Kunstpapst
Im
Heilbronner Museum werden Bozzetti
gesammelt. Kleine Entwürfe von großen Skulpturen. Das ist nett. Das macht die
städtischen Museen Heilbronns nicht unbedingt bekannt. Aber Künstler verdienen
sich damit ein gutes Zubrot, wenn sie die Entwürfe für ihre Plastiken auch noch
loswerden. Zumal Städte oft mehr zahlen als private Kunstsammler. Große
Ausstellungen wie in der Kunsthalle
Tübingen, die Geld ins Haus bringen, finden in Heilbronn nicht statt. Dafür
ist die Stadt mit Skulpturen vollgestellt. Die neueste Erwerbung, die
umstrittenen sieben Meter hohen Brückenköpfe von Franz Bernhard, zieren die Friedrich-Ebert-Brücke in Richtung
Bahnhof. Und Bahnhof verstehen bei diesen beiden, 250.000 Mark teuren Werken
auch viele Bürger in Heilbronn. Heilbronns Museumsdirektor Dr. Andreas Pfeiffer ist sich jedoch absolut sicher, daß er mit
diesen beiden Rost-Skulpturen Heilbronn
künstlerisch bereichert hat. Drei Experten hatte er eingeladen, die
seine Meinung bestätigten. Und jetzt will er weder rasten, noch rosten, bis er
die restlichen 250.000 Mark zusammen hat, um auch die anderen beiden
Brückenköpfe am Westufer zu installieren. Was in der Diskussion von den
Kunstexperten alles so losgelassen wurde?! Zur
Kunstbewertung gehöre Sachverstand. Kunst habe nichts mit Können und wenig
mit Ästhetik zu tun. Und schon gar nichts mit Demokratie. Volkes Stimme habe
bei der Entscheidung überhaupt nichts zu suchen. Wurde warnend mit der Faschismus-Keule gedroht. Oh, oh! Da
reden Leute wie Päpste daher, die sich gern vom Volk teuer aus dem Steuersäckel
bezahlen lassen. Aber mitreden – das dürfen nur Experten. Niemand hat etwas
dagegen, wenn sich selbsternannte
Kunstexperten alles Mögliche und Unmögliche in den Garten stellen. Das
müssen sie mit ihren Nachbarn dann ausmachen. Aber jedem steuerzahlenden Bürger
zu verbieten, sich über Kunst zu äußern, das ist schon ein starkes Stück. Einen
oder mehrere Kunstpäpste, die ex cathedra uns verkünden, was Kunst ist und was
nicht, die benötigen wir in einem demokratischen Staatswesen nicht. Ein
Städtisches Museum hat zu vermitteln, transparent zu machen, welche
Kunstrichtungen vorherrschen, hat zur Diskussion zu stellen, ist aber kein Kardinalskollegium. Religiösen Wahn in
der Kunst, den hatten wir in zwei Diktaturen in Deutschland. Auch in so mancher
Kirche, vor allem der protestantischen. Aber heute und in Heilbronn sollte er
auf Steuerzahlers Kosten keine Plattform mehr bekommen.
Klingelingeling
Nach
Hause telefonieren ... Das kennen wir von ET, dem kleinen außerirdischen Wesen.
Bisher telefonieren wir Normalverbraucher ja mit der Telekom, wenn wir daheim oder im Geschäft zum Hörer greifen. Beim
sogenannten Handy, dem Mobiltelefon, ist das schon eine ganz
andere Sache. Da können wir zwischen D1,
D2 oder E-Plus wählen – also zwischen privaten Gesellschaften und der
Telekom. Aber wer seit dem 1. Januar 1998 auch von seinem festen Anschluß
private Anbieter und ihre neuen Preise nutzen will, kann dies, ohne zur anderen
Telefongesellschaft zu wechseln. Das ist alles reichlich kompliziert. Der Kampf
unter den Telefongesellschaften tobt – in den Zeitungsspalten, vor den
Gerichten und in den Aufsichtsbehörden. Und deshalb bleibt die Mehrheit der
privaten Kunden auch brav beim Gewohnten. Interessant jedoch wird es für Firmen
– und für Vieltelefonierer. Vor allem, wenn jene kleine Box zwischen Telefon
und Anschluß geschaltet wird, die den günstigsten Anbieter für das jeweilige
Telefongespräch automatisch aussucht. Da kann enorm gespart werden. Nicht
gespart wird jedoch bei der Regulierungsbehörde für die neuen
Telefongesellschaften, die aus dem aufgelösten Bonner Postministerium
hervorgegangen ist. Streit gibt’s zwischen Kartellamt und dieser neuen Behörde.
Beobachter meinen, der liege auch darin begründet, daß der Kartellamtchef nach
B 8 (13.737 Mark pro Monat) und der Chef der Regulierungsbehörde nach B 11
(18.635 Mark) bezahlt werden. Neid ist
die Wurzel allen Übels – sprach einst ein weiser Indianerhäuptling. Oder
könnte der Streit etwa auch sachlich begründet sein?
Arbeitsuchender
Alle
Kenner der Materie wissen es schon lange und
sagen es auch laut und überdeutlich: Die Arbeitslosenzahlen in
Deutschland liegen schon seit langer Zeit weit über fünf Millionen. Es ist halt
eine statistische Bewertung, wen man alles zum
Heer der Arbeitslosen in Deutschland hinzuzählt. Wir kennen das aus
Großbritannien. Da haben Labour und Konservative so gerechnet, daß die Zahlen
nicht allzu schrecklich aussehen. Die deutschen Politiker und
Arbeitslosenzähler schieben das Zahlenmaterial auch hin und her – und kommen zu
seltsamen Ergebnissen. Aber die Zahlen allein sind nicht das erschreckende.
