Dienstag, 25. März 2014

Kiliansmännle, 30.09.1998



Die starken Männer?
Gerhard Schröder, der neue rotgrüne Kanzler aus Niedersachsen, kam nicht per Parteivotum zur Kanzlerkandidatur seiner Partei. Die Lähmung in der SPD zu Beginn dieses Jahres hatte dazu geführt, daß den Niedersachsen bei der Landtagswahl aufgebürdet wurde, was eigentlich einem SPD-Parteitag oder einer Mitgliederbefragung zugestanden hätte – nämlich den SPD-Kanzlerkandidaten auszurufen. Die Sozialdemokraten hatten sich quasi selbst entmannt – und die Kandidatenkür dem Plebiszit in einem Bundesland zugeschoben. Die Rechnung war aufgegangen. Aber die Quittung wird noch präsentiert. Denn ein Kanzler Schröder wird sich – wie schon in früheren Zeiten – einen Dreck um Parteitagsbeschlüsse kümmern. Und wenn die Partei nicht mitzieht, kann er immer darauf verweisen, daß sie ohne ihn nicht zur Macht in Bonn oder Berlin gelangt wäre. Unsere Parteiendemokratie hat mit der Wahl vom Sonntag einen deutlichen Schub in Richtung angelsächsisches Demokratiemodell erhalten. Starke Männer braucht das Land. Auch bei der CDU hatte die Partei nur noch zu schlucken, was der Parteivorsitzende und Kanzler Helmut Kohl schon längst entschieden hatte. Eigentlich, so sagte er nach der Bundestagswahl 1994, wolle er 1998 nicht mehr antreten. Und nach der Hälfte der Legislaturperiode zögerte er noch. Dann rief er Wolfgang Schäuble zu seinem potentiellen Nachfolger aus – um letztendlich in einem einsamen Beschluß der Partei mitzuteilen, er trete nochmals an. Jegliches Murren und eventuelles Opponieren wurde unterdrückt und brachial zur Seite geschoben. Kohl spielte seine Macht voll aus. Der alte Elefant vom Wolfgangsee wollte es nochmal wissen. Jetzt weiß er es. CDU und CSU räumen jetzt die Trümmer aus der Ära Kohl und vom Wahlsonntag zur Seite. Kohl tritt als Parteivorsitzender nicht mehr an, Theo Waigel bei der CSU auch nicht. Neue CDU- und CSU-Frauen und Männer braucht das Land an der Spitze. Denn die Erfahrung in Deutschland lehrt: Die Zeit der Opposition kann dauern, bis zu 16 Jahre lang. Die alten Herren auf Ministerpräsidentensesseln in Sachsen oder Sachsen-Anhalt werden demnächst zurücktreten, der CDU-Bundespräsident Roman Herzog wird nicht mehr wiedergewählt, auch wenn er wollte. Deutschland wird rotgrün regiert – im Bundestag, im Bundesrat und demnächst aus dem Kanzler- und dem Präsidentenamt. Und der deutsche Wähler, der Angstgegner aller Parteien? Er entscheidet bei den nächsten Landtagswahlen wie es weitergehen wird. 

Nachfolger gesucht
Der Sieg von Thomas Strobl im Wahlkreis Heilbronn wirft Fragen auf. Wird er seine Ämter in Heilbronn aufgeben? CDU-Kreisvorsitzender will er bleiben. Das ist gar keine Frage für ihn. Und CDU-Fraktionsvorsitzender im Heilbronner Gemeinderat will er auch bleiben. Seine kommunalpolitische Anbindung ist für ihn äußerst wichtig. Deshalb wird er auch bei der nächsten Kommunalwahl in Heilbronn wieder kandidieren. Schließlich war sein Vorgänger Egon Susset bis vor kurzem ja auch CDU-Kreisvorsitzender und ist immer noch im Kreistag vertreten. Der neue Heilbronner Abgeordnete, so stark ihn auch das Abschneiden seiner Partei auf Landesebene und im Bund schmerzen mag, findet in Bonn  eine bereinigte Situation vor. Die Newcomer müssen jetzt nicht mehr schweigend auf die Regierungsbank schielen, um ja nichts Störendes zu sagen. Die Entfaltung der politischen Talente in der Opposition kann sie stark und fähig für eine Regierungsübernahme machen. Da hat es der über die Landesliste in den Bundestag gerutschte Harald Friese erheblich schwerer. Er ist von Beginn an dazu verpflichtet, die rotgrüne Regierungskoalition zu unterstützen. Ob die Koalitionskompromisse nun seinen politischen Ein- und Absichten entsprechen oder nicht. Außerdem muß er sein Amt als Bürgermeister in Heilbronn aufgeben. Als Nachfolger steht schon der SPD-Fraktionsvorsitzende Harry Mergel in den Startlöchern. Und ihn soll die SPD-Vorsitzende im Kreisverband Heilbronn-Stadt Sibylle Mösse-Hagen als neue Fraktionsvorsitzende beerben – als erste Frau, die dieses Amt in Heilbronn bekleidet. Jetzt werden laut und leise auch schon die Kandidatennamen für die Heilbronner Oberbürgermeister-Wahl 1999 gehandelt. Aber ob die beiden Heilbronner Bürgermeister Harry Mergel (SPD, BM in spe) und Artur Kübler (CDU, BM im Amt) sich dem Kandidaten-Gezerre im nächsten Jahr aussetzen wollen, das steht auch noch in den Sternen. Schließlich müssen beide erstmal zeigen, was sie draufhaben. Kübler hat sein erstes Amtsjahr gut überstanden. Mergel, falls er gewählt ist, muß zeigen, was er bewegen kann. Viele Kreise in Heilbronn dürsten nach unverbrauchten OB-Kandidaten von außerhalb. In der CDU haben ja viele tatkräftige Leute in Ministerien jetzt einen Karriereknick – auch Minister. Zum Beispiel Matthias Wissmann in Ludwigsburg. Aber der strebt nach höheren Ämtern in der Wirtschaft. Es wird jetzt sehr  spannend in deutschen Landen – auch im Unterland.
  
Unsere neue Republik
Der designierte Kanzler Gerhard Schröder sprach es schon aus: Er wird in einer Berliner Republik regieren. Der scheidende Kanzler Helmut Kohl war damit das letzte Fossil der Bonner Republik. Es war gut für die deutsche Demokratie, daß ein regierender Kanzler durch ein eindeutiges Wählervotum abgelöst wurde. Das trägt in sich eine neue Qualität der Demokratie im Nachkriegsdeutschland. Und der Sieg der Roten und Grünen am 27. September war vorauszusehen. Die Umfrage-Ergebnisse blieben über Wochen hinweg wie bei keiner anderen Wahl stabil. Das Geschwätz von einer Trendwende kurz vor der Wahl verdeutlichte nichts mehr als das Pfeifen der Ängstlichen im Wald. Das Geschwätz von einer Großen Koalition gehört durch eindeutige Aussagen von CDU, CSU und FDP der Vergangenheit an. Ein Kanzler Schröder besitzt somit nur noch eine Option: Rotgrün. Vor der Wahl wollte er keine eindeutigen Koalitionsaussagen machen, sprach davon, daß alle demokratischen Parteien untereinander koalitionsfähig sind. Jetzt aber wird er festgeklopft zwischen Oskar Lafontaine, dem SPD-Parteivorsitzenden, und Joschka Fischer/Jürgen Trettin von den Grünen. Aber in den ersten Kommentaren und Diskussionen Gerhard Schröders im Fernsehen wurde für jedermann sichtbar und hörbar: Schröder geht ausgesprochen freundlich mit der FDP um. Und Jürgen Möllemann, der FDP-Fallschirmspringer, signalisierte schon, daß man sich bei den Freien Demokraten zur SPD hin öffnen müsse. Schließlich hätten die Liberalen ja plakatiert, daß man Rotgrün samt PDS verhindern müsse. Bei der Wahl des neuen Kanzlers wird die SED-Nachfolgepartei ihre Karte schon ausspielen: Viele PDS-Bungestagsabgeordnete, wenn nicht gar alle, werden ihre Stimme dem Wechsel in Deutschland geben und einen Kanzler Gerhard Schröder mitwählen. Wehren kann sich der dagegen nicht. Denn es wird geheim gewählt. Helmut Kohl jedoch hat dieser deutschen Republik unübersehbar seinen Stempel aufgedrückt, vor allem als Verlierer der Bundestagwahl. Wie er sich verabschiedet hat, das zeugt von großer und bewundernswerter demokratischer Kultur. Das hatte Stil und wird ihm einen Platz in der Geschichte Deutschlands einräumen, den ihm niemand mehr streitig machen kann. Kohl hat sich tief vor dem Wählervotum des deutschen Volkes verneigt, hat die Verantwortung für die Niederlage ganz auf sich genommen. Seit 1945 hatten deutsche Kanzler immer Ränkespiele und Verrat bei ihrem Abgang gewittert, auch wenn nichts als schlichte Machtinteressen ihrer Parteifreunde sie aus dem Amt gedrängt hatten. Der Wechsel war des Volkes Wille. Wir haben eine starke Regierung – und eine starke Opposition – von links und konservativ-liberal. Die Rechten sind nicht im Bundestag. Die deutsche Demokratie ist entscheidungsfreudig und damit quietschlebendig.

Rechts raus
Viele Aspekte in der Bundestagwahl am Sonntag – neben dem Sieg von Rotgrün – sind auch noch interessant und überraschend. Die Grünen haben leicht verloren und fühlen sich dank Riesen-SPD-Zuwächsen auf der Gewinnerseite. Die Freien Demokraten haben ebenfalls verloren, sind aber rundum zufrieden, weil sie auf der Koalitionsverliererseite immer noch Sieger sind. War doch der Bammel vor dem Scheitern an der  Fünf-Prozent-Hürde riesengroß. Daß die PDS als linke Partei über die Fünf-Prozent-Hürde sprang, hat sie fester in das Parteiensystem der Bundesrepublik integriert. Und daß die Rechtsparteien wie Republikaner oder DVU keine Chance hatten, das befriedigt alle demokratischen Parteien. Offenbar will der deutsche Wähler seinen Protest gelegentlich in Landtagswahlen austoben, aber bei Bundestagwahlen wählt man klüger. Trotzdem haben die Republikaner bei uns in Baden-Württemberg vier Prozent der Zweitstimmen erzielt und in vielen Gemeinden des Unterlandes eine überdurchschnittliche Zahl an Wählern überzeugen können. Zum Beispiel erhielten die Republikaner im Wahlkreis Heilbronn 6,4 Prozent der Zweitstimmen, im Wahlkreis Neckar-Zaber 5,5 Prozent und im Stadtkreis Heilbronn sogar 6,6 Prozent der Zweitstimmen. Nach wie vor bleibt das Unterland also eine Hochburg für die Republikaner, auch wenn sie es bundesweit nicht geschafft hatten. Unsere Politiker sollten in den nächsten Jahren stärker schauen, woran es liegt, daß Heilbronn und Umgebung überproportional in Baden-Württemberg rechts wählt. Bundesweit haben wir eine linksradikale Partei wie die PDS im Parlament. Wie in anderen europäischen Ländern auch. Daß wir noch keine Rechtspartei am Rhein haben, das ist die Ausnahme im Vergleich zu den Nachbarstaaten. Die großen demokratischen Parteien sind froh über die Zersplitterung im rechten Lager – und daß denen eine charismatische Führerfigur fehlt. Wenn aber die sozialen Zwänge in nächster Zukunft stärker werden, der Kassensturz in Bonn gemacht ist und die Damen und Herren Politiker einsehen müssen, daß nichts zum Verteilen da und noch Sparen angesagt ist, dann könnten auch Parteien am rechten Rand auch wieder anwachsen – wie schon in vielen Bundesländern geschehen. Auf der linken Seite glaubt man, so schien es am Wahlabend, daß wir jetzt rosigen Zeiten entgegengehen. Aber der große Jubel war schon am Montag verhallt. Und zur Freude bei vielen mischt sich jetzt die Unsicherheit vor dem, was da auf uns zukommt. Am Ende des Jahres sehen wir schon mehr, wird sich der Nebel über Bonn schon gelichtet haben.

Audi und die Landespolitik
Wenn ich auf Unterländer Straßen blicke, dann sehe ich, daß die deutsche Autoproduktion offenbar wieder schön in Fahrt gekommen ist. Auch die Geschäfte bei Audi in Neckarsulm florieren ganz gut – gerade jetzt, da dort 125jähriges Jubiläum gefeiert wird, laufen die Bänder bei der alten „Fahrrad“, wie die Fabrik im Volksmund heute noch liebevoll genannt wird, auf Hochtouren. Auch bei den Dienstwagen in der Stuttgarter Landespolitik liegt Audi hervorragend im Rennen. Schon drei Fraktionsvorsitzende im Landesparlament, der Landtagsvizepräsident, die Landwirtschaftsministerin und der Sozialminister lassen sich bei ihren Terminen in einem Wagen aus Neckarsulm durchs Land chauffieren. Nicht ganz unschuldig daran ist der Unterländer FDP-Landtagsabgeordnete Richard Drautz. der hatte seinen Fraktionschef Ernst Pfister schon zu Beginn der laufenden Legislaturperiode davon überzeugt, daß ein A8 von Audi wohl das richtige Dienstfahrzeug für die Liberalen im Stuttgarter Parlament sein würde. Und nachdem die FDP den Vorreiter gemacht hatte, entschieden sich bald auch Kollegen aus anderen politischen Lagern für eine Luxuslimousine aus der Neckarsulmer Fahrzeugschmiede. Ausschlaggebend, so hört man, sind vor allem der hohe Komfort, das sportliche Image und die große Wirtschaftlichkeit der Autos mit den vier Ringen.  Die Landtags-Liberalen haben sich dieser Tage in Neckarsulm bereits ihren zweiten nagelneuen A8 abgeholt. Bei einer Fahrleistung von über 100.000 Kilometern ist dieser Verschleiß kein Wunder. Mit einem gewissen Stolz übergab Audi-Werksleiter Otto Lindner im Auslieferungszentrum die Schlüssel des Wagens an den Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Richard Drautz und an Fraktionsfahrer Hardy Kaps. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen haben sich die Freien Demokraten diesmal übrigens für eine Motorisierung mit Turbo-Diesel entschieden. Der Sechszylinder mit 150 PS zeichnet sich durch einen äußerst sparsamen Verbrauch und hervorragende Abgaswerte aus, und er schont so die natürlichen Ressourcen. MdL Drautz, der im Landtag stets heftig für die Nutzung erneuerbarer Energie streitet, hatte nach eigenem Bekunden bei dieser Überlegung auch die Verwendung nach nachwachsendem Biodiesel im Auge. Ausgestattet ist der „Öko“-Audi der FDP übrigens auch mit einem Solar-Schiebedach aus der Produktion der Heilbronner Firma ASE. Ist das Auto geparkt, wird bei starker Hitze ein kleiner Ventilator in Gang gesetzt. Mit Sonnenenergie betrieben, befördert der die aufgeheizte Luft durch Lüftungsschlitze nach außen und spart so an Energie für die Klimaanlage.           

Strobls grandioser Sieg
Am Wahlabend hatten Fernsehsender, Radiostationen und Presseagenturen schon gemeldet: Das CDU-Direktmandat in Heilbronn sei verloren gegangen, der SPD-Kandidat Harald Friese habe es für sich geholt. Freude bei den Genossinnen und Genossen – bis kurz vor 22 Uhr am Sonntagabend. Dann kam die große Ernüchterung. Thomas Strobl, der 38jährige Rechtsanwalt und CDU-Kreisvorsitzende, hatte mit seinem furiosen Wahlkampf – entgegen dem Trend – das Ruder in Heilbronn für sich herumreißen können. 43,7 Prozent der Erststimmen konnte er auf sich verbuchen. Und das aus dem Stand heraus. Sein SPD-Gegner Harald Friese schlug sich wacker, aber konnte den bundesweiten Hang zur SPD im Wahlkreis Heilbronn für sich nicht nutzen. Nur in der Stadt Heilbronn erzielte er einen hauchdünnen Vorsprung vor Thomas Strobl. Im Nachbarwahlkreis Neckar-Zaber, zu dem der südliche Teil der Landkreises Heilbronn gehört, verlor Renate Hellwig von der CDU gegen Hans Martin Bury, den vielgelobten Youngster und Senkrechtstarter aus der SPD. Die Dynamik der Wahlkämpfe von Bury und Strobl war ähnlich – ein großer Teil ihres Engagements galt der Jugend zwischen Erstwählern und 40jährigen. Bei der Feier im Heilbronner Ratskeller hörte man Riesensteine auf den Boden plumpsen. Und Strobl-Ehefrau Christine meinte, daß es für ihre Nerven nach den Wahlkampfstrapazen durchaus angenehmer gewesen wäre, wenn es nicht gar so spannend abgelaufen wäre. Schließlich hatten gewichtige CDU-Mannen geglaubt: Wenn die Partei bundesweit verliert, dann ist der Wahlkreis Heilbronn auch perdu. Thomas Strobl kann sich unter den 37 direktgewählten Abgeordneten aus Baden-Württemberg mit seinem Wahlergebnis durchaus neben seinem Schwiegervater Wolfgang Schäuble sehen lassen. Der hatte in seinem Wahlkreis Offenburg 52,7 Prozent der Erststimmen geholt. Neun Prozent mehr als sein Schwiegersohn in Heilbronn. Bei der SPD zitterte Harald Friese noch bis in die Morgenstunden. Erst dann stand fest, daß er über die Landesliste in den Deutschen Bundestag kommt. Heilbronn hat nun zwei Abgeordnete im 14. Deutschen Bundestag. Im Nachbarkreis Neckar-Zaber gibt es nur noch einen Mandatsträger, nachdem Bury das Direktmandat geholt hat. Die Karten – auch für das Unterland – sind neu gemischt. Mit dem Abgang von Egon Susset und Renate Hellwig geht bei uns im Gäu eine politische Ära zu Ende.       

Advent, Advent
Letzte Woche wollte ich eigentlich meinen schönen Engel aus dem Erzgebirge aufhängen, die Geranien aus den Blumenkästen reißen und Tannengrün dekorieren, die Tischdecke mit den Sternen bügeln und die CD mit den Weihnachtsweisen einlegen. Was diesen Anfall von Advent hervorgerufen hat? Ich war einkaufen. Eigentlich so das Übliche: Milch, Käse, Kaffee … Aber dann stolperte ich förmlich über einen Verkaufstrog mit Lebkuchen und Spekulatius, Marzipan, Weihnachtskugeln aus Schokolade und Christstollen. Das ganze Pappgestell war außen allerliebst verschönt mit Bildern mit viel Schneeflocken und Schlitten, dick eingemummelten Kindern, kleinen Häuschen, aus denen heimelig das Licht scheint. Beim Getränkehändler das Übliche: Apfelsaft, Sprudel, Bier … Aber dann, Glühwein mit und ohne Alkohol. Im Bereich der Supermarktkasse das Übliche: Batterien, Kaugummis und Schokoriegel … Aber dann, bunte Girlanden mit Herzen dran, goldene Sterne, Kerzen mit Goldverzierung, jede Menge Weihnachtsdekoration. Beim Bäcker eigentlich das Übliche: Brot, Brötchen und Croissants und Hefezopf … Aber dann, fein säuberlich geschichtet und gestapelt Weihnachtsgebäck. Irgendwie kommen einem da doch Zweifel, ob man nicht zu spät dran ist im Leben, wenn man gerade noch den ausgehöhlten Kürbis vor die Haustür gestellt hat, einen Drachen am blauen Herbsthimmel steigen läßt, mittags noch ein bißchen auf der Terrasse sitzt, sich über Astern und Chrysanthemen freut. Zwiebelkuchen schmeckt eigentlich noch besser als der Christstollen, neuer Wein besser als Glühwein. Aber man möchte ja in unserer bekanntlich schnellebigen Zeit nichts versäumen. Nicht daß Weihnachten gar unbemerkt an uns vorübergeht. Also doch schon mal den Schwibbogen entstauben, einen Vorrat an Spekulatius anlegen, Kerzen und Zündhölzer horten und nicht vergessen, Weihnachtshefte zu kaufen – zwecks Menüfolge und Tischdekoration. Lassen Sie sich von äußeren Gegebenheiten wie Sonnenschein, Weinlese, Zierkürbissen und bunten Blättern nicht verwirren. In den Geschäften heißt die Jahreszeit Advent … Aber dann? Wir warnen Sie rechtzeitig, wenn man an Ostern denken muß.

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