Erschießen
– und klick
Auf
einem Waldparkplatz in Heilbronn an einem schönen Sonntag. Junge Männer stehen
vor ihren Autos. Sie lachen, grölen, haben die Bierdosen auf die Kühlerhaube
gestellt. Der langsam an der Gruppe vorbeifahrende Autofahrer schaut zum
Fenster hinaus – und erspäht eine makabre Szene. Einer der Jungmänner kniet vor
seinem Auto. Ein anderer hält ihm eine Pistole an den Kopf. Ein Dritter
fotografiert dieses Schauspiel, das an Fotos aus dem Vietnam-Krieg erinnert.
Die angeheiterten Jugendlichen nehmen von den anderen Besuchern des Waldes kaum
Notiz. Und wenn, dann sind sie belustigt über die entsetzten Gesichter der
vorübergehenden Zeitgenossen. Daß sie nicht deutsch, sondern eine
osteuropäische Sprache sprechen, ist nicht weiter von Bedeutung. Schwerwiegend
an diesem Vorfall scheint mir, daß offenbar sorglos die mörderische und
menschenverachtende Todesmaschinerie auf unserer Welt so hemmungslos als
„Indianerspiel“ verharmlost wird. Erwachsene, die mit ihren Kindern im Wald
spazieren gehen, sollten bewußt in Angst und Schrecken versetzt werden – kalkulierter Horror als gestelltes Bild.
Tabu-Brechung als visuelle Waffe. Seht her, was wir uns erlauben – und wenn wir
wollten ... Niemand wehrt diesen Jugendlichen, die „nur“ spielen, was bei der
osteuropäischen Mafia tagtäglich zum bitteren Ernst wird. Geschmacklose Spiele
am Waldesrand – von Leuten öffentlich dargeboten, die offenbar weder Werte noch
Anstand besitzen. Ein weitverbreiteter Mangel, der zunimmt!
Hannover
brummt
Bis
zum 25. April brummt es auf der Hannover Messe Industrie. Die Wirtschaft
erhofft sich von dieser weltweit größten Industriemesse Impulse – vor allem die
deutsche. Was die 7.300 Unternehmen aus 79 Nationen in der Schröder-Stadt an
der Leine präsentieren, das interessiert die breite Masse weniger als das, was
zum Beispiel vor wenigen Wochen bei der Cebit, der weltweit größten
Computermesse an Produkten gezeigt wurde. Aber wichtig ist in diesen Tagen für
die rund 70 Firmen aus der Region Franken, darunter 15 allein am Stand der
Industrie- und Handelskammer Heilbronn in Halle 2, daß man jetzt Aufträge
hereinholt – oder sich mit seinen Produkten so präsentiert, daß die Aufträge
wenigstens in den nächsten Monaten eintrudeln. Die IHK Heilbronn gehört mit ihren Gemeinschaftsstand, bei dem die
Fläche heuer auf 450 Quadratmeter erweitert wurde (von 170 Quadratmetern), zu
den hundert größten Ausstellern auf der Hannover Messe. Was Geschäftsführer Dr. Helmut Kessler (mit seinen
freundlichen Helferinnen und Helfern) da auf die Beine gestellt hat, das kann
sich sehen lassen – und bietet allen Interessierten einen freundlichen Service,
der mit großem Lob von der Messeleitung bedacht wird. Und was soll von der
Hannover Messe als Bosheit ausgehen? Professor Dr. Klaus E. Goehrmann, der Vorstandsvorsitzende der Messe in Hannover,
meint, daß von der 51. Hannover Messe ein Impuls für das nächste Jahrtausend
gesetzt wird. Es seien schließlich neben gängiger Technik ungeheuer viele
Innovationen zu sehen. Deutschland und Europa sollen in Hannover zeigen, daß
sie im weltweiten Wettbewerb eine führende Rolle spielen. 300.000 Besucher
werden bis zum Wochenende erwartet. Wenn sich die Messe danach als Exportmotor
erweist, der neue Akzente setzt – gut, sehr gut, wenn sich das auch auf
deutsche Arbeitsplätze auswirkt. Wo ein Glaube ist, findet sich ein Weg. Denn
wir benötigen – in ganz Deutschland und auch bei uns in der Region Franken –
Impulse für den Arbeitsmarkt. Und daß die Heilbronner IHK als einzige Kammer
aus Baden-Württemberg auf der Hannover Messe präsent ist – das ist schon mal
ein vielversprechendes Signal.
Käthchenwahl
Die
historische Figur Heilbronns heißt „Götz
von Berlichingen“. Mit der wird dank Johann
Wolfgang von Goethe und seinem Ritterdrama fast jeder deutsche Schüler
gequält. Heinrich von Kleist’s
Ritterschauspiel „Käthchen von Heilbronn“ verblaßt dagegen. Auf deutschen
Bühnen ist es kaum zu finden. Und in den Schulen wird es auch nur gelegentlich
mühsam durchgekaut. Als Fremdenverkehrspuppe oder als Schmalzfigur in
Metzgerläden macht es sich jedoch ganz putzig. Auch als offizielle
Repräsentationsfigur der Stadt Heilbronn. Beim dritten Europa-Ball in der guten
Stube Heilbronns, der Harmonie, verfolgten rund 700 Ballgäste die Prüfung von
elf Kandidatinnen. Die vierzehnte Käthchenwahl in Heilbronn war dann auch ein
Fest der Nationen, bei dem Folklore- und Tanzgruppen aus fünf europäischen
Ländern auftraten. Das alte Käthchen Bettina
Bopp verabschiedete sich mit einer Liebeserklärung an ihre Heimatstadt. Das
neugewählte Käthchen, die Schülerin Ilka
Maier, war überglücklich: Ein Traum war für sie in Erfüllung gegangen. Aber
auch für ihre beiden Stellvertreterinnen Christin
Wohlrath (18), Schülerin am Wirtschaftsgymnasium in Heilbronn, und Biljana Jovic (19), Justizangestellte
am Landgericht Stuttgart, waren recht glücklich, noch den zweiten und dritten
Platz erreicht zu haben. Für Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann, der das frischgewählte Käthchen als erster in
den Arm nehmen konnte, um sie auf das glatte Harmonie-Parkett zum langsamen
Walzer zu begleiten, war die Auswahl unter den jungen Damen eine „gute Wahl“.
Moderator des Ballabends war der Studioleiter des SDR-Regionalstudios Lutz Wagner, der die jungen Damen
behutsam in ihre neue Repräsentationswelt einführte. Was in den nächsten Wochen
und Monaten auf die Mädchen aus Heilbronn zukommt, ist wahrscheinlich kein
Zuckerschlecken oder gar Weinschlotzen, sondern harte PR-Arbeit, bei der sie
mehr Staffage als agierende Person sind. Aber das ist ja auch eine Erfahrung
wert.
Heilbronner
Einfahrten
Wenn
Sie mal von Heilbronn nach Neckarsulm fahren, begrüßt Sie zunächst der neue
Europlex-Filmpalast im südlichen Industriegebiet der Autostadt. Dann sehen Sie
links und rechts imposante Verwaltungsgebäude, Autohäuser – und nach der
Autobahnbrücke ist die Einfahrt in die Stadt immer noch recht ansehnlich.
Fahren sie zurück nach Heilbronn, sehen Sie auf der rechten Seite das alte
Industriegebiet mit dem Neubau des Druckhauses der Tageszeitung Heilbronner
Stimme. Neue Autohäuser versprechen eine angenehme Weiterfahrt. Aber kurz
danach beginnt links und rechts eine Ansammlung
von häßlichen Gebäuden. Der Endpunkt ist dann die wenig schmeichelhafte
Rückseite des Stadttheaters mit dem danebenliegenden Schotterplatz. Eine
Einfahrt nach Heilbronn, die darlegt, wie die Stadt sich in den letzten beiden
Jahrzehnten entwickelt hat. Und welcher Geist diese Entwicklung prägte. Nicht
viel anders sieht es aus, wenn man die Saarlandstraße hinausfährt. Zwischen
Europaplatz und Neckarbrücke – nicht gerade ein schöner Anblick. Und dann ist
die Straße breit und übersichtlich – vorbei an der Städtischen Krankenanstalt „Am
Gesundbrunnen“ – endet sie im Nichts. Sprich sie biegt ab nach Frankenbach,
anstatt auf den Feldern geradeaus zu führen – direkt zur Bundesstraße 293 nach
Leingarten und Eppingen. Wäre es so, könnten die Frankenbacher ruhiger
schlafen. Von einer Fahrt von Heilbronn nach Weinsberg will ich gar nicht reden
– denn da ist nur die Straße auf Weinsberger Gemarkung ausgebaut. Der Zubringer
nach Untergruppenbach soll ja erweitert werden, fragt sich nur wann. Das kann
dauern, bei den Bauplanungen in Heilbronn – vor allem, was diese Straßen
anbetrifft. Außerdem stimme ich allen Kritikastern zu, die das sagen: In
Heilbronn glaube ich immer erst an die Umsetzung einer Planung, wenn gebaut
wird. Vorher nicht. Siehe Berliner Platz. Es wurde in den letzten zwanzig
Jahren vielfach auf dem Rathaus das Mäulchen gespitzt, aber nicht gepfiffen.
Zur Zeit sind viele Mäuler gespitzt.
Es
tut sich was
Traditionell
lädt die Industrie- und Handelskammer Heilbronn als einzige Kammer aus
Baden-Württemberg nach Hannover zur Industriemesse ein. Als am Montag dieser
Woche die Presse aus der Region auf dem IHK-Stand in Halle 2 auftauchte, war im
Kontrast zu vergangenen Jahren der Prominentenauftrieb gering. Auch beim
Empfang am Montagabend im Insel-Restaurant fehlte die politische und
wirtschaftliche Spitzenbesetzung. Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger allein spielte den „Maître de plaisir“. Gestern
aber, bei der Pressekonferenz auf dem IHK-Stand, waren sie dann alle da: der
neue IHK-Präsident Günter Steffen,
der Wirtschaftsminister des Landes, Walter
Döring, Heilbronns Erster Bürgermeister Werner Grau, Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Gerhard Pfander,
Heilbronns Landrat Klaus Czernuska,
einige Bürgermeister und Landräte aus der Region, und viele andere aus
Wirtschaft und Politik. Günter Steffen, der IHK-Präsident, war erst am frühen
Morgen aus den USA zurückgekehrt. Dort hatte er mit einer amerikanischen
Investorengruppe verhandelt. Denn er will mit seiner Software-Firma weltweit
agieren. Die Amerikaner waren angetan, schlugen dem Unternehmer Steffen jedoch
vor, seine Unternehmen nach England oder Holland zu verlegen. Schließlich seien
dort die Steuersätze günstiger. Walter Döring, der Wirtschaftsminister, hörte
diese Botschaft mit gelassener Ruhe. Täglich werde ihm diese Klage vorgetragen.
Er und sein „Verein“, die FDP, kämpfen schließlich für niedrige Steuersätze in
Deutschland – vor allem im Hinblick auf die Bundestagswahl. Damit das Land auch
bei den Steuersätzen weltweit wettbewerbsfähig wird. Aber der Koalitionspartner
in Stuttgart und Bonn, die Union, schießt mit Ökosteuervorschlägen ständig
dazwischen. Jedoch wird sich wohl bei den Steuersätzen in diesem Jahr kaum mehr
etwas bewegen. Reinen Tisch wird erst die neue Regierung in Bonn nach dem 27.
September machen. Bei der Hannover Messe übrigens setzte kaum einer mehr auf
Helmut Kohl. Er und seine Partei, die Union, hatte das Feld bei diesem
wichtigsten Wirtschaftstreffen in Deutschland voll dem Herausforderer Gerhard Schröder überlassen. Wir sehen
die Zeichen an der Wand …
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