PTX
im Kraftwerk
Was
war das für ein Fest am vergangenen Samstag (16. Mai) in der Halle des alten
Kraftwerks bei der Energieversorgung Schwaben (EVS)! Heilbronn rief zur
weiß-Gott-wievielten PTX-Party (was heißt eigentlich PTX???) und alle, wirklich
alle kamen – so hatte es zumindest den Anschein. Bis spät in die Nacht – besser
gesagt bis in den frühen Sonntagmorgen – war es fast unmöglich, in der Nähe des
EVS einen Parkplatz zu ergattern. Von nah (HN, MOS, KÜN) und fern (S, HD, MA,
KA, RT, F, etc.) war den Kraftfahrzeugkennzeichen der um das EVS parkenden
Autos zu entnehmen, woher die Tanzwütigen angereist waren, um für einen
Eintrittspreis von 25 Mark das eigentliche Veranstaltungshighlight der
Käthchenstadt friedlich – ein großes Lob an die zahlreichen Ordnungskräfte –
und ausgelassen zu feiern. Und den Hundertschaften von Besuchern wurde wirklich
einiges geboten: Mehrere Live-DJs, Getränkestände und Tanz- und Partystimmung
auf zwei Etagen sorgten für eine granatenstarke Atmosphäre. Und da soll noch jemand sagen: „Heilbronn
ist tot!“ An diesem Abend tobte jedenfalls die Unterlandmetropole – und
damit dies nicht nur zu PTX-Zeiten der Fall ist, hat sich die Stadt Heilbronn
Gedanken gemacht, wie sie diesen optimalen Veranstaltungsort (genügend Platz im
Innern der Halle und ausreichend Parkplätze – es sei denn, es ist PTX-Time) im
Heilbronner Industriegebiet für ihre Zwecke nutzen kann. Ein erster Schritt
wurde ja schon getan. Denn eigentlich hätte das am Neckar gelegene Schmuckstück
schon längst für eine Millionen Mark abgerissen werden sollen. Doch gottseidank
besann man sich bei der Energieversorgung Schwaben eines Besseren, ließ das
architektonische Schmuckstück stehen und beschloß, die Halle für kommerzielle
Zwecke nutzen zu lassen. Das Geld, was für den Abriß hätte bereitgestellt
werden müssen, würde in etwa eine notwendige Sanierung der Halle decken. Und
was die Organisation und Durchführung von diversen Großveranstaltungen
betrifft, sollte sich die Stadt mit den PTX-Machern zusammensetzen. Denn wer,
wenn nicht sie, weiß, wie man in Heilbronn Feschtles so feiert, daß ein großer
Menschenzulauf aus ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus gewährleistet ist.
Es
geht voran?
Jetzt
wurde sie endlich vorgestellt – „Die Bürgerinitiative Pro Region
Heilbronn-Franken e.V.“. Die Ankündigung gab es schon lange. Die Geburtswehen
zogen sich hin. 43 Mitglieder zählt die Schar der Unerschrockenen, die Reinhold
Würth, der Schraubenmilliardär aus Künzelsau, auch gern als „Verein zur Förderung
des Optimismus“ bezeichnet. Manager, Journalisten, Gewerkschafter,
Verbandsfunktionäre – alles Leute mit Lebenskraft und Lebensfrohsinn. Sie
sollen den rund 800.000 Menschen in der Region Franken etwas vermitteln, was
die Stärken erkennt, die Schwächen vermindert. Denn die Region steht besser da
als ihr ominöser Ruf. Sie ist schließlich die zweitstärkste Wirtschaftsregion
im Lande Baden-Württemberg. Fünf bis zehn Jahre sollen genügen, damit der neue
Geist als Dünger in der Region reales Blühen und Wachsen hervorzaubert. Erster
Ansatz – ein Festival der Vielfalt demnächst in Öhringen. Löcher in dicke
Brettle bohren, nenn’ ich das. Denn in anderen Region des Ländles, ist das, was
bei uns jetzt geplant wird, schon auf der Tagesordnung. Und in den Amtsstuben und
Verbänden der Region beäugt man jetzt die Initiative des Reinhold Würth mit
vielen skeptischen Blicken. Und hält
sich brav an das Motto: Zuerst wir. Der Konkurrenzkampf unter den Gemeinden
und Landkreisen hat schon lange begonnen – ob es um Industrieansiedlung,
Müllverbrennung oder die Verbesserung der Infrastruktur geht. Jeder will das
beste Sahnestück aus dem großen Kuchen ergattern. Verständlich! Ich glaube,
dieses gesunde Konkurrenzverhalten bringt die Region eher voran als viele
gutgemeinte Absichten. Heilbronn als Zentrum hat jetzt alle Chancen, die
Vorreiterrolle zu übernehmen. Die Bewegung in der Stadt ist nicht zu übersehen.
Streit und heftige Diskussionen der letzten Jahre haben ein Klima des Aufbruchs
entstehen lassen. Es kann nur noch besser werden. Ob Stadtbahn, die Umwandlung
des alten Industriegebietes oder der amerikanischen Kasernen, die Neuansiedlung
von Firmen – Heilbronn hat begriffen, daß die Zeit des gemütlichen Abwägens,
das Auf-die-lange-Bank-schieben und Pläne-in-Schubladen-verstecken endgültig
vorbei ist. 1999 sind Kommunalwahlen.
Der amtierende Gemeinderat wird an den
seinen Taten in den vergangenen fünf Jahren gemessen. Die Damen und Herren
Stadträte sind samt Verwaltungsspitze verantwortlich. Vereinsmeier sollten
keine Chance mehr haben, ihre seltsamen Spielchen zu betreiben. Und die Stadt
darf nicht zum Feld für unausgegorene, teure Experimente einzelner Gruppen
werden. Na dann ...
Unistadt
Heilbronn
Heilbronn
will Unistadt werden. Eine private Universität in die Käthchenstadt – neben der
alteingesessenen Fachhochschule? Das wäre doch was! Meint auch unser
Oberbürgermeister – und mit ihm der gesamte Gemeinderat. Von der privaten
Wirtschaft wird viel Unterstützung signalisiert. Ein Großunternehmer will gar
einen Lehrstuhl spendieren. Aufbruchsstimmung
ist angesagt. Aber es gibt auch noch andere Bewerber um die Privatuni. In
Stuttgart hat sich sogar schon ein Förderkreis gebildet. Und in Schwäbisch Hall
drängt die Stadt samt Bausparkasse und Schraubenkönig Würth darauf, daß die Uni
an den Kocher kommt. Was kann Heilbronn diesen Mitbewerbern entgegensetzen? Die
Infrastruktur um Stuttgart herum ist nicht schlagbar. Mit Autobahnen,
Bahnanbindung und Flughafen ist Stuttgart allen anderen Mitbewerbern weit
voraus. Und auch den kulturellen Angebote sowie den Freizeiteinrichtungen in
der Landeshauptstadt ist von keiner anderen Stadt etwas entgegenzusetzen. Hinzu
kommen die vielen Weltfirmen, die rund um Stuttgart herum enge Kontakte zur
neuen Privat-Uni pflegen könnten, um dann auch den Studenten attraktive
Praktika anzubieten. All dem muß in Heilbronn und Schwäbisch Hall etwas
entgegengesetzt werden, was die Initiatoren dazu bewegen könnte, in die Provinz
zu kommen. Aber selbst hier ist man sich nicht ganz einig. Die Industrie- und Handelskammer
hat sich auf die Seite des Bewerbers Schwäbisch Hall geschlagen – schließlich
waren die Haller die ersten, die sich bewarben. Die Unterstützung des
Standortes Heilbronn wird derzeit noch geprüft. Selbst bei der Jungen Union ist
man sich uneinig. Von den großen Parteien ganz zu schweigen. Da steht jede am
jeweiligen Standort hinter der Bewerbung ihrer Stadt. Der Kampf in der Region
um Bildungs- und andere Einrichtungen wird an diesem Beispiel offenkundig.
Jetzt zeigt sich, was die Regionen im Ländle zu bieten haben. Wer vorgesorgt
hat, mit den attraktiveren Angeboten kommt, der wird das Rennen machen.
Vielleicht kommt ja, falls wir in Heilbronn das Nachsehen haben sollten, dann
die Bewerbung um das Daimler-Werk zum Zuge, die der OB vor wenigen Tagen
bekannt gegeben hatte. Hase und Igel stehen als Paten bereit ...
Es
sommert ...
Kennen
Sie Guildo? Den Schlager des Sommers 1998? Herr Horn hatte mit seinem
Piep-Piep-Piep in Birmingham eine kurze Blütezeit. Die Guildo-Parties sind
vorbei, das Lied kann man schon nicht mehr hören. War das nun ein geschickter
Werbegag – oder doch der Aufbruch zu neuen Ufern im deutschen Schlager? Die
Nußecken haben sich gut verkauft. Aber jeden Tag Nußecken mit Himbeereis.
Igitt-Igitt! Die Hitze hat nachgelassen. Ebenso die grenzenlose
Guildo-Begeisterung. Oder wie war das an den heißen Tagen in Leipzig? Damals
als unser lieber Gerhard, der Champion aus Hannover, seine sozialistische Weihe
für den Kampf bis zum 27. September bekam. Mit schwellender Musik, genau
getimten Ovationen, Winke-Orgien und perfekt inszenierten Lichtkegeln wurde dem
auf die Glotze starrenden Publikum vorgeführt, wozu die SPD fähig ist. Und das Ganze hatte auch ein Gschmäckle! Denn
viel Dampf und Blitze machen noch keinen Wahlkampf und verscheuchen keinen
Stallgeruch. Wir haben es grinsend registriert – und fragen uns: Was nun? Nur
Lack, netter Gesang und süße Soßen sind noch nicht viel. Jetzt stoßen sich die
Parolen im Raum, purzeln SPD-Möchtegern-Minister mit seltsamen Aussagen in
Interviews von ihren selbstgezimmerten und -lackierten Podesten zurück in die
hinteren Reihen. Und die Poli-Manager tun alles, um vergessen zu machen, was da
an Widersprüchen verzapft wurde. Bestes Beispiel die Grünen mit ihrem
Fünf-Mark-pro-Liter-Benzin-Beschluß. Sie rudern und rudern, verkünden neue
Wahlprogramme – und niemand glaubt ihnen. Oder Herr von Weizsäcker, der
Altbundespräsident, mit seinen Ratschlägen zur SPD-PDS-Koalition in
Sachsen-Anhalt. Nichts will er mehr von dem
wissen, was er einem Redakteur der Süddeutschen erzählt hat. Aber der
hatte doch alles auf Tonband mitgeschnitten. Da stellt sich dem verwunderten
Zeitgenossen die Frage, warum ein so hochgeachteter Mann wie Häuptling
Silberlocke sich selbst ohne Grund stark beschädigt. Man registriert es – und geht
zur Tagesordnung über. War es doch nur die Hitze des Tages? Oder hatte da
jemand etwas Bedeutendes zu sagen? Wie etwa Herr Mayer-Vorfelder, unser
Finanzminister im Ländle, zu den Honoraren für seine Reden vor Banken, deren
Aufsicht ihm qua Amt übertragen wurde. Gleiches gilt für SPD, Grüne, FDP und
andere CDU-Politiker. Sie rudern kräftig zurück, nachdem einige von ihnen schon
den Skandal gewittert hatten. Es muß an der Hitze der vergangenen Tage gelegen
haben. Oder?
Jetzt
geht’s los
Wer
den Start glänzend hinlegt, der muß nicht als Sieger ins Ziel einlaufen. Das
ist der Trost, den die Christdemokraten und ihr Vorsitzender Helmut Kohl sich
jetzt täglich spenden. In allen Bundestagswahlkämpfen seit 1976 hat der Mann
aus Oggersheim dies erfahren müssen. Glänzend war sein Ergebnis 1976. Aber die
Siegespalme trug Helmut Schmidt davon. Treu stand Kohl 1980 hinter dem
CDU/CSU-Kanzlerkandidaten Franz-Josef Strauß, auch in der Stunde der
Niederlage. Und wenige Monate später war der SPD-Kanzler Helmut Schmidt abgewählt.
Seitdem funktioniert das System „Kohl in Bonn“. Obwohl die Besserwisser ihn von
Beginn an abgeschrieben hatten – und Woche für Woche sein baldiges Ende
voraussagten. Hans Jochen Vogel, Johannes Rau, Oskar Lafontaine, Rudolf
Scharping – all diese SPD-Kanzlerkandidaten seit 1982 – schickte der schwarze
Riese Helmut Kohl in die Wüste. Die linken Kabarettisten konnten es nicht
fassen und geiferten mit Schaum vor dem Mund über die mangelnde
Intellektualität des Birnen-Kanzlers, diffamierten ihn als Politiker der
Mittelmäßigkeit – und beschimpften damit all jene Wähler, die eine
christliberale Mehrheit im Land gewählt hatten. Daß sie damit Helmut Kohls
Macht sicherten, kam unseren selbsternannten Tugendwächtern nicht in den Sinn. Je mehr jedoch die Haßtiraden nachließen,
desto schwächer wurde die schwarz-gelbe Koalition in Bonn. Jetzt hat sich
SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder, der Blaubart von der Leine, darauf
verlegt, seinen schwarzen Konkurrenten zu loben, ihn in liebevollen Umarmungen
zu ersticken. Glaubt man den Meinungsforschern, ist ihm das bisher gut
gelungen. Die Umfragen sprechen für einen Regierungswechsel in Bonn. Aber
Helmut Kohl und die CDU wollen kämpfen – was auch sonst? Ein wenig verzagt
allerdings. Die Kohl-Maschinerie läuft an – nur wohin? Staatsmännisch geriert
sich der 16-Jahre-Kanzler, bietet sich als Plattform für Stabilität und
Solidität. Und die CDU/CSU applaudiert heftig. Was auch sonst? Schuld, daß es
mit Deutschland nicht richtig vorangehe, ist allein die SPD-Verhinderungspolitik
im Bundesrat. Und jetzt auch noch die Zusammenarbeit von SPD und
postkommunistischer PDS in Sachsen-Anhalt – demnächst auch in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
Richtungswahlkampf ist angesagt! Liberal-konservativ gegen Sozialismus! Ora et
labora – beten und arbeiten hilft!
Und
tschüß, VfR
Was
sich in diesem Jahr beim einst so ruhmreichen VfR Heilbronn abgespielt hat,
spottet jeder Beschreibung. Rückblende: Vor knapp einem Jahr schafft der VfR
Heilbronn den langersehnten Aufstieg in die Fußball-Oberliga Baden-Württemberg.
In der Führungsetage herrscht Hochstimmung. Zehn Jahre hatte man diesem Tag
entgegengefiebert. Jetzt in der Oberliga mitspielen – dann die Regionalliga
anpeilen – bei den Schwarz-Weißen setzt man weiterhin hohe Ziele. Und die
Voraussetzungen sind gar nicht schlecht, schließlich haben auch die Junioren
den Klassenerhalt in der höchsten Jugendklasse geschafft. Doch Ziele
formulieren ist die eine Seite, die andere ist, sie auch zu erreichen. Doch die
Umsetzung scheitert beim VfR kläglich. Mit Günther Major wird ein anständiger
Kerl verpflichtet, als Trainer ist die Oberliga für ihn allerdings eine Nummer
zu groß – eine Billiglösung eben. Ebenso bleiben Verstärkungen für die
Mannschaft aus. Leitwölfe wie Wolff und Walla wechseln den Verein, aus
Enttäuschung über die Konzeptlosigkeit. Was nachkommt ist teuer, aber nicht
oberligatauglich. Der Wind bläst den
Schwarz-Weißen schon früh ins Gesicht. Bald wird offen gegen den Trainer
geschossen als dieser sturmreif ist. Plötzlich die Trendwende: Major wird trotz
der prekären Situation das Vertrauen ausgesprochen. Eine Woche vor
Rückrundenbeginn muß Major dann doch seine Koffer packen. Jeder, der auch nur
das Wort Fußball buchstabieren kann, schüttelt fassungslos den Kopf. Otto Frey,
damaliger A-Junioren-Coach, soll es jetzt richten. Ein Krisenmanagement wie auf
der Titanic. Die Entscheidung, die vielleicht zum richtigen Zeitpunkt Wirkung
gezeigt hätte, wird nun zum Bumerang – die Mannschaft hat den Glauben an die
Vereinsführung verloren. Frey taumelt mit einer im Vergleich zu anderen
Oberliga-Teams überbezahlten Mannschaft von Niederlage zu Niederlage. Ein
Verein gibt sich willenlos auf, zu einem Zeitpunkt, an dem der Klassenerhalt
noch in greifbarer Nähe ist. Die Monopolzeitung berichtet von den Spielen, als
stünde der VfR Heilbronn auf einem Mittelfeldplatz. VfR-Präsident Horst Eisele
erklärte in einem Interview vollmundig, daß man nach dem Abstieg in der
Verbandsliga oben mitspielen wird, während sage und schreibe 16 Spieler
fluchtartig den Verein verlassen. Und auch die so gelobten A-Junioren, die
Zukunft des VfR, tritt in die morastigen Fußstapfen der Aktiven: Abstieg! Von
dem Pfund, was der VfR Heilbronn vor wenigen Monaten noch fest in den Händen
hielt, ist nichts mehr geblieben.
War
das nicht Ihre Zeit?
Kennen
Sie das? Da kommt ein junger Mensch daher und sagt zu einem älteren Menschen:
Das war doch ihre Zeit! Gemeint ist die Musik-Richtung. Ihre Zeit – das heißt:
Sie müssen doch ein Elvis-Fan, ein Beatles-Fan oder ein Rolling-Stones-Fan
gewesen sein. Der Ältere schaut ein wenig verdattert. Weiß nicht so recht, was
er sagen soll. Die Opportunisten sagen dann: Ja, ja, das war wohl so –
Beatles-Fan, naja, war ich schon, nicht ganz, aber ich find’ sie schon gut!
Pseudo-Fanatiker geben kund, daß sie alle Platten damals gesammelt hätten.
Obwohl sie nur eine im Schrank stehen haben. Und dann wird geschwärmt. Von
einer guten alten Zeit, die es in der Realität niemals gegeben hatte. Vor allem
von jenen Apologeten, die heute noch ihre wenigen Haare wallend tragen, von
Frauen, die mit fünfzig krampfhaft versuchen, sich so zu schminken und zu
kleiden als ob sie gerade ein Alter zwischen zwanzig und dreißig erreicht
hätten. Es wäre ja ganz einfach zuzugeben, daß man vielleicht gar nicht auf Rock-
oder Popmusik stand, oder sie nur am Rande zur Kenntnis nahm. Denn
komischerweise gab es damals auch andere Musik, die nicht dem kommerziellen Auf
und Ab ausgeliefert war. Musik, die
nicht grenzenlose Freiheit versprach und seltsame Teufelssymbole verwendete.
Aber selbst wenn: Nur wenige Menschen legen sich ihr ganzes Leben auf einen
Musikgeschmack fest. Ein Mensch wandelt sich nicht nur physisch, er verändert
auch gottlob seinen Geschmack … auch seinen Musikgeschmack. Heilige Einfalt!
Stillstand ist Rückschritt! So mancher wendet sich nach dem vielen Rock und
Pop, so ab dreißig, der Klassik und der Oper zu. Man eroberte für sich peu à
peu Bach, Mozart, Beethoven, Verdi, Donizetti, Wagner und vielleicht auch
einige aus unserem Jahrhundert. Oder entdeckt das Musical, das ja auch schon
beinahe ein hundert Jahre alt ist. Banal gesagt: Der Mensch in seinem dunklen
Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewußt. Er macht halt, was ihm gut tut.
Und neugierige Menschen entdecken immer etwas Neues für sich. Manches davon ist
sogar uralt. Der Modekrempel wird beiseite geschoben – und so dringt manch
einer zu Werken vor, die länger haltbar, beständiger in der Qualität sind als
die alltägliche Modemusik. Es gibt auch Leute, die mit 60 ihre 20 Haare zur
Elvis-Tolle drehen. Jeder zeigt, was er ist – oder sein will. „Das war doch
Ihre Zeit!“ Heißt das nicht: Abtreten!
Ihre Zeit ist abgelaufen! – Reichlich unverschämt. Oder?
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