Sonntag, 23. März 2014

Kiliansmännle, 06.05.1998



Heilbronner Stadtbahn
Die Stadtbahn fährt durch Heilbronn. Irgendwann – demnächst. So richtig kann sich das in Heilbronn noch niemand vorstellen. Aber die die Stadtbahn ist Chefsache auf dem Rathaus. Und somit ist alles klar. Vor wenigen Tagen aber wurde etwas öffentlich, was Sand ins Getriebe der Stadtbahn bringen könnte. Die Überquerung der Allee durch den Zug bringt einige Probleme mit sich. Entweder muß die 1971 eingeweihte Unterführung Allee/Moltkestraße zugeschüttet werden (Kosten ein bis zwei Millionen Mark) – oder aber sie muß für viel Geld (zehn Millionen Mark) umgebaut werden, damit die Decke unter der schweren Last des Stadtbahn-Zuges nicht zusammenbricht. Dabei hatte die Stadt und die Volksbank vor nicht allzu langer Zeit (1992/93) erst frisch umgebaut. Zuschuß der Bank: 1,6 Millionen Mark. Bisher waren die Anlieger dieser Unterführung von der Stadt nicht gehört worden – und sind derzeit darob reichlich verwundert, teilweise verärgert oder gar erzürnt. Wie die 36,6 Meter langen Züge in der Moltkestraße wenden – auch das ist noch reichlich ungeklärt. Vielleicht wäre es doch besser, die Stadtbahn fährt auf der alten Trasse in Richtung Weinsberg, vorbei am Karlstor-Bahnhof. Eine andere Alternative: Sie gondelt durch die Weinsberger Straße direkt auf den kleinen Bahnhof zu – am Nordrand der City kann dann aus- und zugestiegen werden. Oder man leitet sie über die Südstraße auf den Tunnel im Gemmingstal zu. Dann steigen die Fahrgäste am Westrand der Innenstadt aus und zu. Wie auch immer. Kluge Lösungen sind gefragt.

OB Kübler
Heilbronns Oberbürgermeister heißt Dr. Manfred Weinmann, der von Neckarsulm Volker Blust und der OB von Öhringen Jochen K. Kübler. Als Bürgermeister kam Kübler 1987 nach Öhringen. Seit 1. April 1994 ist er Oberbürgermeister, nachdem die Stadt zur Großen Kreisstadt avanciert ist. In einem Südfunk-Interview gab er vor wenigen Tagen eine Stunde lang Auskunft über sich und seine Laufbahn, seine Verständnis von Kommunalpolitik und seiner derzeitigen Befindlichkeit. Auf Erfolge kann er in Öhringen durchaus verweisen. Zusammen mit der Bürgern wurde ein Kernleitbild erarbeitet. Stadtmarketing hieß dabei für ihn, die Kräfte bündeln – und die Aufgabe der Stadtverwaltung heißt dabei, für die Bürger da sein. Das heißt, für Sorgen und Anliegen ein offenes Ohr haben, die öffentlichen Aufgaben erfüllen – und zwar kundenfreundlich. „Wir wollen für die Bürger da sein!“ ist das Credo des Öhringer Oberbürgermeisters, eines gebürtigen Stuttgarters. Schwierigkeiten hat er nur mit der manchmal blumigen Art der Hohenloher, Probleme zu beschreiben und anzugehen. Kübler ist da offen und direkt, wo man im Hohenloher Landstrich die harten Fakten gern verpackt darreicht. Trotzdem hat er bei durchgeführten Umfragen rund 90 Prozent Zustimmung in Öhringen erreicht. Dennoch war aus dem Südfunk-Gespräch beim Frankenradio mit Kübler eine gewisse Unzufriedenheit herauszuhören. Was der OB sich vorgenommen hatte, ist erreicht. Jetzt reizen ihn offenbar Aufgaben, die außerhalb der Öhringer Stadtmauern liegen. Südfunk-Reporter Wolfgang Köhler sprach jedoch nicht das Thema „Heilbronner OB-Wahl im Jahre 1999“ an. Denn in der Käthchenstadt wird viel darüber spekuliert, ob sich Jochen K. Kübler zu gegebener Zeit um die Nachfolge von Dr. Manfred Weinmann bewirbt. Es wird schon heftig darüber gemunkelt, daß die Christdemokraten in Heilbronn ihn dann unterstützen werden. Und die Vorbehalte bei den Sozialdemokraten halten sich auch in Grenzen. Denn der Aufschwung in Öhringen ist den Heilbronnern nicht verborgen geblieben. Aber in den kommenden Monaten wird zunächst einmal das große Ganze neu gemischt, dann erst kommt das Kleine im kommunalen Bereich.

Wer mit wem?
Da haben sie nun eine Mehrheit in Sachsen-Anhalt, die Sozialdemokraten (SPD) und die Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) – und sogar einen Wählerauftrag mit 58,7 Prozent der Stimmen (SPD, Grüne, PDS) dank ihrer Politik aus den vergangenen vier Jahre bekommen – und es wird gehampelt und gestrampelt wie im Kinderwagen. Nur weil Gerhard Schröder in Bonn, der dem Ossi Höppner noch vor vier Jahren empfohlen hatte, die PDS ins Regierungsboot zu hieven, jetzt nur noch eine Koalition mit der CDU will. Da sträuben sich den SPD-Ossis alle sozialistischen Haare. Und sie können nicht einsehen, daß – wie weiland unter Erich, dem Dachdecker aus dem Saarland – von oben befohlen, was unten nicht gewollt wird. Denn im Wahlkampf wurde heftig dafür gefochten, daß die gute Sozialisten-Politik, die Grüne, SPD und PDS gemeinsam eine Legislaturperiode in Magdeburg gemacht hatten, jetzt vollendet wird. Und das geht eben nicht mit den Schwarzen. Klaro! Das muß doch jeder vernünftige und klar denkende Mensch einsehen. Nur nicht die im Wählerstimmen-umbiegen geübten Westgenossen. Die wollen bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 nicht dank einer Roten-Socken-Kampagne der Christdemokraten als Verlierer dastehen. Aber mit dem Sand-in-die-Augen-streuen ist es vorbei. Im Osten Deutschlands wird Vergangenheitsbewältigung auf besondere Art geübt. Einerseits stehen die SED-Nachfolger mit rund 20 Prozent hoch im Kurs. Auch wenn sie damit eine große Minderheit bilden. Andererseits haben die Ossis gelernt, daß rechtsradikale Parteien zu wählen, den Altparteien einen gehörigen Schrecken in die Glieder jagt – und sich dann vielleicht mehr bewegt als zuvor. Und drittens üben sie ja noch ein, was Demokratie nach westlichem Muster heißt. Die Honni-Sozialismus-Demokratie hatten sie ja mehr als satt, vor zehn Jahren schon. Jetzt sind unsere Brüder und Schwestern im Osten für Überraschungen bei der Bundestagswahl im Herbst mehr als gut – und treiben derzeit den Meinungsforschern den Schweiß auf die Stirn. Denn die Sachsen-Anhalt-Wahl war auch ein Desaster für die Auguren von der Umfrage-Zunft. Sie waren diesmal ihr Geld nicht wert. 

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