Erschreckend ist, welche Auswirkungen auf Menschen die drohende
Arbeitslosigkeit hat. In Frankreich demonstrierten Arbeitslose vehement und
gewalttätig. Bei uns in Deutschland gab es vor wenigen Tagen auch Demos, aber
brav und gesittet. Und vor dem Heilbronner Arbeitsamt tummelten sich lediglich
ein paar Gewerkschaftsfunktionäre, aber kaum Arbeitslose. Apropos: Warum
eigentlich vor dem Arbeitsamt? Das läßt ja keine Arbeitsplätze verschwinden.
Deutsche Obrigkeitsgläubigkeit: Der Staat muß Arbeitsplätze schaffen? Wer
arbeitslos ist, begreift sich, wenn er noch an der Zukunft ausrichtet als
Arbeitssuchender. Mitarbeiter oder gar Funktionär in einer Arbeitslosen-Organisation
zu werden, das heißt für viele Resignation. Arbeitslose sind von Staats wegen
mit den Ämtern ganz schön beschäftigt. Da bleibt auch wenig Zeit für andere
Tätigkeiten. Sozialwissenschaftler, die sich mit der Arbeitslosigkeit
beschäftigen, mahnen jedoch an: Arbeitslosigkeit ist ungesunder Streß. Und
viele, die noch im Erwerbsleben stehen, haben heute diesen Streß auch schon:
Angst, den Arbeitsplatz demnächst zu verlieren. Die Auswirkungen dieser Ängste
an den Arbeitsplätzen führt zu Mobbing, zu Resignation, falschen Handlungen,
Fehlern, etc. Und schlimm an der Situation ist: Die Menschen im Alter über
fünfzig Jahre bangen um ihre Arbeitsplätze, stehen oft morgens mit einem
klammen Gefühl im Magen auf. Wenn unsere Arbeitgeber nicht langsam aber sicher
begreifen, daß sie mit diesen älteren Arbeitskräften ein Humankapital der
besonderen Art besitzen, das deutsche Produkte auf dem Weltmarkt
konkurrenzfähig macht, dann gute Nacht Sozialstaat. Unsere mühsam nach dem
Kriege aufgebaute Demokratie könnte in Gefahr sein, wenn hier nicht bald
einsichtig und vernünftig gehandelt wird.
Ebbes
& Moritz
Sogenannte
Szene-Zeitschriften gibt es in jeder größeren Stadt Deutschlands – und
mittlerweile auch schon in so manchen Kleinstädten. Auch in Heilbronn fristen
einige dieser Blätter ihr Dasein. Vier sollen es sein. Sie erscheinen einmal im
Monat, liegen an Tankstellen, in Sonnenstudios und Discos aus, leben von den
Inseraten. Aber der Markt ist begrenzt. Die Firma PM Publishing- &
Media-Service GmbH, Herausgeber von „ebbes,
die stadtillustrierte“, stellte am 28. Januar 1998 Konkursantrag beim
Amtsgericht Heilbronn, Aktenzeichen 14 N 15/98. War das nun humorig gemeint?
Fragten sich manche Insider. Denn Anfang Februar ’98 erschien Ebbes schon
wieder. Und zwar ohne im Impressum einen Herausgeber aufzuführen, dafür aber
nicht mehr in Brackenheim bei der Firma Walter Druck & Verlag, sondern in
jener Druckerei (Brönner & Daentler KG, Eichstätt) gedruckt, in der auch
das größte Heilbronner Szeneblatt Moritz
(60.000 Auflage) hergestellt wird. Nicht gerade gesetzeskonform, im Impressum
den verantwortlichen Herausgeber nicht zu nennen. Aber sei’s drum. Somit ist
klar, was die Szene schon lange wußte: Ingo
Eckert, der Moritz-Chef, hatte das Konkurrenzblatt Ebbes (20.000 Auflage)
geschluckt. Allerdings sollen die beiden Geschäftsführer Ingo Eckert (Moritz)
und Ralf Goldfuß (Ebbes) das
verabredet haben, bevor der Sequester, der Heilbronner Rechtsanwalt, Dr. Erik Silcher informiert wurde.
Zwischenzeitlich aber vereinbarte Sequester Dr. Silcher nach sanftem Druck mit
Ingo Eckert, daß seine Moritz Verlags GmbH bei Zahlung einer gewissen Summe und
Übernahme aller Ebbes-Angestellten, den Titel des Szene-Blattes Ebbes
weiterführen darf. Damit ist nachträglich sanktioniert, was an Tatsachen vom
Duo Eckert/Goldfuß schon geschaffen war. Das Konkursverfahren gegen die Firma
PM Publishing- & Media Service des früheren Ebbes-Herausgebers Ralf Goldfuß
nimmt nun seinen Lauf. Ohne die Ebbes-Übernahme, so Dr. Silcher, wäre das nicht
möglich gewesen. Und wahr ist auch, was Lokalspatzen schon seit langem von den
Mediendächern pfiffen: Ingo Eckert, der Moritz-Mann, hat ein
Szene-Konkurrenz-Blatt weniger im Unterland zu fürchten. Übrigens: Die meisten
Existenzgründer gehen im ersten Jahr ihres Bestehens pleite. Ebbes feierte vor
kurzem seinen ersten Geburtstag.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen