Dienstag, 25. März 2014

Kiliansmännle, 28.10.1998



Wer verdient schon was?
Die neuen Lohnrunden sind schon eingeläutet. Sechs Prozent mehr fordern einige Gewerkschaften und begründen ihren lautstarken Zuschlag mit den enormen Gewinnen der Unternehmen in den vergangenen Jahren. Unternehmer und Manager in den Großbetrieben weisen diese Forderungen als absurd zurück. Trotzdem: Wenn die angekündigten Preiserhöhungen bei Gas, Strom und Benzin Realität werden, dann werden die Bürger vehement einen Ausgleich fordern. Wie sehen aber die Realitäten in der Einkommenstruktur aus? Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat in diesen Tagen Daten vorgelegt. Danach verfügen Selbständige und Beamte über die höchsten Haushaltseinkommen in Deutschland. 1996 konnten diese Haushalte durchschnittlich 172.800 Mark im Jahr ausgeben. Die Beamtenhaushalte lagen mit einem Einkommen von 84.900 Mark deutlich vor den Angestellten mit 67.900 Mark und den Arbeitern, die sich mit 55.600 Mark netto begnügen mußten. Nichterwerbstätige hatten im Schnitt 41.600 Mark zur Verfügung. Bei den Berechnungen für die Selbständigen und Beamten sind laut statistischem Bundesamt die Aufwendungen für die private Krankenversicherung noch nicht berücksichtigt. Im Vergleich zum Jahr 1991 haben vor allem die pensionierten Beamten ihre Einkommen gesteigert. Sie hatten mit durchschnittlich 69.000 Mark ein um 28 Prozent höheres Einkommen als noch fünf Jahre zuvor, die Arbeiter konnten ihr Einkommen nur um 15 Prozent steigern. – Der Wahlkampf ist vorüber. Und von den Rückstellungen für Beamtenpensionen ist keine Rede mehr. Dabei muß der Staat für seine Diener in Kommunen, Ländern und im Bund jährlich mehr ausgeben, damit die Pensionen gesichert sind. Da ein Parlament meistens leer ist, aber immer voller Lehrer – sprich Beamte, wird sich in nächster Zukunft auch nicht viel ändern. Dabei könnten die Beamten bei ihren derzeitigen Gehältern durchaus etwas zu ihrer Altersversorgung beitragen. Aber so mancher Altlinke unter den Beamten, der den Marsch durch die Institutionen angetreten hat, ist heute noch der träumerischen Ansicht, wenn schon der Sozialismus in Europa nicht gesiegt hat, dann sollte wenigsten in Deutschland bei der Beamtenversorgung der letzte Rest Sozialismus sorgsam gehütet und bewahrt werden. Dabei setzt er behäbig auf die linken Gruppierungen bei den Grünen und den Sozialdemokraten, die es geschafft haben, jetzt in der Bundesregierung zu sitzen. Dort werden sie mit den anderen Beamten aus den unterschiedlichsten Parteien von links bis rechts schon für die Unantastbarkeit unseres Beamtenstaates sorgen. Das war schon immer so – warum sollte es gerade jetzt geändert werden? Eine große Koalition in der Tradition des deutschen Untertanengeistes. Heinrich Mann läßt grüßen – mit seinem Der Untertan (Roman). 

Bürgermeister
Wenn man Gehälter im öffentlichen Dienst berechnen will, dann kommen die seltsamsten Zahlen am Ende heraus. Bei den Bürgermeistern des Landkreises richtet sich das Entgelt nach der Einwohnerzahl ihrer Gemeinden, nach dem Alter des jeweiligen Amtsinhabers, seinen Dienstjahren, dem Familienstand, etc. Die Eingangsstufe liegt bei der Besoldungsgruppe A 13 mit rund 80.000  Mark Jahresgehalt. Und die BM-Gehälter im Landkreis Heilbronn enden beim Bundesbesoldungstarif B 4 mit 11.215,34 Mark monatlich. Zuzüglich: Familienzuschlag, Aufwandsentschädigung (rund 15 Prozent des Gehalts)  und 13. Monatsgehalt. Andere Beispiele aus dem Unterland: Der Heilbronner Oberbürgermeister wird nach Tarif B 9 bezahlt: monatlich 14.792,26 Mark. Plus diverse, sehr unterschiedliche Zuschläge. Der Landrat des Landkreises Heilbronn wird nach B 7 bezahlt: monatlich 13.259,68 Mark – ohne die Zuschläge. Der Erste Bürgermeister der Stadt Heilbronn wird nach B 6, also mit 12.803,73 Mark monatlich bedacht, ohne Zuschläge. Und ein Bürgermeister der Stadt Heilbronn wird nach B 5 mit monatlich 11.929,40 Mark bezahlt. Beim Herausfinden des Jahresgehaltes unserer aus Steuergeldern bezahlten höheren Beamten kommen dann die verschiedenen Brechnungen zu recht unterschiedlichen Ergebnissen. Auf Seite 8 des Neckar Express sind jene Zahlen genannt, die von den Pressestellen der Stadt Heilbronn und des Landratsamtes der Redaktion mitgeteilt wurden. Anlaß für die Gegenüberstellung der verschiedenen Bezüge von Bürgermeistern, Oberbürgermeistern, Landtags- und Bundestagsabgeordneten, Intendanten und Verwaltungsdirektoren ist der Beginn der 14. Legislaturperiode in Bonn. Am Montag trat der neue Bundestag zusammen. Und da ist es schon interessant, zu erfahren, was unsere Abgeordneten so verdienen. Und auch die anderen aus öffentlichen Haushalten bezahlte Verwaltungsmanager.

Egon Susset, MdB a.D.
Egon Susset (67), seit 1969 Bundestagsabgeordneter aus dem Unterland in Bonn, scheidet mit den Zusammentreten des neuen Bundestags am Montag dieser Woche nach 29 Jahren Zugehörigkeit aus dem obersten deutschen Parlament aus. 12.316,16 Mark verdiente er pro Monat – zu versteuernde Diäten. Die Kostenpauschale von monatlich 6.344 Mark entfällt nun. Egon Susset steht jetzt ein sogenanntes Übergangsgeld zu. Pro Jahr Bundestagszugehörigkeit ein Monat Diäten-Vergütung. Aber eine Neuregelung besagt, daß trotz 29jähriger Zugehörigkeit maximal 18 Monate bezahlt werden. Das wären dann rund 222.300 Mark Übergangsgeld. Allerdings werden bei Egon Susset acht volle Wahlperioden à vier Jahre berechnet, macht zusammen 32 Jahre. Und da die verschiedenen Novellierungen ebenfalls beachtet werden müssen, kann sein Übergangsgeld weitaus höher ausfallen als die 18 Monate mal Diät (12.316 Mark). Übergangsgeld oder gleich die Rente (Altersentschädigung) des Bundestags – dazwischen muß sich Egon Susset jetzt entscheiden. Denn beides zusammen geht nicht. Bei seinen Rentenbezügen sieht es so aus: Da maximal 69 Prozent der letzten Bezüge vom Deutschen Bundestag als Altersentschädigung bezahlt werden, wird Egon Susset eine monatliche Rente (bzw. Altersentschädigung) in Höhe von 8.522 Mark erhalten. Seine ihm zustehenden Renten-Bezüge als ehemaliger Bürgermeister in Wimmental und als Landwirt bzw. Weingärtner werden mit seiner Altersentschädigung als Bundestagsabgeordneter verrechnet. Verglichen mit Vorständen in der Wirtschaft oder höheren Beamten sind diese Bezüge wahrlich nicht herausragend. Verglichen mit dem Normalbürger ist ein Bundestagsabgeordneter also recht gut im Alter gepolstert. Wofür sich der Heilbronner CDU-Abgeordnete a.D. Egon Susset entscheiden wird, das stand bei Redaktionsschluß noch nicht fest: Für die sofortigen Bezüge der Altersentschädigung in Höhe von 8.521 Mark oder für das steuerpflichtige Übergangsgeld, das mindestens 222.300 Mark betragen wird. Ein Schwabe rechnet da sehr genau, welche Vorteile oder Nachteile das eine, welche das andere Rechenmodell mit sich bringt.

