Samstag, 22. März 2014

Kiliansmännle, 31.12.1997 / 01.01.1998



   
Silvester-Knallerei
Schon am Montag dieser Woche knallte es gelegentlich in den Straßen des Unterlandes. Allerdings waren nicht Verrückte mit Schießeisen unterwegs, sondern damit kündigt sich schlicht der Jahreswechsel an. „Brot statt Böller“, heißt es in christlichen Kreisen der Bevölkerung. Der heidnische Brauch mit den Böllern haben strenge Glaubenshüter auch schon in der Vergangenheit brandmarken und als sündig verabscheuen. Aber es nutzte nichts. Geschätzt wird der Wert der Silvesterknallerei beim Jahreswechsel 1997/98 auf rund 160 Millionen Mark. Klar, daß sich Hilfsorganisationen, die vor allem in der Vorweihnachtszeit mit dem Klingelbeutel durch die Gegend zogen (oder alternativ Überweisungsformulare zusandten), sich gern ein großes Stück aus diesem Knaller-Finanz-Kuchen schneiden würden. Aber der heidnische Brauch mit seiner urigen Freude am Krach und am gleißenden Lichterschein ist den Leuten einfach nicht auszutreiben – trotz zweitausendjähriger Geschichte des Christentums. Der freie Verkauf der Feuerwerkskörper läuft seit Montag, 29. Dezember 1997. Und am Morgen des Donnerstag, 1. Januar 1998 ist dann die teure Geschichte mit der Knallerei der Schnee vom vergangenen Jahr. Nur viele Feuerwehrmänner werden sich mit Grausen an die vielen Brände dieser Nacht erinnern. Auch die Ärzte und Schwestern in der Notaufnahme deutscher Krankenhäuser werden in der Silvester-/Neujahrsnacht kaum zur Ruhe kommen. Und woran liegt es? Nicht allein an den mitunter gefährlichen Knallkörpern, meinen Experten, sondern an den Knallköpfen, die wenig intelligent mit den Feuerwerkskörpern umgehen. Sie halten die Dinger angezündet in der Hand, stecken Raketen nicht vorschriftsmäßig in große Flaschen, stecken gar zur Mutprobe Knallkörper in Körperöffnungen. Abgerissene Finger, Hände oder Arme, zerfetzte Münder oder Gesichter – das sind dann die Folgen. Aber zum Trost: Die meisten Menschen können mit den Silvesterknallern umgehen. Und es bereitet vielen Bürgern schon erheblich Spaß, auf einem der Hügel um Heilbronn herum gegen 24 Uhr zu beobachten, was da alles so in die mit viel Blinken und Blitzen, Zischen und Krachen, mit Piff, Puff und Paff in die Luft gejagt wird. Ich steh dann auf dem Turm und sage: A guets ..

140.030 Mark verloren
Im Ländle lachen viele über die Stadt Heilbronn. Früher war es einmal der Spätzleskrieg, dann der Mann, der die Antibabypillen seiner Frau schluckte – jetzt ist es der Rathausskandal, der Kopfschütteln und Heiterkeitsanfälle in Baden-Württemberg auslöst. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Zum Jahresende tönte es aus Stadtratsreihen und der Verwaltung, daß nun alles anders werde. Man habe eine Verwaltungsreform eingeleitet, die fast alles zum besseren wenden werde. Vor allem die SPD blickte eisern optimistisch in eine rosige Zukunft für die Käthchenstadt. Und genau am Tag nach Weihnachten überraschte uns Joachim Friedl in der Heilbronner Stimme mit der Tatsache: „140,30 Mark wurden plötzlich zu 140.030 Mark“ in Heilbronn. Man könnte vermuten, im Zuge der Verwaltungsreform hätte der Heilbronner OB einen geldscheißenden Esel eingestellt. Aber weit gefehlt. Die Esel im Heilbronner Rathaus scheißen kein Geld – und wurden auch nicht frisch eingestellt. Sie werfen ganz in der Tradition des Rathausskandals mit allen Hufen das Steuergeld zum Fenster raus. Kurz vor der Amtsübernahme (1. August ’97) des CDU-Bürgermeisters Artur Kübler hatte man am 31. Juli in den Städtischen Krankenanstalten eine Rechnung, die auf 140,30 Mark lautete, mit 140.030 Mark beglichen – mit den Vermerken „sachlich richtig“ und „rechnerisch richtig“. Eine Firma aus Bad Rappenau-Fürfeld, die Teile für einen PC-Drucker lieferte, kassierte 139.889,70 Mark zuviel. Seit 3. November ist diese Firma konkurs – und die Stadt rennt ihrem Geld hinterher. Bemerkt hatte man den Fehler erst am 17. Dezember. Ein Erfassungsfehler, meinen die Verantwortlichen. Das Geld ist verbraten – dank der Pleite. Die Banken waschen ihre Hände in Unschuld. Denn sie überwiesen ordnungsgemäß, was die Stadt Heilbronn angewiesen hatte. Zunächst fuchtelte die Stadtverwaltung ein wenig hilflos herum – und wollte die Banken in die Pflicht nehmen. Eine Lachnummer. Jetzt hat sich die ganze Stadt Heilbronn mal wieder bis auf die Knochen blamiert – und im Stuttgarter Rathaus und anderen wird heftig geschmunzelt. Schon beim Rathausskandal meinten einige Beobachter, es gehe auch um die Ehre der Verwaltungsspitze. Einer von denen müßte doch die Verantwortung auf sich – und seinen Hut nehmen. Aber Fehlanzeige. Schlamperei scheint zum Markenzeichen der Heilbronner Stadtverwaltung mit ihren nahezu 5.000 Mitarbeitern zu werden. Die Glaubwürdigkeit, seit dem Rathausskandal und einer schallenden Ohrfeigen durch das Landgericht verloren, sollte unter großen Mühen wieder hergestellt werden. Stadträte wimmerten und jammerten in Pressekonferenzen um Nachsicht für die städtischen Mitarbeiter. Schließlich könne man nicht alle über einen Kamm scheren. Das hat auch niemand ernsthaft versucht. Aber daß grundsätzlich etwas bei der Verwaltung in Heilbronn faul ist, zeigt der neue Skandal. Und wer weiß, was unter der Spitze dieses Eisbergs noch alles lauert.

Banken-Fusion
Den Banken in Deutschland geht es zurzeit mehr als gut. Aber den Bankern in den Vorstandsetagen weht ein eisiger Wind ins Gesicht. Bei manchen Großbanken werden ganze Vorstandsetagen leergefegt. Nicht weil die Herren Vorstände in der Geschäftspolitik versagt hätten, sondern weil sie sich auf krummen Touren auch noch bereichern wollten. Zusätzlich zu ihren horrenden Gehältern. Auch in Heilbronn werden Banken und Banker mit Zensuren versehen. Vor allem aus der Wirtschaft und der Politik. Einige werden hochgelobt, andere schwer getadelt. Die Stadt ist übersichtlich, man kennt sich. Die Volksbanken im Lande, von einigen Skandalen in Nordwürttemberg in den vergangenen Monaten geschüttelt, haben um ihren guten Ruf zu fürchten. Als Genossenschaftsbanken werden sie von ihren Mitgliedern kontrolliert. Und Unregelmäßigkeiten kommen da schneller zur Sprache als bei Privatbanken. Zum Jahreswechsel wurde im Unterland eine weitere Volksbankenfusion bekannt. Die Bankvorstände gingen an die Öffentlichkeit und unterrichteten gleichzeitig schriftlich ihre Mitglieder. Die Volksbank Heilbronn und die Raiffeisenbank Neckargartach sollen im neuen Jahr miteinander verschmolzen werden. Jetzt hat ein Kenner der Volksbank-Szene und der Neckargartacher Bank sich zu Wort gemeldet und Mißstände bei der Raiba Neckargartach dargestellt. Von einer „Entledigung“ der Mitarbeiter mittels knallharter Methoden sprach er. Von hohen Gehältern der Vorstände und leitenden Angestellten und einer immer schlechter werdenden Ertragslage, sprach er, was zu einem Abbau des Personals führte – ohne Rücksicht auf deren Zukunft zu nehmen. Und dann der Frontalangriff: Verschwiegen werden in dem Mitteilungsschreiben der Raiba Neckargartach, „daß die Gehälter, welche sich die Herren Vorstände zugemessen haben, eindeutig zu hoch sind und keinen meßbaren Leistungen gegenüberstehe. Wie sagte doch einmal ein Vorstand dieser Bank: „Mein Arbeitsplatz ist sicher, was aber mit Euch passiert, kann ich nicht sagen.“ – Jetzt kocht und brodelt die Heilbronner Volksbank-Fusionssuppe. Und die anberaumten Mitgliederversammlungen könnten zu einem Tribunal werden. Aber vielleicht gibt es demnächst Informationen und Aufklärung, die eine sachliche Diskussion möglich machen. Einfach, um den guten Ruf zu wahren – oder wenigstens wiederherzustellen.

Unterländer Kinoboom
Die Stadt Neckarsulm lebt gut. Kann die Gewerbesteuer-Hebesätze senken, um Industriebetrieben schmackhaft zu machen, sich in der Autostadt anzusiedeln. Aber nicht nur die. Auch Dienstleister zieht es an die Stadt an Neckar und Sulm. Zum Beispiel der Europlex-Filmpalast an der südliche Eingangspforte der Stadt – mit „Gesicht“ nach Heilbronn ausgerichtet. – Wenige Monate brauchte es nur, um das Großkino  mit rund 1.900 Plätzen in Neckarsulm zu errichten. Und das in einer Zeit, in der der Kampf um die Zuschauer in vielen Städten erbarmungslos geführt wird. Auch bei uns in Baden-Württemberg. Voraussetzungen für eine solches Großkino: Es muß vor allem von jungen Leuten (heute das allesentscheidende Publikum im Kino) leicht zu erreichen sein, entweder mit dem öffentlichen Nahverkehr oder per Auto; es müssen ausreichend Parkplätze vorhanden sein; die Vorführgeräte und das Tonsystem müssen auf dem neuesten technischen Stand sein, um die Qualität der gezeigten Filme rüberzubringen; das Ambiente muß stimmen – freundliche Atmosphäre in der Architektur, Sauberkeit, geschultes Personal, Essen und Trinken zu annehmbaren Preisen. Wer auf diesen Feldern im Konkurrenzkampf die Nase vorn hat, kann das Rennen machen. Und da ist in Heilbronn aus Politik-Kreisen zu hören, daß die bisher allein auf dem Unterländer Kinomarkt herrschenden Jäger-Filmtheater in absehbarer Zukunft Konkurrenz durch die Flebbe-Gruppe bekommen soll, die bekanntlich zum Stuttgarter Deyle-Konzern gehört. Es hätte schon eine Besichtigung der Heilbronner Kinoszene durch Vertreter dieses Kinounternehmens gegeben. Und deren Vertreter seien dabei zuversichtlich gewesen. Schließlich versprach man, in Heilbronn alles noch besser als das Vorhandene in Neckarsulm zu gestalten. Und so frohlocken jetzt einige Kommunalpolitiker, denen das Neckarsulmer Großkino ein Dorn im Auge ist. Mal sehen, wie sich dieser Konkurrenzkampf entwickelt. Und ob das Heilbronner Großkino dann am Berliner Platz oder am Kurt-Schumacher-Platz stehen wird.  

Grippewelle – jetzt
In Hongkong werden derzeit alle Hühner getötet. Sie sollen die gefährliche Hühnergrippe verbreiten, an der in dieser Stadt schon vier Menschen gestorben sind. Aber auch in unseren Breitengraden hat jetzt eine zweite Grippewelle, die erste kam schon im Frühherbst, viele Leute niedergeworfen. Gliederschmerzen, Kopfweh, Husten, Halsschmerzen – all das zusammen sind Anzeichen für diese Viruserkrankung. Gerade der Streß in der Vorweihnachtszeit hat so manchen Zeitgenossen über die Feiertage schlaff werden lassen. Wer glaubt, dieses Unwohlsein mit ein paar Tabletten oder Säftchen wieder in den Griff zu bekommen, hat sich meistens sehr getäuscht. Eine Viruserkrankung ist medikamentenresistent. Man lindert höchstens die unangenehmsten Zustände. Aber gesunden kann man nur, wenn man ruhig im Bett liegt und sich auskuriert. Nahezu unverantwortlich handeln jene, die sich mit dieser Viruserkrankung zur Arbeit begeben. Sie schädigen nicht nur sich selbst, sondern gefährden akut ihre Mitmenschen. Ein Händedruck, die Tröpfchen in der Atemluft – all das ist schon ansteckend. Weggewischt wird diese unverantwortliche Gefährdung anderer durch dumme Sprüche wie: Das ist nur eine Erkältung. In dieser Zeit ist es am besten, man gibt niemandem die Hand, unterläßt es, anderen zu nahe zu kommen und auch das Küssen – und wäscht sich mehrmals am Tag die Hände. Schniefende Verkäuferinnen in Wurst- und Käseabteilungen sollte man höflichst bitten, die Ware doch per Plastikhandschuh anzufassen (was ja eigentlich heutzutage eine hygienische Selbstverständlichkeit sein sollte). Man muß ja nicht gleich wie die Japaner mit einem weißen Mundschutz durch die Gegend laufen, um sich zu schützen. Aber sinnvoll ist dieser Schutz schon. Auch wenn jetzt so mancher Zeitgenosse lächelt – und manche Zeitgenossin (wegen Frisur und Schminke) ein solches Unterfangen brüsk ablehnt.

Pay- oder Free-TV?
Irgendwann in den nächsten Monaten (oder etwa Jahren) wird das Landesmediengesetz bei uns in Baden-Württemberg novelliert. Bisher hat die Politik nur hilflose Versuche zustande gebracht, den Rundfunk im Südwesten zu ordnen. Die Nachkriegszeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird 1998 überwunden sein, wenn aus Süddeutschem Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF) der Südwestrundfunk entstanden ist. Das kommt uns Gebührenzahler zunächst – wie uns die Verantwortlichen Quasibeamten aus den Funkhäusern treuherzig versichern – teuer zu stehen. Zumindest in den ersten Jahren, bis weit ins 21. Jahrhundert. Und die Politik, vor allem die traditionellen Parteien samt Grünen, ziehen locker mit. Warum auch nicht? Sie wollen sich  ja ihren direkten Einfluß auf die Sender sichern. Bei Privatsendern ist das mit der Einflußnahme auf die Redaktionen schon schwieriger. Manche Beobachter sprechen davon, daß die neue Bundesrepublik in Wirtschaft und Publizistik nicht mehr als eine humanere DDR sei, mit einem machtvollen Einfluß des Staates und der Parteien auf alle möglichen Gebiete des täglichen Lebens. „1984“ von George Orwell stehe da munter Pate, wenn man an Zwangsgebühren für den Rundfunk, die Steuer- und Abgabenlast in Bund, Land und Kommunen für (vor allem) die Bürger, die direkte Einflußnahme des Staates auf die Sozialversicherungen denke. Vom Staat als Selbstbedienungsladen der Parteien und ihrer treuesten Diener in Behörden und Parlamenten, den Beamten, ist dann die Rede. Wie kann man einer Tendenz entgegenwirken, bei der eine Gruppe zum „Wohle aller“ so herrscht, daß als Wohl nur das definiert wird, was ihr von Nutzen ist? Einfach indem man sich wehrt. Da gibt's zum Beispiel die Debatte um das Pay-TV. „Bezahltes Fernsehen“, also Pay-TV ist in erster Linie das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die ARD und das ZDF mit allen ihren Zweigkanälen von den dritten Programmen, über Arte bis zu Phoenix. Dafür werden von jedem Fernsehgerät-Besitzer monatlich Zwangsgebühren eingetrieben. Für die gleichzeitig empfangbaren Privatsender wird nichts gezahlt. Die leben von Werbeeinnahmen.  Wer darüber hinaus mit einem Decoder spezielle Programme empfangen will, muß nochmals zahlen. Eine ganz spezielle Form von Pay-TV.  So kann man Worte als Propaganda benutzen, um vom Kern der Sache abzulenken. Aber das kennen wir ja.

Wahljahr 1998
1998 wird ein Wahljahr. Im Herbst stehen die Bundestagwahlen an. Und auch Landtagswahlen in Bayern. Im Frühjahr wird in Niedersachen ein neues Landesparlament gewählt. Gerhard Schröder, der alleinregierende SPD-Ministerpräsident, will maximal ein Minus von zwei Prozent akzeptieren. Erst dann will er sich entscheiden, ob er als Kanzlerkandidat seiner Partei nach Bonn geht oder an der Leine bleibt. Wenn Schröder nicht will oder kann, dann werden die Sozialdemokraten ihren Vorsitzenden, den saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine ins Rennen gegen Helmut Kohl schicken. Es kommen spannende neun Monate auf uns zu. Im Unterland haben die beiden großen Parteien, CDU und SPD, in der Vorweihnachtszeit ihre Kandidaten schon ins Rennen geschickt. Thomas Strobl, Rechtsanwalt, CDU-Kreisvorsitzender, Heilbronner Stadtrat und Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, hat schon den ersten Schlagabtausch mit seinem Kontrahenten im Gemeinderat, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Harry Mergel hinter sich. Beide sind erst seit wenigen Monaten im Amt – und zunächst hatte es den Anschein, als ob sich eine harmonische Zusammenarbeit im Ratssaal anbahnt. Bei der Bürgermeisterwahl setzten beide großen Parteien auf Artur Kübler, den damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden. Und auch bei einer Erarbeitung eines 10-Punkte-Plans für die Entwicklung Heilbronns war man noch ein Herz und eine Seele. Aber als die SPD sich vom gemeinsam erarbeiteten Papier in vielen Punkten verabschiedete, war der Bruch da. Der Kontrahent Strobls im Bundestagswahlkampf heißt bei der SPD allerdings Harald Friese, seines Zeichens Bürgermeister der Stadt Heilbronn, der vom Krankenhaus- und Ordnungsdezernat ins Kulturamt wechselte als Artur Kübler in die Verwaltungsspitze gewählt wurde. Die Misswirtschaft im Krankenhausbereich, die kurz nach Weihnachten ans Licht der Öffentlichkeit geriet, dieser Vorfall ist noch zu Amtszeiten Frieses über die Bühne gegangen. Jetzt schwiegt die SPD betreten, denn sie will ja ihren Bundestagskandidaten nicht beschädigen. Auch der Gewerkschaftsflügel in der SPD hält sich zurück. Dort hat man genug mit den Wahlfälschungsvorwürfen bei den Heilbronner Verkehrsbetrieben zu tun. Und auch die Drogen- und Verkehrspolitik des Dezernenten Friese werden im Wahlkampf der nächsten Monate im Unterland eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Direkt gewählt im Wahlkreis ist jener Kandidat, der die meisten Stimmen erhält. Und da es um die Nachfolge Egon Sussets geht, werden nur wenige Prozentpunkte entscheiden. Thomas Strobl ist optimistisch, das Direktmandat zu erringen.

Gute Aussichten?
Die wirtschaftlichen Aussichten in der Bundesrepublik Deutschland scheinen nicht so schlecht zu sein wie viele Pessimisten uns glauben machen wollen. Und auch nicht so gut, wie blauäugige Optimisten uns weismachen wollen. Drei Prozent Wirtschaftswachstum erwarten die Wirtschaftsauguren für das Jahr 1998 – und dazu eine gleichbleibende Anzahl von Arbeitslosen in einer Höhe von 4,5 bis fünf Millionen Menschen. Getragen wird dieses Wachstum vom Export, meinen die Experten. Wirtschaftszweige wie Einzelhandel oder Bau werden von diesem kleinen Aufschwung nicht profitieren. Unsere Politiker werden sich – wie nicht anders zu erwarten – diese positiven Aussichten als schmückende Federn an den Hut stecken. Dabei sind sie es gewesen, die verhindert haben, daß der prognostizierte Aufschwung satt ausfällt. In der Belastung der Bürger sind Staat, Länder und Kommunen Preistreiber. Wenn sie sagen „Wir müssen sparen“, dann meinen sei, daß nur weniger Geld ausgegeben wird. So werden Begriffe verhunzt, nahezu zur Lüge verdreht. Denn Sparen heißt ja nicht anderes, als Geld, das man hat, zurückzulegen. Wenn Sparen heißt, daß Geld, das man nicht hat, weniger ausgegeben wird, dann läuft der gesunde Menschenverstand Amok. Ich nenne das schlicht: Weniger Schulden machen als geplant. Aber Schulden bleiben Schulden. Und werden durch Wortverdrehungen nicht zu gespartem Kapital. Manche Politiker glauben, durch Sand in die Augen der Wähler streuen erhöhten sich die Chancen, gewählt zu werden. Durch maßlose Versprechen -– nach dem altbekannten Motto „Brot und Spiele“ – würden die Bürger schon ruhig gestellt. Aber die letzten Jahre, vor allem die letzte Landtagswahl in Baden-Württemberg, haben gezeigt, daß der Wähler strutsauer ist. Eine Steuerreform bekam die Politik nicht zustande, weil beide große Parteien Bücklinge vor ihrer jeweiligen Klientel machten statt allseits gelobte Pläne in die Tat umzusetzen. Die Freien Demokraten entpuppten sich immer mehr als Bremser, weil sie glaubten dadurch Profil zu gewinnen. Und die Grünen träumen von einem Europa, das durch deutschen Umweltschutz beglückt wird. Bei den Republikanern, der Protestpartei, ist in nahezu allen Politikfeldern Fehlanzeige angesagt. Jetzt beginnt das große Durchwurschteln. Sich winden und drehen, ohne etwas Konkretes zu sagen oder meinen. Oder wird doch alles ganz anders?   

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