer guten alten Zeit, die es in der Realität niemals gegeben hatte. Vor allem von jenen Apologeten, die heute noch ihre wenigen Haare wallend tragen, von Frauen, die mit fünfzig krampfhaft versuchen, sich so zu schminken und zu kleiden als ob sie gerade ein Alter zwischen zwanzig und dreißig erreicht hätten. Es wäre ja ganz einfach zuzugeben, daß man vielleicht gar nicht auf Rock- oder Popmusik stand, oder sie nur am Rande zur Kenntnis nahm. Denn komischerweise gab es damals auch andere Musik, die nicht dem kommerziellen Auf und Ab ausgeliefert war. Musik, die nicht grenzenlose Freiheit versprach und seltsame Teufelssymbole verwendete. Aber selbst wenn: Nur wenige Menschen legen sich ihr ganzes Leben auf einen Musikgeschmack fest. Ein Mensch wandelt sich nicht nur physisch, er verändert auch gottlob seinen Geschmack … auch seinen Musikgeschmack. Heilige Einfalt! Stillstand ist Rückschritt! So mancher wendet sich nach dem vielen Rock und Pop, so ab dreißig, der Klassik und der Oper zu. Man eroberte für sich peu à peu Bach, Mozart, Beethoven, Verdi, Donizetti, Wagner und vielleicht auch einige aus unserem Jahrhundert. Oder entdeckt das Musical, das ja auch schon beinahe ein hundert Jahre alt ist. Banal gesagt: Der Mensch in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewußt. Er macht halt, was ihm gut tut. Und neugierige Menschen entdecken immer etwas Neues für sich. Manches davon ist sogar uralt. Der Modekrempel wird beiseite geschoben – und so dringt manch einer zu Werken vor, die länger haltbar, beständiger in der Qualität sind als die alltägliche Modemusik. Es gibt auch Leute, die mit 60 ihre 20 Haare zur Elvis-Tolle drehen. Jeder zeigt, was er ist – oder sein will. „Das war doch Ihre Zeit!“ Heißt  das nicht: Abtreten! Ihre Zeit ist abgelaufen! – Reichlich unverschämt. Oder?

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