Bury legt offen
Hans Martin Bury, geboren am 5. April 1966 in Bietigheim, 1985 Abitur in Bietigheim-Bissingen, 1985 bis 1988 Studium der Betriebswirtschaft in Stuttgart und Mosbach, Abschluß als Diplombetriebswirt (BA), seit 1988 Vorstandsassistent der Volksbank Ludwigsburg, SPD-Bundestagsabgeordneter seit 1990, September 1992 bis November 1994 Sprecher der Gruppe junger Abgeordneter Youngsters, seit 1994 Sprecher der SPD-Fraktion für Post- und Telekommunikation, seit 1997 Mitglied des Verwaltungsrates der Deutschen Ausgleichsbank, wurde am 27. September 1998 im Wahlkreis Neckar-Zaber erstmals mit 42,6 Prozent der Erststimmen direkt in den Deutschen Bundestag gewählt. Seit Jahren schon macht der Abgeordnete Bury sein Einkommen der Öffentlichkeit transparent. Wenn es nach Hans Martin Bury ginge, müßten alle Abgeordneten ihre Einkünfte offenlegen. „Doch soviel Offenheit ging der Mehrheit zu weit. Eine entsprechende Gesetzesinitiative der SPD wurde abgelehnt. Das schafft verständlicherweise Mißtrauen. Auch bei der Altersversorgung und beim Übergangsgeld gibt es aus unserer Sicht Fehler, die mit der Parlamentsreform nur zum Teil korrigiert wurden.“, meint der Youngster aus Bietigheim-Bissingen. 12.316,16 Mark steuerpflichtige Diäten erhält er pro Monat, wie seine neuen Kollegen aus Heilbronn Thomas Strobl und Harald Friese. Über seine monatliche Kostenpauschale in Höhe von 6.344 Mark gibt Bury Auskunft: Büromiete und Nebenkosten 907,oo Mark; Bürokosten 259,oo Mark, Porto 272,oo Mark, Zeitungen, Zeitschriften 1.591,oo Mark; Bücher 1.063,oo Mark; Telefon 926,oo Mark; Spesen Team Bury 272,oo Mark; Partei- und sonstige Mitgliedsbeiträge, Wahlkampfrücklage  240,oo Mark;  Miete Zweitwohnung Bonn/Nebenkosten 261,oo Mark; Pkw/Reisekosten/Spesen 367,oo Mark; Veranstaltungen/Information/Öffentlichkeitsarbeit 531,oo Mark. Gesamtkosten 6.417,oo Mark. Fehlen also 73 Mark. Die muß Hans Martin Bury dann zuschießen. Und er merkt an: „Sonderzahlungen wie 13. Gehalt, Weihnachts- oder Urlaubsgeld gibt es nicht. Dafür ein Arbeitspensum von 60 bis 100 Stunden an sechs bis 7 Tagen pro Woche. Kein Grund zur Klage: Jeder Abgeordnete hat sich seinen Beruf selbst ausgesucht, ja sogar um seine Wahl gekämpft. Die Bezahlung dürfte dabei für die wenigsten eine Rolle gespielt haben. Denn vergleichbar verantwortungsvolle Positionen werden außerhalb der Politik weit besser bezahlt.“ Zum Vergleich: Von 1977 bis 1995 stiegen die Einkommen leitender Angestellter um 143 Prozent, von Angestellten in Industrie und Handel um 115 Prozent, die Angehörigen des Öffentlichen Dienstes legten immerhin um 89 Prozent zu – die Diäten für Bundestagsabgeordnete dagegen um ganze 38 Prozent. Damit hat sich der Bundestag so stark von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt, daß nun schrittweise wieder das Niveau erreicht werden soll, das nach der Neuregelung von 1977 nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts als angemessen angesehen wurde, nämlich das von Oberbürgermeistern, Richtern und leitenden Beamten. Unsere MdB’s überbezahlt? Wahrlich nicht!   -

 Was verdient ein MdL?
Im Unterland haben wir viele Landtagsabgeordnete. Zunächst die direkt gewählten: Johanna Lichy (CDU, Wahlkreis Heilbronn-Stadt), Hermann Mühlbeyer (CDU, Neckarsulm) und Gerd Zimmermann (CDU, Eppingen). Über die Zweitauszählung kamen aus dem Unterland in den Landtag Dr. Dieter Spöri (SPD, Wahlkreis Heilbronn, der aber nach kurzer Zeit dann sein Mandat zurückgab, das dann nach Aalen ging), Wolfgang Bebber (SPD, Eppingen), Richard Drautz (FDP/DVP, Eppingen), Michael Herbricht (Republikaner, Eppingen), Alfred Schöffler (SPD, Neckarsulm) und Alfred Dagenbach (Republikaner, Neckarsulm). Was verdienen nun unsere Landtagsabgeordneten? Teilzeitparlamentarier sind sie, sagt das Gesetz. Denn neben der politischen Arbeit soll auch noch die Tätigkeit im angestammten Beruf möglich sein. Ein Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag bekommt derzeit monatlich 8.058 Mark – eine Entschädigung für die Ausübung des Mandats, das laut Bundesverfassungsgericht als berufliche Tätigkeit einzustufen ist. Die Summe muß versteuert werden. Ein 13. Monatsgehalt wird nicht gezahlt. Daneben gibt es Aufwandsentschädigungen, die Geld- und Sachleistungen umfassen. Eine Pauschale von monatlich 1.632 Mark erhält der Abgeordnete für allgemeine Unkosten wie Wahlkreisbüro und Porto. Als Tagesgeldpauschale werden 693 Mark im Monat gewährt – als Ausgleich für Verpflegungs- und Unterbringungskosten in Stuttgart und bei parlamentarisch bedingten Reisen. Die Reisekostenpauschale hängt davon ab, wie weit der Wohnsitz des Abgeordneten vom Landtag entfernt ist. Die Spanne reicht von 515 bis 1.313 Mark, wobei es je nach Wahlkreisgröße Zu- oder Abschläge gibt. Das Land zahlt dem Abgeordneten auch die tatsächlich entstandenen Kosten für eine Büro- oder Schreibkraft. Als Alternative ist aber auch eine monatliche Pauschale von 610 Mark möglich. Zur Aufwandsentschädigung gehört außerdem, daß der Abgeordnete Telefon oder Fax im Landtag kostenlos benutzen darf, wie auch öffentliche Verkehrsmittel in Stuttgart und die Eisenbahn in Baden-Württemberg. Nach dem Ausscheiden aus dem Landtag steht dem Abgeordneten ein Übergangsgeld zu. Die Dauer der Zahlung hängt davon ab, wie lange der Landtagsabgeordnete im Parlament war. Anspruch auf Altersentschädigung hat im Regelfall ein Abgeordneter, wenn er 60 Jahre alt ist und dem Landtag acht Jahre angehört hat. – Rund 11.000 Mark verdient also ein Abgeordneter im baden-württembergischen Landtag – alles im allem.      

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen